Montag, 14. Oktober 2019

Gewinnwarnung - Aktie bricht ein Qiagen-Chef geht überraschend

Peer M. Schatz verlässt überraschend Qiagen

Qiagen erlebt unruhige Zeiten: Das Gendiagnostik- und Biotechnologieunternehmen verkündete am späten Montagabend nicht nur den Abgang seines Chefs sondern senkte auch seine Umsatzprognose für das dritte Quartal. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen einen Geschäftsumbau inklusive Personalabbau an, der hohe Restrukturierungskosten zur Folge haben soll.

Peer Schatz habe dem Unternehmen seinen Rücktritt von der Firmenspitze mitgeteilt, hieß es in einer von mehreren verbreiteten Mitteilungen. Der Aufsichtsrat beginne jetzt die Suche nach einem ständigen Vorstandschef. In der Zwischenzeit werde der für das Geschäftsfeld Molekulardiagnostik zuständige Thierry Bernard vorübergehend die Stelle von Schatz einnehmen.

Anleger zeigten sich wenig erfreut: Sackte im außerbörslichen Handel bei Lang & Schwarz der Aktienkurs von Qiagen bereits in einer ersten Reaktion um mehr als 2 Prozent ab, war es nach Börsenstart am Dienstag ein Rückgang von mehr als einem Fünftel. Das ist der größte Kursrutsch seit 2002.

Zur schlechten Stimmung dürfte auch beigetragen haben, dass Qiagen Börsen-Chart zeigen nun nur noch mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von etwa 3 Prozent rechnet. Zuvor hatte die Prognose bei 4 bis 5 Prozent gelegen. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet das Unternehmen aber weiterhin 0,35 bis 0,36 US-Dollar. Begründet wurde der geringere Optimismus mit einem kleiner als erwarteten Wachstum in China.

Die Biotechfirma will zudem die Entwicklung seines DNA-Sequenzierungssystems GeneReader beenden. Der Schritt steht im Zusammenhang mit einer neuen strategischen Partnerschaft mit dem US-Konkurrenten Illumina. Das Unternehmen will künftig seine Entwicklungsarbeiten in diesem Geschäftsfeld auf die Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern konzentrieren.

Auch soll das Produktionsnetzwerk reorganisiert werden. Qiagen will demnach seine Fertigung bis zum Jahresende von einer globalen auf eine regionale Struktur umstellen und die Aufgabenbereiche der konzerneigenen Service-Center in Wroclaw (Polen) und Manila (Philippinen) ausbauen. Die mit diesen Schritten verbundenen Kosten bezifferte Qiagen auf 260 bis 265 Millionen Dollar vor Steuern. Sie sollen überwiegend im dritten Quartal verbucht werden. Qiagen stellte in Aussicht, den damit verbundenen Personalabbau sozialverträglich zu gestalten.


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Das Analysehaus Jefferies beließ Qiagen in einer Studie am Dienstag auf "Hold" mit einem Kursziel von 31 Euro. Das Gendiagnostik- und Biotech-Unternehmen gehe nun einer unsicheren Periode entgegen, schrieb Analyst Peter Welford. Die US-Bank JPMorgan stufte hingegen Qiagen von "Neutral" auf "Underweight" ab. Die vom Gendiagnostik- und Biotech-Unternehmen präsentierten Kennziffern seien enttäuschend, schrieb Analyst Tycho Peterson.

dpa-afx/dpa/akn

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