Montag, 18. November 2019

Vorstand prüft Angebot und stellt Bedingungen Osram will mit AMS verhandeln

Osram: Der Bieter-Poker geht in eine neue Runde

Im Übernahmepoker um Osram gibt es eine weitere Wendung. Der Vorstand des Münchner Lichttechnik-Konzerns habe beschlossen, mit dem Chip-Hersteller AMS Verhandlungen aufzunehmen, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. "Nach unserer vorläufigen Einschätzung erscheint das vorgelegte Finanzierungskonzept verbindlich und tragfähig", hieß es in der Mitteilung am Montagabend.

Erst wenn die Verhandlungen abgeschlossen seien, könne der Vorstand das Stillhalteabkommen aufheben, das AMS derzeit eine Übernahme von Osram für zwölf Monate verbietet. Dieses Stillhalteabkommen hatten die Österreicher für einen Blick in die Bücher vereinbart: Es verbietet ihnen eigentlich für zwölf Monate ein Angebot.

Deutlich reservierter reagierte der Betriebsrat von Osram: Er lehnt das Angebot ab. "Das Hickhack von AMS ist für uns nicht vertrauenerweckend und geht zu Lasten der Beschäftigten", sagte die stellvertretende Münchner Osram-Betriebsratschefin Ursula Krüger, die auch dem Gesamtbetriebsrat angehört. Die Österreicher hatten schon Anfang Juli öffentlich Interesse an Osram bekundet, dann aber vorläufig einen Rückzieher gemacht, wohl weil die Finanzierung nicht stand

AMS will die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausstechen und Osram für bis zu 4,3 Milliarden Euro übernehmen. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz stellte am Sonntagabend ein Kaufangebot über 38,50 Euro je Aktie für die Ex-Siemens-Tochter Osram in Aussicht. Die Aktie von Osram Börsen-Chart zeigen legte daraufhin am Montag im frühen Handel um mehr als 10 Prozent zu und kletterte über die Marke von 35 Euro. Das wären zehn Prozent mehr als die laufende Offerte von Bain und Carlyle, hinter die sich auch der Osram-Vorstand um Olaf Berlien gestellt hatte.

Laut Adhoc-Mitteilung sieht die Finanzierung wie folgt aus: Die Banken HSBC und UBS würden eine Brückenfinanzierung von 4,2 Milliarden Euro stemmen. Einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

Wichtig bei der Beurteilung des Angebots sei dem Osram-Vorstand neben Angebotspreis und Finanzierungskonzept ein stabiles Umfeld für die weitere Transformation zu einem halbleiterbasierten Hightech-Photonik-Unternehmen.

Darüber hinaus lege der Vorstand großen Wert auf angemessene Schutzzusagen für alle wesentlichen Stakeholder, insbesondere die Mitarbeiter des Unternehmens.


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AMS erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. "Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können", hatte AMS am Sonntag erklärt. Analysten machen sich seit längerem über die zu starke Abhängigkeit von AMS vom Großkunden Apple Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von AMS.

Interesse am Autozuliefergeschäft

Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von "Front-End-LEDs" dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle sei auch AMS zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit, hieß es am Sonntagabend.

Am Osram-Sitz in München sollten "wichtige Funktionen" erhalten bleiben. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von AMS aber verkauft werden. Bedingung für die Übernahme ist - wie bei Bain und Carlyle -, dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.

la/reuters/dpa

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