Freitag, 22. November 2019

Millionen mit Klebebildern Was die Wirtschaft von Panini lernen kann

Panini ist gelungen, woran andere Unternehmen scheitern. Die Firma hat mit einer einfachen Idee ein Produkt geschaffen, das sich regelmäßig selbst erneuert. Fast ganz ohne Zutun von Panini. Ein Lehrstück.

Panini-Bilder: Wer das Album komplett füllen will, braucht Glück und viele Tauschpartner
Hamburg - Die Geschichte erfolgreichen Unternehmertums wird oftmals anhand markanter Köpfe erzählt. Wie zum Beispiel des kantigen Visionärs Steve Jobs, der mit Apple einen Weltkonzern großzog. Oder des Vorzeigekaliforniers Elon Musk, der den arrivierten und möglicherweise arroganten Autoherstellern der Welt demonstriert, dass Elektromobilität auch mit Eleganz und damit mit Nachfrage einhergehen kann. Oder, als wäre der Wahlspruch von "Cool Britannia" lebendig geworden, Richard Branson. Langmähnig und bebartet surft er seinen Weg durch die Wellen der britischen Wirtschaft.

Freilich haben solche Köpfe auch Ideen - doch oft steht eben nur der Kopf im Vordergrund und nicht die Idee. Panini ist ein Lehrstück darüber, wie eine bloße Idee erfolgreiches Unternehmertum schaffen kann.

Ideen sind die Hefe guter Unternehmen. Sie sorgen dafür, dass der Kunde auf sie aufmerksam wird. Vorausgesetzt, die Ideen werden entsprechend gehegt, werden entsprechend weiterentwickelt. Im Fall von Panini besteht die Idee eigentlich nur aus Papier und etwas Leim. Doch sie sorgte dafür, dass das Unternehmen heute Weltmarktführer im Bereich der "Collectibles" ist, der Sammelbildchen.

Panini-Karten sind kleine Bildchen mit dem Porträtfotos eines Fußballspielers. Daneben ein paar dürre Daten über Name, Größe und Gewicht. Die Weiterentwicklung des Briefmarkensammelns? Eben nicht.

Was sich in dem Päckchen mit den fünf Karten befindet, weiß niemand

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Denn während eine Briefmarkensammlung vermutlich nie abgeschlossen ist, lockt Panini mit der Chance, tatsächlich eine abgeschlossene Sammlung zu besitzen. Die Crux - was sich in dem Päckchen mit den fünf Karten befindet, weiß niemand. Es kann die heißersehnte Karte des Torwarts von Costa Rica sein - aber eben auch des englischen Innenverteidigers, von dem der Sammler schon zwei Exemplare besitzt. Die Idee dieser Wundertüte ist alt.

Angefangen hat es 1945, als die Brüder Panini in Modena einen Zeitungsstand eröffneten. Doch während etliche Büdchen ihr ökonomisches Leben nur mal so eben fristen, sattelten die umtriebigen Geschwister einige Jahre einen Zeitschriftenvertrieb obendrauf. Und in den 60er kamen die ersten Klebebildchen auf - damals noch nur von italienischen Spielern.

Inzwischen bietet das Unternehmen seine Bildchen international an und ist auch überall vertreten - zum Beispiel auch im brasilianischen Sao Paolo, einem der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft. Seitdem klebt Deutschland alle zwei Jahre. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

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