Donnerstag, 22. August 2019

Nach Aus für Siemens/MHI Paris feilscht mit Alstom-Großaktionär um Anteile

Bieterkampf: Nachdem Siemens und MHI raus sind, geht das Geschacher zwischen der französischen Regierung, Bouygues und GE weiter

20 Prozent an Alstom will die französische Regierung übernehmen und bietet dafür 28 Euro je Aktie. Doch Großaktionär Bouygues verlangt mehr. Siemens und MHI richten den Blick wieder nach vorn.

Paris/München/Tokio - Die endgültige Haltung Frankreichs im Alstom-Deal hängt nach Angaben von Präsident François Hollande von einer Einigung mit dem Alstom-Großaktionär Bouygues Börsen-Chart zeigen ab. Nach Angaben des Staatschefs wird derzeit über den Preis der Anteile verhandelt. Frankreich will zwei Drittel der Bouygues-Anteile an Alstom Börsen-Chart zeigen übernehmen, um auf einen Anteil von 20 Prozent an dem Konzern zu kommen.

Nach unbestätigten Informationen will Frankreich 28 Euro pro Aktie bezahlen, den Wert bei Handelsschluss am Freitag. Damit müsste Paris über 1,7 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Bouygues soll aber 35 Euro pro Stück verlangen, dann kämen bereits über 2,1 Milliarden Euro als Kaufsumme für den 20-Prozent-Anteil auf den Staatshaushalt zu.

Im Übernahmepoker um den Alstom-Konzern hatte sich Paris am Freitag für das US-Angebot von General Electric (GE) Börsen-Chart zeigen und damit gegen die Rivalen Siemens Börsen-Chart zeigen und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) Börsen-Chart zeigen ausgesprochen. Gleichzeitig will der Staat mit 20 Prozent größter Aktionär bei Alstom werden. Werde Frankreichs Einstieg bei Alstom nicht akzeptiert, werde die Regierung das GE-Angebot blockieren, sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Die Regierung hatte im Lauf der Verhandlungen für sich ein Veto-Recht bei Übernahmen verankert.

Siemens und MHI haken nach ihrer Niederlage das Kapitel Alstom ab. MHI bedauerte in einer Stellungnahme die Entscheidung der französischen Regierung. Der Konzern wolle jedoch auch weiterhin seine Beziehungen zu Frankreich und französischen Industriepartnern in der Zukunft entwickeln.

Bereits am späten Freitagabend hatte Siemens "Verständnis für die nationalen Interessen der französischen Regierung zur Neuordnung von Alstom" geäußert.

Siemens kann sich nun wieder voll auf den Umbau konzentrieren

Aus Sicht der IG Metall sollte der Elektrokonzern nun nach vorne schauen und sich auf seine Hausaufgaben konzentrieren. "Siemens hat die wirtschaftliche und finanzielle Kraft und eine qualifizierte und motivierte Belegschaft, um zuversichtlich in die Zukunft zu gehen", erklärte die Gewerkschaft.

Nun könne Siemens alle Energie auf den anstehenden Konzernumbau verwenden, so die IG Metall. Dazu gehöre auch, Geschäfte, die nicht rund laufen, selbst wieder in Ordnung zu bringen und den Heimatmarkt Deutschland zu stärken. "Nun kann sich Siemens voll und ganz auf die eigene Stärke konzentrieren und hat die Chance, Wachstumskräfte zu generieren."

Siemens-Chef Joe Kaeser will das Unternehmen mit seinen weltweit gut 360.000 Beschäftigten durch den Umbau schlanker und wettbewerbsfähiger machen und auf vielversprechende Geschäftsfelder wie Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten.

Das Tandem aus Siemens und MHI hatte noch Freitagfrüh sein Alstom-Angebot aufgebessert. Dabei hatten die Partner den Bar-Anteil ihrer Offerte erhöht und die Gesamtbewertung des Energiegeschäfts von Alstom nach eigenen Angaben auf insgesamt 14,6 Milliarden Euro angehoben. Während Siemens nur die Gasturbinen der Franzosen schlucken wollte, plante MHI eine Beteiligung an Alstom sowie Joint-Ventures in mehreren Geschäftsbereichen des Industriekonzerns.

Der Entscheidung der französischen Regierung war ein wochenlanges Bietergefecht vorausgegangen, das sich in den vergangenen Tagen zuspitzte. Gleich zu Beginn hatte sich der Alstom-Verwaltungsrat hinter die Offerte von GE gestellt. Die französische Regierung, die sich erst vor wenigen Wochen ein Veto-Recht bei Übernahmen sicherte, favorisierte dagegen lange Zeit eine europäische Lösung. Die Absage an Siemens hatte Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg dann mit Beschränkungen des europäischen Kartellrechts begründet.

ts/dpa

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