Pepsi übernimmt Sodastream Warum Pepsi auf Wasser statt Limonade setzt

Sodastream-Spot mit Scarlett Johansson: Die Hollywood-Schauspielerin erntete wegen ihrer Werbetätigkeit für den Wassersprudler-Hersteller vor einigen Jahren massiv Kritik

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Foto: youtube/Super Bowl TV Commercials

Kurz vor dem Abschied als Pepsi-Chefin landet Indra Nooyi noch einmal einen letzten Coup. Für umgerechnet 2,8 Milliarden Euro (3,2 Milliarden Dollar) übernimmt der amerikanische Limonade- und Chips-Konzern den israelischen Wassersprudelhersteller Sodastream.

Der nach eigenen Angaben weltweit größten Anbieter und Händler von Sprudlersystemen für den Heimgebrauch stellt Geräte her, mit denen Leitungswasser aufgesprudelt werden kann. Und bietet damit eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zu Getränken in Flaschen und Dosen.

Sodastream hatte zuletzt 543 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Mit seinem Angebot von 144 Dollar (125,78 Euro) je Aktie zahlt Pepsi den Aktionären einen Aufschlag von mehr als 30 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Die Führungsspitzen beider Konzerne haben der Übernahme den Informationen zufolge bereits zugestimmt.

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Für den Pepsi-Konzern, der zuletzt angesichts des schwindenden Durstes auf zuckrige Getränke mit einem Gewinnrückgang zu kämpfen hat, ist die Übernahme ein weitere Schritt in Richtung eines deutlich gesunderen Portfolios. Ein Ziel, das sich CEO Indra Noyi während ihrer 12-Jährigen Führungszeit bei Pepsi zur Aufgabe gemacht hatte. Und in dem der Hersteller von Snacks wie Lays, Doritos, Tostitos, Ruffles und Soft-Drinks wie Pepsi, 7up oder Mountain Dew durchaus weiter gekommen ist.

Waren 2006 noch rund 70 Prozent aller Produkte extrem süß oder fettig - Produkte, die Pepsi unter dem Label "fun for you" verkauft, machen Marken wie Quaker Oats, Tropicana-Säfte, Aquafina- und Bubly-Wasser, die Pepsi-Co in Kategorien wie "Good for you" beziehungsweise "Better for you" ( in der sich zumindest etwas kalorienreduziertere Snacks befinden) mittlerweile die Hälfte des Produktportfolios aus.

Zuletzt kaufte Pepsi gesunde Marken wie das Gemüse-und-Frucht-Snack-Label Bare Fruits oder bereits 2016 den Hersteller probiotischer Getränke Kevita zu.

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Mit Sodastream erweitert Pepsi nicht nur sein Wasser-Portfolio. Der Konzern dringt mit dem Heimgetränkemarkt auch in ein neues Segment vor, mit dem er weitere Wachstumsphantasien verknüpft: Ziel sei es, den Kunden weltweit "personalisierte Heimgetränke-Lösungen" anbieten zu können, erklärte Pepsi-President Ramon Laguarta, der von Nooyi am 3 Oktober den Chefposten übernehmen soll.

Ein Segment. das sich auch gut als nachhaltig verkaufen lässt. Zwar bietet Sodatsream für seine Geräte auch Zusatzstoffe an, mit denen sich zuckerhaltige Limonaden zubereiten lassen. Rund neun von zehn Kunden nutzen das Gerät den Angaben jedoch hauptsächlich dafür, Leitungswasser aufzusprudeln. Was den Kauf von Wasser in Mehrweg und PET-Flaschen unnötig macht.

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Auch gegenüber dem Rivalen Coca-Cola könnte die Übernahme Vorteile bringen. Zwar profitiert Coca-Cola aktuell von massiven Marketingaktionen in den USA - und setzt wie Pepsi auf den Zukauf junger, angesagter und teils auch gesünderer Marken.

Pepsi will Kunden "jenseits der Flasche" gewinnen

Der Versuch, über seine Beteiligung am Kapselhersteller Keurig vor einigen Jahren selbst mit einem Sprudelgerät im Markt Fuß zu fassen, war allerdings gescheitert. Das Gerät "Keurig Kold" hatte Keurig 2016 wegen Erfolglosigkeit wieder vom Markt genommen.

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Allerdings war der Sprudler mit 300 Dollar deutlich teurer als das israelische Pendant. Und auch die Mini-Kapseln zur Herstellung von Coca-Cola und anderen Getränken des Konzerns waren mit mehr als einem Dollar deutlich teurer als bei Sodastream, deren Kohlensäure-Kartuschen hierzulande für rund acht Euro ausgetauscht werden können und nach Angaben des Konzerns für rund 60 Liter Sprudelgetränke reichen.

Für Pepsi ist Sodastream kein Unbekannter. Gespräche - nicht nur über eine mögliche Übernahme habe es seit Jahren immer einmal wieder gegeben, hieß es bei Pepsi. Was immer wieder für Übernahmespekulationen sorgte. Seit 2015 vertreibt Sodastream auch Pepsi-Sirup, den Kunden mit aufgesprudeltem Wasser mischen und so ihre eigene Cola machen können. Letztlich sei die geplante Übernahme dann aber nur noch "eine Sache von Wochen" gewesen, hieß es bei Pepsi.

Seit 1903 am Markt, hatte Sodastrem zuletzt bewegte Zeiten hinter sich. Weil das Unternehmen in einer völkerrechtlich illegalen Siedlung im Westjordanland produzierte, geriet Sodastream 2015 in die Kritik. Boykottaufrufe ließen den Wert der Aktie um 60 Prozent einbrechen.

Davon hat sich das Unternehmen, das mittlerweile in der Negav-Wüste produziert, mittlerweile aber erholt. Im gerade abgelaufenen Quartal legte der Absatz der Sprudler um satte 22 Prozent auf eine Million Geräte zu. Der Kartuschen-Absatz stieg um 17 Prozent auf 9,7 Millionen Stück, was die Aktie um mehr als 26 Prozent zulegen ließ.

mit reuters
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