Freitag, 15. November 2019

Osram vor dem Börsen-Aus Wie die Spin-Offs von Siemens laufen

Osram-Chef Olaf Berlien

Der bevorstehende Verkauf des Lichttechnikkonzerns Osram an die Finanzinvestoren Carlyle und Bain beendet nicht nur eine monatelange Hängepartie - sondern auch das sechsjährige Eigenleben einer früheren Siemens-Tochter an der Börse. Der Industrieriese entkernt sich schon seit Längerem. Aktuell wird die Abspaltung des Kerngeschäfts mit der Energiesparte vorbereitet. Osram ist nur eines von vielen vergangenen Spin-Offs, die oft im Ruch standen, Siemens lade die Underperformer an der Börse ab - nicht immer zu Recht, wie unsere Übersicht zeigt.

Osram wurde noch vor dem Antritt des heutigen Siemens-Chefs Joe Kaeser (62) zunächst zum Teil an die Börse gebracht. Erst seit Ende 2017 ist Siemens fast komplett aus dem vor knapp 100 Jahren übernommenen Geschäft ausgestiegen. Kaeser verabschiedete sich gönnerhaft von der Ex-Tochter: "Ich glaube, das Kind ist erwachsen geworden."

In der Zwischenzeit mussten die Aktionäre heftige Turbulenzen erdulden, auch unter den Managern gab es ungewöhnlichen Streit. Siemens verweigerte Osram-Chef Olaf Berlien (56) auf der Hauptversammlung 2016 sogar die Entlastung. Sein Strategiewechsel mit dem Verkauf des Haushaltsleuchtengeschäfts nach China und dem Bau einer LED-Chipfabrik in Malaysia sei erstens riskant und zweitens schlecht kommuniziert, was den Aktienkurs belastet habe.

Siemens hat dann die Gelegenheit zum Ausstieg bei deutlich höheren Kursen als heute genutzt. Die Osram-Aktionäre mussten zuletzt Nerven bewahren. Wenn sie die von Bain und Carlyle versprochenen 35 Euro kassieren, sind sie in sechs Jahren aber sogar etwas besser gefahren als die der Ex-Mutter.

Performance der Osram-Aktie Börsen-Chart zeigen einschließlich Dividende seit 8. Juli 2013: plus 66,75 Prozent

Performance der Siemens-Aktie Börsen-Chart zeigen in derselben Zeit: plus 63,45 Prozent

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