Diagnostikkonzerne Qiagen und US-Wettbewerber Bio-Rad verhandeln über Fusion

Das deutsche Biotech-Unternehmen Qiagen und sein US-Wettbewerber Bio-Rad führen Fusionsgespräche. Der Deal zwischen den Diagnostikunternehmen hätte einen Wert von mehr als 10 Milliarden US-Dollar.
Mögliche Fusion: Qiagen hatte zum Handelsschluss am Montag einen Marktwert von fast 10 Milliarden US-Dollar. Am Dienstag kam die Aktie dann leicht zurück

Mögliche Fusion: Qiagen hatte zum Handelsschluss am Montag einen Marktwert von fast 10 Milliarden US-Dollar. Am Dienstag kam die Aktie dann leicht zurück

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Das US-Biotechunternehmen Bio-Rad befindet sich in Gesprächen über einen Zusammenschluss  mit dem Life-Sciences-Kollegen Qiagen. Die Gespräche liefen seit einiger Zeit, berichtete das "Wall Street Journal" ("WSJ") am Montag Abend unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Qiagen-Aktie reagierte mit einem Kurssprung: Qiagen hatte zum US-Handelsschluss am Montag einen Marktwert von fast 10 Milliarden US-Dollar.

In den nächsten Wochen dürfte es allerdings keine Vereinbarung über den womöglich 10 Milliarden US-Dollar schweren Deal geben. Möglicherweise einigten sich die Unternehmen auch nicht. Damit steht Qiagen abermals im Fokus eines geplanten Unternehmensdeals, nachdem das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits mehrere Offerten erhalten haben soll.

Der Marktwert von Bio-Rad betrug 11,6 Milliarden US-Dollar, nachdem die Aktien nach dem Bericht des Wall Street Journal über die Deal-Gespräche um knapp 9 Prozent auf 392,95 US-Dollar gefallen waren. Ein Deal zwischen Qiagen und Bio-Rad wäre eine weitere Fusion auf dem Markt für medizinische Diagnostik. Sollten die jüngsten Fusionsgespräche Früchte tragen, wäre es eine der größten Transaktionen der letzten Monate. Steigende Zinsen und eine galoppierende Inflation haben dazu geführt, dass die Bewertungen am Aktienmarkt eingebrochen sind.

Bio-Rad ist an Sartorius beteiligt

Bio-Rad mit Sitz in Kalifornien stellt Produkte für die biowissenschaftliche Forschung und die klinische Diagnostik her. Das Unternehmen ist an einem weiteren deutschen Branchenvertreter beteiligt: Sartorius. Der Anteil von Bio-Rad an dem mit gut 25 Milliarden Euro bewerteten Unternehmen liegt aktuell bei 28 Prozent. Zu seinen Kunden zählen Universitäts- und Forschungseinrichtungen, Krankenhäuser, öffentliche Gesundheits- und kommerzielle Labors sowie Biotechnologie- und Pharmaunternehmen. Das Unternehmen, das rund 7900 Mitarbeiter beschäftigt, erzielte laut seiner Webseite im Jahr 2021 einen Umsatz von 2,9 Milliarden US-Dollar.

Qiagen hat Technologien entwickelt, die DNA, RNA und Proteine ​​aus Blut, Gewebe und anderen Materialien isolieren und verarbeiten. Das Unternehmen hat mehr als 500.000 Kunden und beschäftigt mehr als 6.100 Mitarbeiter an über 35 Standorten weltweit.

Eine Fusion beider Unternehmen könnte durchaus Sinn ergeben, kommentierte Berenberg-Experte Odysseas Manesiotis in einer ersten Reaktion am Dienstag. Neben Kundenüberschneidungen hätten beide Unternehmen führende Positionen in verschiedenen Bereichen ihrer Märkte eingenommen. So könnte Bio-Rad etwa von der Reichweite Qiagens im Segment rund um Biowissenschaften profitieren und damit die Geschäftsbereiche Genomik, Proteomik und Zellbiologie ausbauen. Qiagen dürfte hingegen die Reichweite von Bio-Rad bei Krankenhauslaboren zugutekommen. Durch die Überlappungen bei Kunden und Lieferanten könnten ferner Kosten deutlich reduziert werden - allerdings könnte dies auch Regulierer auf den Plan rufen. Manesiotis sieht zudem erhebliches kartellrechtliches Risiko bei der digitalen Polymerase-Kettenreaktion (dPCR).

Übernahmeversuch von Thermo Fisher für Qiagen vor zwei Jahren geplatzt

Für Qiagen ist es nicht das erste Mal, dass das Unternehmen Interesse auf sich zieht: Vor zwei Jahren hatte das US-amerikanischen Technologieunternehmen Thermo Fisher Scientific aus Waltham (Bundesstaat Massachusetts) versucht, Qiagen für zehn Milliarden Dollar an sich zu reißen. Der Deal platzte aber, weil die Aktionäre dem Vorhaben nicht zustimmten und es nicht zur benötigten Zwei-Drittel-Mehrheit kam . Vor allem der aktivistische Investor Davidson Kempner Capital führte an, dass Qiagen bei dem Übernahmeplan unterbewertet worden sei.

Anfang 2021 kamen Spekulationen darüber auf, dass der US-Diagnostik-Konzern Quidel ebenfalls Interesse an Qiagen habe. Allerdings blieb es bei Gerüchten, eine Vertiefung von etwaigen Gesprächen gab es nicht.

sio
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.