Prothesenhersteller vor IPO Ottobock mit sechs Milliarden Euro bewertet

Es könnte einer der größten Börsengänge Europas werden: Der niedersächsischen Prothesenhersteller Ottobock will Anfang kommenden Jahres an die Börse. Mit dabei ist unter anderem die Deutsche Bank.
Prothesen auch, aber nicht nur, für Menschen mit Handicap: Ottobock will auch Arbeitern am Fließband mit einer Art Kraftanzug buchstäblich unter die Arme greifen

Prothesen auch, aber nicht nur, für Menschen mit Handicap: Ottobock will auch Arbeitern am Fließband mit einer Art Kraftanzug buchstäblich unter die Arme greifen

Foto: LEONHARD FOEGER/ REUTERS

Der niedersächsische Prothesenhersteller Ottobock kommt seinem für das kommende Jahr geplanten milliardenschweren Börsengang endlich einen Schritt näher. Einem Insider zufolge hat das Familienunternehmen aus Duderstadt, bei dem vor vier Jahren der schwedische Finanzinvestor EQT eingestiegen war, drei Investmentbanken mit der Vorbereitung der Emission beauftragt: die Deutsche Bank, Goldman Sachs und BNP Paribas. Sie trauten dem Weltmarktführer bei Prothesen eine Bewertung von mehr als sechs Milliarden Euro zu, sagte die mit den Planungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Damit wäre der IPO einer der größten in Europa. Das "Handelsblatt" hatte zuerst über die Mandatierung berichtet. Normalerweise erfolgt sie fünf bis sechs Monate vor der geplanten Erstnotiz.

Ottobock wollte die Informationen nicht bestätigen: "Wie Sie wissen, wollen wir ab 2022 börsenfähig sein. Daran arbeiten wir weiterhin." Rivalen wie die isländische Össur und Hanger aus den USA sind bereits an der Börse gelistet. Die Niedersachsen aber hatten ihren Börsengang mehrfach verschoben.

EQT war bei Ottobock zu einer Bewertung von 3,15 Milliarden Euro eingestiegen. Dem Investor gehören 20 Prozent der Anteile an dem Orthopädietechnik-Unternehmen, 80 Prozent liegen bei der Gründerfamilie um Hans Georg Näder (59). Näder, der den Chefposten inzwischen abgegeben hat und Verwaltungsratschef ist, gehört mit einem geschätzten Vermögen von 2,4 Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen und hatte erst vor Kurzem seinen Finanzchef mit der Rückholung seines CIOs blamiert .

2019 hatte Ottobock erstmals die Schwelle von einer Milliarde Euro Umsatz überschritten und ein operatives Ergebnis von 191 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Corona-Jahr 2020 gingen die Umsätze zurück. Marktforscher erwarten, dass der sechs Milliarden Dollar schwere Markt für Prothesen und Orthesen um 4 Prozent im Jahr wächst.

Ein neuer Hoffnungsträger sind Exoskelette ("Außenskelette"), die nicht nur Gelähmten wieder das Gehen ermöglichen, sondern etwa auch Bandarbeitern mit einer Art Kraftanzug buchstäblich unter die Arme greifen können. Das Schaumstoff-Geschäft wurde dagegen verkauft.

mg/Reuters