Erdöl, Recycling, Flüsse voller Müll Das Plastik-Problem der Welt in fünf Grafiken

Plastik gehört zu den wichtigsten Grundstoffen der Weltwirtschaft. All seine Vorteile zählen zuletzt allerdings kaum - Plastik wird immer stärker als ökologisches und auch ökonomisches Problem gesehen. Eine grafische Übersicht.
Müll am Jangtse: Im Länder-Ranking der Plastikmüll-Emittenten steht China an der Spitze (Archivbild)

Müll am Jangtse: Im Länder-Ranking der Plastikmüll-Emittenten steht China an der Spitze (Archivbild)

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Das Plastik-Problem
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Milliarden Tonnen an Plastik wurden bereits produziert, für Verpackungen, als Baumaterial, als Grundstoff für besonders langlebige Produkte und vieles mehr. Doch Plastik vermüllt zunehmend den Planeten und wird zur Gefahr für die Menschheit. Lesen Sie alles über Produzenten, Verbraucher, Lösungsansätze.Weiterleitung zum Thema Plastik 

Dank Polyethylen halten unsere Lebensmittel frisch. Aus Polypropylen lassen sich ebenso leichte wie feste Armaturenbretter und Fahrradhelme gießen. PVC sorgt für wetterfeste und gut isolierende Fensterprofile. Plastik - die deutsche Industrie bevorzugt den Begriff Kunststoff - ist eine Wachstumsstory, zuletzt bezeugt vom Aufstieg des Herstellers Covestro zum Dax-Konzern.

Doch all die Vorteile zählen derzeit kaum. Sogar der konservative EU-Kommissar Günther Oettinger fordert eine Plastiksteuer, damit sich die noch vergleichsweise jungen Stoffe nicht noch schneller ausbreiten. Denn all das beständige Plastik wird uns noch lange erhalten bleiben - als ökologisches und zunehmend auch ökonomisches Problem. manager-magazin.de widmet der Plastik-Plage ein Spezialthema. Hier zeigen wir Ihnen die wichtigsten Zusammenhänge in fünf Grafiken.

Diese Produkte brauchen am meisten Plastik

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Wie wichtig ist Plastik für einzelne Branchen der Weltwirtschaft? UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, hat sich an einer Quantifizierung versucht und zeigt, wo besonders viel dieses "nützlichen und wichtigen Materials" eingesetzt wird.

Im Vergleich zu alternativen Stoffen sei Plastik vielseitig und günstig, heißt es im UNEP-Bericht "Valuing Plastic". "Günstig" heißt auch: Manche Branchen setzen für eine Million Dollar Umsatz enorme Mengen an Kunststoff ein.

48 Tonnen Plastik sind es etwa in der Spielzeugindustrie, deren Produkte sowie Verpackungen zu einem Großteil aus Plastik bestehen. 34,6 Tonnen Plastik pro Umsatz-Million vermeldet UNEP für Hersteller von Softdrinks. Die Langlebigkeit ihrer Plastikflaschen verdeutlicht, was das Material so beliebt bei der Industrie und so verpönt bei Umweltfreunden macht: Im Meer sollen diese laut wissenschaftlichen Schätzungen erst nach 450 Jahren zerfallen.

So verbreitet ist Recycling

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Deutschland ist Recycling-Meister. Seit fast 30 Jahren sorgen Grüner Punkt und Gelber Sack - sowie inzwischen zahlreiche konkurrierende Systeme - dafür, dass die Deutschen ihren Verpackungsmüll vom übrigen Unrat trennen. Das soll helfen, Kunststoffen ein längeres Leben zu geben. Rund 1,5 Millionen Tonnen Plastikverpackungen werden pro Jahr fürs Recycling gesammelt, so viel wie in keinem anderen Land.

Auch die Recyclingquote von 49 Prozent wird von kaum einem anderen europäischen Land übertroffen. Das kleine Bulgarien schafft es, steht aber in Verruf, weil der Rest dort noch immer großteils auf Deponien landet. Schweden und die Niederlande haben einen ähnlich hohen Recycling-Anteil wie Deutschland - verursachen aber von vornherein viel weniger Müll.

Auch das mag ein Nebeneffekt des Mülltrennens sein: Die Deutschen sind relativ sorglos dabei, Plastikverpackungen zu benutzen. Pro Kopf zählen die Statistiker 37,4 Kilogramm Abfall im Jahr. Nur die kleinen Nationen Irland und Estland erzeugen noch größere Müllberge (und wissen noch weniger damit anzufangen). Eine andere Frage ist, ob das Müllproblem gelöst ist, wenn das Plastik einmal in einer Recycling-Anlage landet...

