Börsengang auf Eis gelegt Ottobock entlässt Chef und Finanzvorständin

Großaktionär Hans Georg Näder sorgt für Unruhe bei dem Prothesenhersteller und trennt sich innerhalb eines Tages sowohl von dem CEO als auch von der Finanzchefin. Ein Börsengang rückt damit erneut in weite Ferne.
Das größte Risiko für Anleger: Der eigenwillige Großaktionär Hans Georg Näder

Das größte Risiko für Anleger: Der eigenwillige Großaktionär Hans Georg Näder

Foto: Swen Pförtner/ picture alliance / dpa

Personalrochade beim weltgrößten Prothesenhersteller Ottobock: Das Unternehmen trennt sich nach eigenen Angaben vom Mittwochabend nun auch von seinem Chef Philipp Schulte-Noelle. Er scheide damit sowohl aus der Geschäftsführung als auch aus dem Verwaltungsrat aus. Seine Rolle als CEO solle interimistisch Oliver Jakobi zusätzlich zu seiner Funktion als Chief Sales Officer (CSO) übernehmen.

Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass Finanzvorständin Kathrin Dahnke die Firma nach gut neun Monaten verlässt. Sie sollte Ottobock eigentlich an die Börse führen. Den Posten der 61-Jährigen übernimmt Arne Kreitz (42), der seit 2018 in der erweiterten Geschäftsführung bereits für die Strategie und für Übernahmen (M&A) zuständig war.

"Damit vollziehen wir den geplanten Wechsel im Finanzressort früher als ursprünglich geplant", sagte Mehrheitseigentümer und Verwaltungsratschef Hans Georg Näder (60). Kreitz könne "neue Impulse auf dem erfolgreichen Weg zu nachhaltigem Ergebniswachstum setzen". An dem Unternehmen aus dem niedersächsischen Duderstadt ist der Finanzinvestor EQT mit 20 Prozent beteiligt.

Als Dahnke im September 2021 das Amt vom erkrankten Jörg Wahlers übernahm, war keine Rede davon gewesen, dass sie nur als Interimslösung gedacht war. Die ehemalige Finanzvorständin von Osram hatte gerade erst bei der Umstellung auf den internationalen Bilanzierungsstandard IFRS Vollzug gemeldet. Er ist die Voraussetzung für einen Gang an den Kapitalmarkt. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte berichtet, dass das Medizintechnik-Unternehmen den Schritt angesichts der wackligen Kapitalmärkte frühestens für die Zeit nach dem Sommer ins Auge fasst.

Näder teilte nun mit, dass Ottobock grundsätzlich am Ziel eines möglichen Börsengangs festhalte. "Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage und des davon beeinflussten Kapitalmarktumfeldes ist ein Börsengang aber für uns bis auf Weiteres nicht erstrebenswert." Das Unternehme wolle daher seinen Fokus noch konsequenter auf das operative Geschäft, Kundennachfrage und die nachhaltige Steigerung des Wachstums legen. Näder musste Insidern zufolge befürchten, dass Ottobock nicht die angepeilte Bewertung von fünf bis sechs Milliarden Euro erreichen würde, nachdem die Aktienkurse anderer Medizintechnik-Unternehmen zuletzt in die Knie gegangen waren.

Der Prothesenhersteller wollte eigentlich schon vor Jahren an die Börse gehen. Nun wird wohl auch der anvisierte Termin im Herbst 2022 ergebnislos verstreichen. Das manager magazin berichtete bereits im Januar dieses Jahres , dass das größte Risiko für Anleger wohl der eigenwillige Unternehmer Näder ist, der weiterhin die Mehrheit und damit auch das letzte Wort bei Ottobock behalten will. Zudem steckt in dem Unternehmen nur eine mäßige Substanz und ein mageres organisches Wachstum.

mg/Reuters