Nach teurem Rückruf Neuer Philips-Chef streicht 4000 Stellen

Als erste Amtshandlung entlässt der neue Philips-Chef Roy Jakobs 4000 Beschäftigte. Der niederländische Medizintechnik-Konzern musste Millionen Beatmungsgeräte zurückrufen. Die Abschreibungen vermiesen Philips die Quartalszahlen.
Kahlschlag: Roy Jakobs entlässt 5 Prozent der Belegschaft, Philips musste im dritten Quartal 1,3 Milliarden Euro auf Beatmungsgeräte abschreiben

Kahlschlag: Roy Jakobs entlässt 5 Prozent der Belegschaft, Philips musste im dritten Quartal 1,3 Milliarden Euro auf Beatmungsgeräte abschreiben

Gerade einmal ein paar Tage ist der neue Philips-Chef Roy Jakobs (48) im Amt, da streicht er schon 4000 Arbeitsplätze. Der Schritt, sich so schnell wie möglich von 5 Prozent der Belegschaft zu trennen, sei "schwierig, aber notwendig" und falle ihm nicht leicht, erklärte Jakobs, der Mitte Oktober den langjährigen Firmenchef Frans van Houten (62) abgelöst hatte, am Montag. Es gehe darum, dass Philips wieder besser funktioniere und das Vertrauen der Patienten und Kunden wiedergewinne. Die zuletzt stark gebeutelte Aktie  sackte am Montag noch weiter ab.

Der Umbau werde 300 Millionen Euro kosten, erklärte Philips. Der niederländische Medizintechnik-Konzern mit 78.000 Mitarbeitern leidet immer noch unter dem Rückruf von 5,5 Millionen Beatmungsgeräten gegen Atemaussetzer im Schlaf (Apnoe). Der darin verwendete Schaum steht im Verdacht, im Lauf der Zeit giftig zu werden.

Die Ergebnisse für das dritte Quartal seien "enttäuschend", sagte Jakobs. Auf die Beatmungsgeräte-Sparte Respironics hatte Philips 1,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Daraus ergibt sich ein Nettoverlust von 1,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebita) fiel um 60 Prozent auf 209 Millionen Euro, stärker als von Analysten erwartet. Der Konzernumsatz ging auf vergleichbarer Basis um 6 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück.

Philips leide stärker unter Lieferengpässen als gedacht, hieß es in der Mitteilung. Das werde sich auch in den letzten Monaten des Jahres bemerkbar machen. Für das vierte Quartal erwartet der Konzern einen Umsatzrückgang um etwa 5 Prozent. Die Ebita-Marge soll dann aber wieder an zweistellige Werte heranreichen. Zuletzt war sie auf 4,8 Prozent abgestürzt.

Jakobs Vorgänger van Houten war sechs Monate früher als geplant abgetreten. Er stand zwölf Jahre an der Spitze von Philips und formte den Konzern zu einem Medizintechnikspezialisten um. So verkaufte Philips Anfang 2021 zum Beispiel seine Haushaltsgerätesparte.

dri/afp, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.