Was mit deutschem Kunststoff passiert

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Verglichen mit den Ölmengen, aus denen Benzin destilliert wird, fallen die für Kunststoffchemie verwendeten Erzeugnisse der deutschen Raffinerien kaum ins Gewicht. 18,5 Millionen Tonnen Kunststoff kamen 2015 laut der neuesten, von mehreren Branchenverbänden in Auftrag gegebenen Consultic-Studie aus deutschen Werken. Der Großteil davon (12,8 Millionen Tonnen) ging in den Export, zugleich importierte Deutschland jedoch auch 9,3 Millionen Tonnen, sodass eine Kunststoff-Einsatzmenge von rund 15 Millionen im Land blieb.

Davon wiederum waren knapp drei Millionen Tonnen Klebstoffe, Lacke und Harze, Fasern oder andere Materialien, die wir nicht als Plastik zählen. Weitere knapp zwei Millionen Tonnen von den verarbeiteten Kunststoffprodukten gingen netto in den Export. Der Verbrauch von rund 10,1 Millionen Tonnen geht überwiegend auf das Konto der Verpackungsmittelindustrie. Mit Abstand dahinter folgen Bau- und Autoindustrie, die Kunststoffe meist mit längerer Lebensdauer einsetzen.

Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte des Plastikverbrauchs hinterher als Plastikabfall wiederzufinden ist. Auf Deponien landen zwar nur noch verschwindend geringe 40.000 Tonnen. Eine wirklich produktive Verwendung findet die deutsche Volkswirtschaft dafür aber kaum. Der größere Teil wird verbrannt, meist in Müllverbrennungsanlagen, wo immerhin noch Strom erzeugt wird.

Dass 2,67 Millionen Tonnen für werkstoffliche Verwertung (besser bekannt als Recycling) sortiert wurden, heißt auch noch längst nicht, dass sich auch eine Zweitverwertung fand. Etwa ein Fünftel davon wurde nach China verkauft, bevor das Land zum Jahreswechsel 2017/18 seine Grenze für deutschen Müll schloss.

Diese Flüsse treiben am meisten Plastikmüll ins Meer

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Millionen Tonnen Plastik, schätzen Forscher, landen alljährlich in den Ozeanen der Welt. Weil es von Mikroorganismen kaum zersetzt wird, zerfällt es hier langsam vor sich hin, von Wind und Wellen in immer kleinere Stücke gemahlen. Die landen schließlich an den Stränden, auf dem Meeresgrund oder in Fischen und anderen Meerestieren - und damit irgendwann auch auf unserem Teller.

Zwar soll der Löwenanteil des Plastikeintrags in die Meere laut wissenschaftlichen Schätzungen aus küstennahen Gebieten stammen; bis zu 20 Prozent werden allerdings über Flüsse ins Meer gespült. Forscher vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ haben berechnet, welche Wasserstraßen dabei das meiste Plastik in die Ozeane tragen. Das Ergebnis: Acht der zehn Flüsse, denen sie die größten Plastikmengen zuweisen, fließen in Asien.

Große Flüsse wie Jangtse, Perlfluss und Gelber Fluss ("Huangho") durchqueren dort bevölkerungsreiche Regionen, deren falsch entsorgte Plastikabfälle sie schlussendlich ins Gelbe oder Südchinesische Meer spülten.

In einem Länder-Ranking der Plastikmüll-Emittenten steht ebenfalls China an der Spitze - gefolgt von anderen pazifischen Ländern wie den Philippinen und Indonesien. Die verteilen ihre Last auf ihre vielen Inselküsten und kurzen Flüsse, tauchen deshalb nicht in den Top Ten der Müllflüsse auf.

Die Plastikbilanz der Welt

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Das Schicksal von "all plastics ever made" beschreibt eine Studie aus der Zeitschrift "Science Advances" von 2017. Der hochtrabende Titel erklärt sich, weil die Produktion von Polymer-Kunststoffen, Synthetikfasern und -zusatzstoffen überhaupt erst nach 1950 im großen industriellen Stil begann und sich seitdem deutlich beschleunigte.

Die US-Forscher behaupten daher, sämtliche je produzierten Kunststoffe zu erfassen: 8,3 Milliarden Tonnen. Etwa 2,6 Milliarden Tonnen davon seien noch in Gebrauch, vor allem in Gebäuden, wo sich Plastikteile im Schnitt mehr als 30 Jahre halten, oder in Industriemaschinen, die immerhin für 20 Jahre gebaut werden.

Die Dominanz von Verpackungen und kurzlebigen Konsumprodukten sorgt aber dafür, dass fast fünf Milliarden Tonnen einfach weggeworfen wurden - darunter auch die Hälfte der 600 Millionen Tonnen Kunststoffe, für die schon einmal eine Zweitverwertung im Recycling gesucht wurde. Ob auf Deponien oder im Meer, irgendwo bleiben diese Mengen liegen, da sie sich nicht biologisch abbauen lassen.

Die verbleibenden 800 Millionen Tonnen Plastik wurden verbrannt - was immerhin der Energieerzeugung dient, aber auch Schadstoffe in der Luft und teils giftige Schlacken als Rückstände hinterlässt.

Plastik schafft volkswirtschaftliche Werte, aber zu viel davon geht zu schnell durch den angerichteten Schaden wieder verloren.

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