Mittwoch, 23. Oktober 2019

Eon-Chef Johannes Teyssen Der taktische Kern-Aufspalter

Eon-Chef Johannes Teyssen: "Das reicht für zwei, drei Managerleben"

Sparen, verkaufen, ins Ausland expandieren: Radikal waren die Ideen nicht, mit denen Eon-Chef Johannes Teyssen die Energiewende meistern wollte. Jetzt plant er die Aufspaltung des Energieriesen - und zeigt so, dass er das Handwerk eines Taktikers beherrscht.

Hamburg - Allzu angenehm waren die vergangenen Monate für Eon-Chef Johannes Teyssen wohl nicht. Deutschlands größter Energiekonzern kämpft an vielen Fronten gegen die Auswirkungen der staatlich verordneten Energiewende. Die Preise und Profite sinken, Mitte November musste Teyssen einen Quartalsverlust von einer dreiviertel Milliarde Dollar bekanntgeben.

Seit Monaten muss sich der studierte Jurist und Volkswirt mit dem Vorwurf herumschlagen, für Eon Börsen-Chart zeigen kein neues, tragfähiges Geschäftsmodell zu finden. Stimmt nicht, antwortete der ebenso selbstbewusste wie ehrgeizige 55-jährige bisher. "Wir gehören nun einmal zu einer Industrie, die technologisch wie politisch im Umbruch ist. Das ist kein Prozess von Quartalen, sondern von Jahren", erklärte er vor wenigen Wochen dem manager magazin.

Der Konzern setze an vielen Stellen neue Bausteine, erklärte Teyssen damals. Einen großen Klotz hat er nun enthüllt: Teyssen will den Energiekonzern in zwei Unternehmen aufspalten. Der eine Teil soll sich auf erneuerbare Energien konzentrieren, der andere auf konventionelle Energieformen wie Atomstrom, Kohle und Gas. Das bisherige Geschäftsmodell werde den "neuen Herausforderungen" der globalen Energiemärkte "nicht mehr gerecht", begründete der Eon-Chef den Schritt.

Für den Energiemanager sind das sehr zahm gewählte Worte. Denn Teyssen gilt eigentlich als Fan klarer Worte. "Die Hütte brennt. Die Energiewende vernichtet Milliarden." Mit solchen Sätzen hat der 55-jährige Jurist und Volkswirt die Politik immer wieder zum Handeln aufgefordert.

"Das reicht für zwei, drei Managerleben"

Die Höhen und Tiefen des Energiegeschäfts hat der Vater von vier Kindern gründlich kennengelernt. Seit 25 Jahren arbeitet Teyssen für den Energieversorger, angefangen hat er als Fachmann für Energiewirtschaftsrecht bei PreussenElektra. Er war auch mal Finanzvorstand einer Eon-Tochter und leitete das operative Geschäft des Energieversorgers, bevor er im Mai 2010 zum Vorstandsvorsitzenden aufstieg.

Mit seinen mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung im Energiesektor gilt Teyssen als versierter Energiefachmann. Doch seine fünf Jahre an der Eon-Spitze verliefen dennoch turbulent. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 machte der alten, gemütlichen Welt der deutschen Energieversorger den Garaus. In nur zweieinhalb Jahren habe er die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, den Ausstiegsbeschluss nach Fukushima und die Probleme in der Eurozone erlebt, sagte Teyssen in einem Interview. "Bisweilen denke ich, das reicht für zwei, drei Managerleben".

Einen allzu klarer Kurs raus aus der Krise konnten viele Beobachter aber lange nicht erkennen. Teyssen verordnete seinem Konzern wenige Monate nach Amtsantritt zunächst mal ein Sparprogramm, das noch kräftiger ausfiel als ursprünglich angekündigt. Knapp 11.000 Stellen der damals 80.000 Stellen wollte Eon ursprünglich kürzen, jetzt arbeiten nur mehr etwas mehr als 60.000 Leute für den Energiekonzern. Zudem sollte sich Eon von Unternehmensteilen im Wert von 15 Milliarden Euro trennen, um die Schuldenlast abzubauen.

Keine Angst vor harten Schnitten

Mit dem Sanierungskurs zeigte der gebürtige Niedersachse, dass er keine Angst vor unpopulären Beschlüssen hat. Jetzt wagt er sich mit der Aufspaltung in zwei Konzernteile auf neues Terrain vor. Es ist ein radikaler Schritt - aber wohl auch ein taktisch kalkulierter. Denn die Aufspaltung in zwei Teile macht es Eon wohl leichter, den Staat an dem schwierigen Rückbau der noch bestehenden Atomkraftwerke zu beteiligen.

Schließlich kommt ein weiterer Vorstoß Teyssens, die Erschließung neuer Wachstumsmärkte, bisher nicht so schnell voran wie geplant. In Brasilien etwa tat sich Eon für ein Kraftwerksprojekt mit dem Milliardär Eike Batista zusammen, der sich allerdings übernahm und in die Pleite rutschte. Die Folge: Eon investierte bisher mehr als eine Milliarde Euro in das südamerikanische Land, die geplanten Gewinne aus dem Projekt verschieben sich immer weiter nach hinten.

Auch in der Türkei wird es noch länger dauern, bis Eon Geld sieht. Das Geschäft mit der Stromerzeugung in Russland lieferte bis vor kurzem Gewinne ab. Doch der schwache Rubel und ein drohender Wirtschaftseinbruch wegen der Sanktionen könnten auch Eon bald härter treffen. "Die Lage ist sehr ernst, in vielerlei Hinsicht", gab Teyssen vor kurzem zu.

Das ist sie wohl nicht nur in Russland, sondern auch für den gesamten Konzern.

Zum Nachlesen: Protokoll der Eon-Pressekonferenz zur Aufspaltung

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung