Nach Zusage der Panzerlieferungen Anleger feiern Rüstungskonzern Rheinmetall

Anleger überschütten den Rüstungskonzern Rheinmetall mit Vorschusslorbeeren. Auch Unternehmenschef Armin Papperger gibt sich optimistisch. Dabei liegen faktisch noch gar keine Aufträge vor.
"Die gesamte deutsche Industrie ist bereit zu liefern": Armin Papperger, Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall

"Die gesamte deutsche Industrie ist bereit zu liefern": Armin Papperger, Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall

Foto: THILO SCHMUELGEN / REUTERS

Die lang erwartete Entscheidung Deutschlands, Leopard-Kamfpanzer in die Ukraine zu schicken, hat die Aktien von Rheinmetall am Mittwoch auf ein Rekordhoch getrieben. In der Spitze kletterten die Papiere des Unternehmens auf rund 231 Euro und brachten dem Konzern, der die Panzer gemeinsam mit dem Wettbewerber Krauss-Maffei Wegmann produziert, zwischenzeitlich eine Bewertung von rund zehn Milliarden Euro ein. Auch wenn die Papiere am späten Nachmittag wieder ins Minus drehten, empfiehlt sich das fast 134 Jahre alte Unternehmen damit als möglicher Kandidat für den Leitindex Dax, sagen Experten.

Einen Tag zuvor hatte Rheinmetall-Chef Armin Papperger (59) den mittelfristigen Umsatzausblick des Unternehmens angehoben, weil er mit höheren Verteidigungsausgaben aufgrund des Krieges in der Ukraine rechnet. Zugleich forderte er die Bundesregierung auf, geplante Großaufträge zu beschleunigen und das Versprechen einzulösen, die Streitkräfte zu stärken.

Laut Papperger, der den Konzern seit zehn Jahren leitet, hat der Einmarsch Russlands in die Ukraine die Geschäftsaussichten des Konzerns verbessert. Der Konzernchef geht nunmehr davon aus, dass der Umsatz bis 2025 auf elf bis zwölf Milliarden Euro steigen werde. Im November war der Rüstungskonzern noch von zehn bis elf Milliarden Euro ausgegangen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr rechnet Papperger mit einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro.

Rheinmetall wurde 1889 gegründet, um das damalige Deutsche Reich mit Munition zu versorgen, und war auch während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, in dem das Unternehmen vorübergehend verstaatlicht wurde, ein wichtiger Waffenlieferant für das deutsche Militär. Heute beschäftigt das Unternehmen, das auch ein wichtiger Zulieferer der Automobilbranche ist, weltweit mehr als 25.000 Mitarbeiter und stellt neben dem Kampfpanzer Leopard auch die Schützenpanzer Puma und Marder sowie verschiedene Munitionstypen her.

Rheinmetall könnte 139 Leopard-Panzer liefern

Zu den bisherigen Direktlieferungen von Rheinmetall an die Ukraine gehören Flugabwehrsysteme zur Drohnenbekämpfung, Munition, Militärlastwagen sowie ein Feldlazarett. Der Konzern könne laut eigenen Angaben insgesamt 139 Leopard-Panzer – 51 des Modells 2 und 88 des älteren Modells 1 – an die Ukraine liefern. Insgesamt 29 der Leopard 2A4-Panzer könnten bereits im April oder Mai ausgeliefert werden können.

Die Analysten von Stifel Equity Research schätzen, dass die Leopard-Lieferungen Rheinmetall in diesem und im nächsten Jahr zwischen 300 und 350 Millionen Euro Umsatz einbringen könnten. Dies wäre zwar nur ein Bruchteil des Gesamtumsatzes, der nach Schätzungen des Datenanbieters Refinitiv im Jahr 2023 bei 7,6 Milliarden Euro liegen wird. Aber als einziger qualifizierter Lieferant von Leopard-2-Munition könnte der Konzern einen signifikanten Gewinnanstieg verzeichnen.

Das Brokerhaus schätzt, dass die Munitionsverkäufe das Kernergebnis von Rheinmetall um 32 Millionen Euro pro Monat erhöhen könnten. Das würde den monatlichen Gewinn von Rheinmetall auf Basis der für die ersten neun Monate des Jahres 2022 gemeldeten Zahlen verdoppeln.

Analysten der UBS warnen allerdings, dass die Rheinmetall-Aktie künftige Rüstungsaufträge zwar weitgehend eingepreist habe, die Bestellungen faktisch aber noch nicht vorliegen. Auch Papperger forderte die Bundesregierung in dieser Woche auf, den angekündigten 100-Milliarden-Euro-Sonderhaushalt für Rüstungsgüter tatsächlich auch schnell umzusetzen: "Die gesamte deutsche Industrie ist bereit zu liefern", sagte er auf einer Industrieveranstaltung. Sie brauche aber Planungssicherheit. Rheinmetall sei in der Lage, mehr Artilleriemunition zu produzieren als die Vereinigten Staaten, habe bisher aber "nicht einen einzigen Auftrag erhalten".

rei/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.