Mittwoch, 18. September 2019

Personalengpass-Chaos Grube entschuldigt sich für Bahn-Pannen

Bahnhof in Mainz: Bahnchef Rüdiger Grube entschuldigt sich "ausdrücklich für die entstandenen Probleme"

Canossagang von Rüdiger Grube: Der Bahn-Chef hat sich in einem Interview für das Bahnchaos der vergangenen Wochen entschuldigt. Die Zugausfälle seien eine große Blamage für die Bahn, sagte Grube. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück will die Dividende der Bahn überprüfen.

Mainz/Berlin - Nach dem Bahnchaos der vergangenen Wochen am Mainzer Hauptbahnhof sind die Züge am Wochenende vorübergehend wieder normal gefahren. Seit Freitagabend gelte wie vorgesehen der sonst übliche Fahrplan, teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Berlin mit.

Vorstandschef Rüdiger Grube wandte sich erstmals seit Bekanntwerden der Personalengpässe bei dem Staatsunternehmen an die Kunden. "Ich entschuldige mich ausdrücklich für die entstandenen Probleme", sagte er der "Welt am Sonntag". Die Zugausfälle seien "eine große Blamage für die Bahn", so Grube in der "Bild am Sonntag".

Er räumte ein, dass die Probleme bei DB Netz schon länger bekannt waren. Bereits Anfang des Jahres habe es im Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft kritische Fragen zur Personalentwicklung von Arbeitnehmervertretern gegeben. "In der schriftlichen Antwort des damaligen, aber mittlerweile erneuerten Vorstands wurde Handlungsbedarf festgestellt, allerdings auch dargelegt, die Probleme seien unter Kontrolle", sagte Grube. Man tue alles, damit sich die Vorfälle nicht wiederholten.

Weil im Mainzer Stellwerk zur Urlaubszeit mehrere Mitarbeiter krank wurden, fallen über Wochen viele Zugverbindungen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt aus. Zumindest am Wochenende gilt inzwischen wieder der Fahrplan. Unter der Woche gilt allerdings noch bis Ende des Monats ein eingeschränkter Fahrplan. An den Anzeigetafeln am Mainzer Hauptbahnhof waren gestern die vielen "Fällt aus"-Banner der vergangenen Tage verschwunden, Verspätungen bewegten sich im üblichen Bereich.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück forderte die Bahn auf, künftig "eine verantwortliche Personalpolitik" zu betreiben. "Sie darf nicht am falschen Ende sparen", sagte Steinbrück der Zeitung "Bild am Sonntag". Es sei außerdem zu überprüfen, ob der Bund als Eigentümer der Bahn auf einen Teil der Dividende verzichten könne. Für das Jahr 2012 zahlte die Deutsche Bahn AG eine Ausschüttung von 525 Millionen Euro an den Bund.

"Fahrdienstleiter ist nicht wie Wurstwenden an der Frittenbude"

Grube betonte, das Management werde gemeinsam mit der Gewerkschaft prüfen, wo es Unterbesetzungen in dem Konzern gebe. Allerdings könne er nicht garantieren, dass es nicht mehr zu Ausfällen kommt. "Man kann die Situation nicht per Knopfdruck ändern. Fahrdienstleiter ist doch nicht irgendein Job wie Wurstwenden an der Frittenbude", sagte Grube der "WamS". Gegenmaßnahmen seien jedoch eingeleitet: "Wir werden vor allem unser Frühwarnsystem zur Erkennung von Engpässen verbessern", betonte Grube im Schwesterblatt "BamS".

Grube verteidigte die Personalpolitik der Bahn. "Wir sind zurzeit in Deutschland das Unternehmen mit den meisten Neueinstellungen", sagte der 62-jährige Manager der "WamS". Dem Konzern war vorgeworfen worden, sich zu wenig auf die Alterung der Belegschaft eingestellt zu haben. Es habe früher keine Bereiche gegeben, "die sich mit dem demografischen Wandel ausreichend beschäftigt haben", räumte Grube ein. Dieses Manko sei aber nun behoben. "Die Bahn wurde zwei Jahrzehnte saniert, jetzt wird rekrutiert."

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Jan Mücke (FDP) hielt der Bahngewerkschaft EVG vor, die Zugausfälle auch als Druckmittel eingesetzt zu haben, um eine Personalaufstockung durchzusetzen. "Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen", sagte Mücke dem Magazin "Focus".

Die EVG hat in dem Konzern mit Konkurrenz zu kämpfen: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte an, ihr Mitglieder abzuwerben. "Wir wollen die Interessenvertretung für das gesamte Zugpersonal werden", sagte GDL-Chef Claus Weselsky der "Wirtschaftswoche". Nicht interessiert sei die GDL hingegen an einer Vertretung der Schienennetz-Mitarbeiter.

wed/dpa-afx/rtr

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