Donnerstag, 18. Juli 2019

Verdacht illegaler Abfallentsorgung Razzia beim Dax-Konzern K+S

Polizei und Ermittler im Haus: K+S kooperiere in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden. Mehr will das Unternehmen zu den Anschuldigungen der illegalen Abfallentsorgung nicht sagen. Dabei gehen die Ermittlungen und Durchsuchungen auf eine Strafanzeige bereits im Jahr 2008 zurück

Eigentlich steht der Dax-Konzern K+S derzeit wegen eines möglichen Übernahmekampfes mit dem kanadischen Konkurrenten Potash im Blickpunkt der Anleger - Potash hatte zuletzt 41 Euro je Aktie des Düngemittel- und Salzproduzenten geboten.

Doch seit Mittwochmorgen muss der Konzern auch mit dem Verdacht der Staatsanwälte kämpfen, das Unternehmen habe im großen Stil illegal Abfälle entsorgt. Ermittler haben am Mittwochmorgen Büro- und Geschäftsräume des Unternehmens durchsucht. Es soll sich um vier Bürogebäude sowie zwei Privatwohnungen in Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz gehandelt, wie das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) in Erfurt mitteilte.

Die Ermittlungen richteten sich gegen 15 Verantwortliche von K+S in Kassel, Unterbreizbach und Philippsthal sowie zwei Mitarbeiter des Thüringer Landesbergamtes. Es gehe darum, dass das Unternehmen Salzlauge in der Gerstunger Mulde in den Erdboden gepumpt haben soll.

Entsorgungsgenehmigung war juristisch womöglich nicht gedeckt

K+S mit Sitz in Kassel - und mit mehr als 4000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Grenzgebiet von Hessen und Thüringen - teilte mit, der Konzern kooperiere in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden. Zu den laufenden Ermittlungen wollte sich Unternehmenssprecher Michael Wudonig jedoch nicht äußern.

Insgesamt soll der Konzern nach LKA-Angaben von 1999 bis 2007 bei der Kali-Gewinnung 9,5 Millionen Kubikmeter Abfall in den sogenannten Plattendolomit versenkt haben. Die Genehmigung dafür erteilte das Landesbergamt, obwohl aus Sicht der Ermittler die wasserrechtlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben waren.

Millionen Kubikmeter Salzlauge versenkt

Aufgrund der geologischen Beschaffenheit der Gerstunger Mulde habe von vornherein damit gerechnet werden müssen, dass sich die versenkte Salzlauge unkontrolliert ausbreite. Der Mineralgehalt der versenkten Kalilauge sei etwa zehnmal höher als Meereswasser gewesen und habe damit eine Gefahr für das Grundwasser dargestellt.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Meiningen und die Durchsuchungen gehen auf eine Strafanzeige der thüringischen Gemeinde Gerstungen von 2008 zurück. Seither laufe ein umfangreiches Verfahren, dessen Ende derzeit noch nicht absehbar sei. Die Gemeinde Gerstungen hatte zudem bislang erfolglos gegen das Versenken von Salzabwässern vor Gericht geklagt.

Ein "Gutachten zur Versalzung der Gerstunger Trinkwasser-Brunnen infolge der Versenkung von Kaliabwässern" forderte bereits im November 2007, die Entsorgung der Laugen des Konzerns in der Gerstunger Mulde und im Raum Kleinensee schnellstmöglich zu beenden.

rei/dpa

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