Vor der Übernahme durch AMS Osram verschärft Sparkurs

Osram will die Kosten noch weiter drücken

Osram will die Kosten noch weiter drücken

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Der Lichtkonzern Osram schraubt vor der Übernahme durch den Sensorspezialisten AMS seine Einsparziele nach oben. So sollen die Kosten bei Osram  bis zum Jahr 2022 statt um 220 Millionen jetzt um 300 Millionen Euro sinken, teilte das Unternehmen am Dienstag zu seiner Hauptversammlung in München mit. Der Konzern komme bei seinem Umbauprogramm zügiger voran als ursprünglich erwartet, hieß es am Dienstag weiter. Zu dem Bündel von Einzelprogrammen trügen alle Geschäftseinheiten bei.

Das Münchner Traditionsunternehmen steht vor seiner voraussichtlich letzten regulären Hauptversammlung als unabhängiger Konzern. Der österreichische Sensorhersteller AMS war im Dezember mit einem Übernahmeangebot für Osram erfolgreich, wird aber bei dem Aktionärstreffen an diesem Dienstag wohl nicht die alleinige Mehrheit haben.

Derzeit befinden sich den Angaben zufolge noch knapp 80 Prozent der Osram-Aktien im Streubesitz. Der österreichische AMS-Konzern hält erst etwa 20 Prozent der Anteile. Die Aktien, die AMS im Zuge der Übernahmeofferte angeboten wurden, gehen erst mit Abschluss des Angebots an den Bieter über. Dies soll voraussichtlich bis Mitte 2020 der Fall sein, dann wird der der Anteil von AMS auf 59,9 Prozent angehoben.

Um den angestrebten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu beschließen, braucht AMS jedoch 75 Prozent der anwesenden Stimmen. Dazu wird aller Voraussicht nach im Sommer eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die fehlenden Aktien werden zu großen Teilen derzeit noch von Hedgefonds gehalten. Dass die Hedgefonds auf der Hauptversammlung aktiv auftreten, gilt allerdings eher als unwahrscheinlich.

Auf der Hauptversammlung des Konzerns musste sich die Osram-Spitze nun teils deutliche Kritik an der Übernahme durch AMS anhören. "Ihr Name wird immer mit der Zerschlagung von Osram verbunden sein", sagte ein Aktionär am Dienstag unter Beifall zum Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien. Andere forderten, eine Zerschlagung zu verhindern oder fragten, ob der geplante Zusammenschluss mit AMS nicht "auf Augenhöhe" geschehen könne.

Osram-CEO Olaf Berlien betonte auf der Hauptversammlung die gute Beziehung zum AMS-Vorstandsvorsitzenden

Osram-CEO Olaf Berlien betonte auf der Hauptversammlung die gute Beziehung zum AMS-Vorstandsvorsitzenden

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Die Osram-Manager betonten dagegen immer wieder, dass es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe handle. Berlien sagte vor der Hauptversammlung, dass die Stimmung mit AMS und dessen Vorstandsvorsitzendem Alexander Everke, mit dem er inzwischen per Du sei, gut sei. "Alex hat mir eine SMS geschickt, heute Morgen", erzählte er. Berlien verteidigte die Übernahme durch die österreichische AMS auch grundsätzlich. "Die Geschäftslogik hinter dem Zusammenschluss ist richtig", sagte er und betonte: "Die Lichter gehen bei Osram nicht aus." Gemeinsam habe man eine gute Perspektive.


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Zuletzt hatte der Lichtkonzern Osram im ersten Quartal seines Geschäftsjahres (1. Oktober bis 31. Dezember) die roten Zahlen verlassen und einen kleinen Gewinn von sieben Millionen Euro ausgewiesen. Osram leidet unter der Schwäche der weltweiten Autoindustrie als wichtigster Kundengruppe. Offen ist zudem, welche Folgen das Coronavirus für Osram haben wird. Anfang Februar hatte CEO Olaf Berlien gesagt, dass er davon ausgehe, dass es Auswirkungen geben werde. Das Unternehmen hat zwei Werke in China, die aber nicht in der besonders vom Virus betroffenen Region liegen.

dpa-afx/akn
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