Drei Instrumente für mehr Effizienz Wie Unternehmen der Umwelt wirklich helfen können

Um sie geht es.

Um sie geht es.

Foto: NASA Earth Observatory/ Joshua Stevens/ Miguel Román/ NASA's Goddard Space Flight Center

Bis 2030 werden eine Milliarde mehr Menschen unseren Planeten bevölkern, hat die UNO berechnet. Im selben Zeitraum wird sich die sogenannte "Mittelschicht", also der Anteil an der Weltbevölkerung, der es zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat und konsumieren möchte, verdoppeln. Obwohl es eigentlich zu begrüßen ist, dass es immer mehr Menschen schaffen, sich aus den Klauen des Mangels zu befreien, wirft diese Entwicklung doch eine ganz neue Frage auf: Wie können die wachsenden Bedürfnisse all dieser Neukonsumenten befriedigt werden, ohne die natürlichen Ressourcen unserer Erde zu überfordern?

Was ist zu tun, um diese neue Zukunfts-Herausforderung bewältigen zu können? Einfach unseren Konsum einstellen? Oder gar einen neuen Planeten besiedeln? Alles logischerweise vollkommen unrealistisch! Also müssen wir uns ein neues Wachstumsmodell einfallen lassen, das verantwortungsvolle Nutzung unserer natürlichen Ressourcen, berechtigtes Rentabilitätsstreben der Wirtschaft und die Befriedigung der legitimen Bedürfnisse von uns allen unter einen Hut bringt. Aber wenn wir diese drei Anforderungen wirklich zum Einklang bringen wollen, müssen wir umdenken.

Lassen wir uns nicht vom Ausmaß dieser globalen Herausforderung verrückt machen. Denn schon alleine die digitale Revolution, die Teilen und anwender-orientierte Nutzung zur wirtschaftlichen Prinzipien gemacht hat, kann die Hochphase technischen Fortschritts, in der wir uns gerade befinden, weiter verstärken und beschleunigen.

Und dieser Trend ist nicht ganz neu. Moderne Smartphones zum Beispiel haben drei Hauptfunktionen: Telefonie, Internetzugang und Fotografie - gebündelt in einem Gegenstand, der gerade einmal 100 Gramm wiegt. Vor 30 Jahren benötigte man für die gleichen Anwendungen drei einzelne Geräte mit 15 Kilogramm Gewicht - und hatte viel weniger Leistung. Die schockierende Tatsache dabei ist, dass wir heute für die Herstellung eines einzigen Smartphones etwa 70 Kilogramm an Rohstoffen verbrauchen. Das Endprodukt ist zwar klein, aber der Produktionsaufwand enorm...

Um unsere Ressourceneffizienz zu verbessern, ist es unerlässlich, in drei Bereichen greifbare Fortschritte zu erzielen.

Drei Leitlinien für mehr Ressourcen-Effizienz

Erstens: Weniger Rohstoffe verbrauchen. Das bedeutet, leichtgewichtigere Endprodukte herstellen und die Wiederverwertungsquote am Ende des Produktzyklus steigern: Derzeit werden nur 25 bis 30 Prozent der Kunststoffe recycelt während es bei Glas 120 Prozent sind. Der Autobauer PSA verwendet in der Produktion seiner Neufahrzeuge zu 30 Prozent wiedergewonnene Rohstoffe - mit viel Spielraum nach oben.

Zweitens: Produkte länger nutzen und bereits so konzipieren, dass gebrauchte Geräte durch einfache Nach- oder Umrüstung modernisiert werden können.

Drittens: Produkte intelligent nutzen und ihre Lebensspanne erhöhen - "Smart Use". Während Flugzeuge 50 bis 70 Prozent ihrer Lebensdauer auch tatsächlich fliegen, sind Autos nur während 5 bis 7 Prozent ihrer Existenz in Bewegung! Das Verbesserungspotenzial ist riesig.

Auch neue Technologien sind vielversprechend. 3D-Druck zum Beispiel verspricht potenziell sehr hohe Materialeinsparungen. Die Technologie steckt allerdings noch in den Kinderschuhen und die anfallenden Prozessabfälle überwiegen meist noch die Einspareffekte. Die Daten, die über das Internet der Dinge eingesammelt werden, ermöglichen schon heute eine spürbare Verringerung von Produktionsabfällen bei KFZ-Teilen oder auch substanzielle Einsparungen im Wasserverbrauch. Generell werden durch das Nutzerfeedback in Echtzeit und die Analyse der gesammelten Daten (Stichwort "Big Data") durch intelligente Algorithmen ein wirtschaftlich effizienterer Materialeinsatz möglich und Entwicklungszeiten verkürzt, weil die Anwendung von Produkten optimiert und überflüssige Funktionaltäten eliminiert werden.

Wir haben unzählige Möglichkeiten, unsere Ressourcen effektiver zu nutzen. Die Schwierigkeit liegt weniger darin, Ideen zu finden und umzusetzen. Vielmehr haben wir uns der Herausforderung zu stellen, weltweit unsere wirtschaftlichen, ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Frage stellen zu müssen.

Beim World Materials Forum sind wir davon überzeugt, dass kollektive Intelligenz der beste Weg ist, bei minimalem Aufwand hochwertige Lösungen zu entwickeln und diese auch anzuwenden. Deshalb bringen wir im Juni 2017 bereits zum dritten Mal die im Bereich der Materialeffizienz weltweit führenden Stakeholder in Nancy zusammen - Entscheider Gründer und Forscher aus multinationalen Unternehmen, Startups, NGOs und Universitäten.

Gemeinsam werden wird mit vereintem Know-how und gebündelten Kräften Antworten auf eine der entscheidenden Fragen für unsere Zukunft suchen: Wie können wir gleichzeitig Wachstum sichern, für Produzenten und Verbraucher Werte schaffen und dabei so wenig wie möglich Ressourcen verbrauchen? Die Antwort darauf ist nicht nur technisch, gesellschaftlich, ökonomisch oder ökologisch - sie kann nur global sein.

Victoire de Margerie ist Unternehmerin, Multi-Aufsichtsrätin und Vize-Präsidentin des World Materials Forum .

Philippe Varin war Vorstandschef des Auto-Konzerns PSA (2009 bis 2014), ist derzeit Aufsichtsratschef des Energieanlagen-Herstellers Areva und Präsident des World Materials Forum , das am 29. und 30. Juni in Nancy stattfindet.

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