Rekordplus bei Auftragseingängen Deutsche Industrie erholt sich rasant

Die Auftragsbücher der deutschen Industrie füllen sich nach dem Ende der harten Corona-Beschränkungen in Rekordgeschwindigkeit. Das Auftragsplus im Juni war so hoch wie nie zuvor - auch die Autoindustrie erholt sich.
Maschinenbau: Die Aufträge für die deutsche Industrie liegen bereits wieder bei 90 Prozent des Vorkrisenniveaus. Eine rasche Erholung vom coronabedingten Einbruch ist immer noch möglich

Maschinenbau: Die Aufträge für die deutsche Industrie liegen bereits wieder bei 90 Prozent des Vorkrisenniveaus. Eine rasche Erholung vom coronabedingten Einbruch ist immer noch möglich

Foto: Bernd Wüstneck/ picture alliance/dpa

Die Bestellungen in der deutschen Industrie stiegen im Juni um 27,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Volkswirte hatten nur mit einem Plus von 10,1 Prozent gerechnet. Im Mai hatte es bereits ein Plus von 10,4 Prozent gegeben, das allerdings auf einen Einbruch von 26,1 Prozent im April folgte. Die Erholung komme "einen großen Schritt voran", betonte das Ministerium. Auch wenn man den aussagekräftigeren Vergleich mit dem Vorjahresmonat heranzieht (siehe Grafik unten), wird die Erholung deutlich: So lagen zum Beispiel die Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe im April 2020 um rund 37 Prozent unter dem Vorjahres- bzw. Vorkrisenmonat (April 2019). Im Juni war es dann nur noch ein Minus von 6,1 Prozent gegenüber Vorjahr. Bei den Verbrauchsgütern schrumpfte das Minus zum Vorjahresmonat im Juni auf 0,2 Prozent, und bei den Gebrauchsgütern war es sogar ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber Juni 2019.

Die Auftragseingänge hätten insgesamt bereits wieder ein Niveau von 90,7 Prozent der Bestellungen vor Ausbruch der Pandemie im vierten Quartal 2019 erreicht. "Allerdings hinken die Aufträge aus dem Ausland der Entwicklung im Inland hinterher", so das Ministerium. "Dies zeigt auf, warum der weitere Erholungsprozess langsamer voranschreiten wird." Die Aufträge aus Deutschland kletterten im Juni um 35,3 Prozent, die aus dem Ausland um 22,0 Prozent. Dabei legten die Aufträge aus der Euro-Zone um 22,3 Prozent zu, die aus dem restlichen Ausland um 21,7 Prozent.

Das Bruttoinlandsprodukt ist wegen der Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie im zweiten Quartal in Rekordtempo eingebrochen. Es fiel um 10,1 Prozent niedriger aus als im Vorquartal. Für das laufende Sommerquartal rechnen die meisten Experten aber mit einer deutlichen Belebung.

Inlandsaufträge steigen im Juni um mehr als ein Drittel

Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen lag der reale Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe im Juni saison- und kalenderbereinigt 23,8 Prozent höher als im Mai, wie das Statistische Bundesamt weiter ausführte. Im Vergleich zu Februar, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war der Auftragseingang im Juni saison- und kalenderbereinigt um 11,3 Prozent niedriger. Im Vergleich zum Vormonat stiegen den Angaben zufolge die Aufträge aus dem Inland im Juni um 35,3 Prozent, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 22 Prozent. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Euro-Zone um 22,3 Prozent zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland stiegen um 21,7 Prozent gegenüber Mai, wie die Statistiker ausführten.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang demnach mit 10,6 Prozent über dem Vormonat. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen kräftigen Anstieg um 45,7 Prozent. Im Bereich der Konsumgüter stiegen die Aufträge um 1,1 Prozent.

Autoindustrie mit 66 Prozent mehr Aufträgen

In der Automobilindustrie stieg der Auftragseingang im Juni wieder deutlich um 66,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Er liegt aber noch um 12,2 Prozent niedriger als im Februar.

Der preisbereinigte Umsatz im verarbeitenden Gewerbe lag nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts im Juni 2020 saison- und kalenderbereinigt um 12,5 Prozent höher als im Vormonat. Im Vergleich zu Februar war der Umsatz im Juni 2020 saison- und kalenderbereinigt 14,7 Prozent niedriger. Auch in der Automobilindustrie stieg der Umsatz mit einem Plus von 53,5 Prozent zu Mai wieder deutlich an. Er lag aber noch um 20,6 Prozent niedriger als im Februar.

la/Reuters
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