Freitag, 19. April 2019

Mehr als ein Viertel der Anteilseigner verweigern Entlastung Aktionärswatsch'n für Osram-Chef Olaf Berlien

Osram-Chef Olaf Berlien: Scharfe Kritik der Aktionäre
picture alliance / dpa
Osram-Chef Olaf Berlien: Scharfe Kritik der Aktionäre

Der Corporate-Governance-Analyst der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS trat auf Osrams Hauptversammlung auf wie ein Kavalier, im eleganten Nadelstreifen mit roter Blume am Revers. Umso härter fiel Hendrik Schmidts Abrechnung mit Konzernchef Olaf Berlien aus. Zu optimistische Versprechen, fragwürdiges Kommunikationsverhalten, ein Schlingerkurs bei der Strategie und nicht zuletzt der halbierte Aktienkurs der Ex-Siemens-Tochter Osram Börsen-Chart zeigen brachten Schmidt in Rage. Er erwarte "realistische Einschätzungen" von Berlien, "sonst wird aus der Lichtgestalt eine Energiesparlampe oder eine Wunderkerze".

Schmidt kündigte unter Applaus an, Berlien und Osram-Chefaufseher Peter Bauer die Entlastung zu verweigern. Damit bereitete er den Weg für ein schmerzhaftes Abstimmungsergebnis, auch wenn dies rechtlich keine direkten Folgen hat.

Berlien wurde nur mit 73 Prozent der Stimmen entlastet. Bauer wurde vom breiten Rest des Aktionariats unterstützt und bekam 92 Prozent Ja-Stimmen. Die DWS hält rund fünf Prozent des Osram-Kapitals und zählt damit zu den größten Anteilseignern der Lichtfirma. Präsent waren knapp 54 Prozent des Kapitals.

Neuer Mann an der Konzernspitze: Druck auf Aufsichtsrat steigt

Damit steigt der Druck auf Bauer, den CEO auszutauschen. Nicht nur die DWS, auch andere Profi-Investoren wurden durch mehrere Gewinnwarnungen vergrätzt. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2019 (30. September) scheint schon nach dem ersten Quartal, das mit einem Nettoverlust von 84 Millionen Euro endete, abermals gefährdet.

Vor wenigen Wochen kündigte Unternehmenskreisen zufolge die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors gegenüber dem Osram-Management an, künftig mehr Einfluss auf die Strategie nehmen zu wollen, aber keinen Aufsichtsratssitz anzustreben. AGI hält in seinen Fonds gut 10 Prozent an Osram, ihre Versicherungsmutter Allianz weitere 3 Prozent.

Ausgerechnet Bain und Carlyle könnten Berliens Job noch eine Weile sichern

Paradoxerweise könnte ausgerechnet die womöglich bevorstehende Übernahme durch die US-Private-Equity-Gesellschaften Bain Capital und Carlyle Berliens Job noch eine Zeitlang sichern. Osram hat "vertiefte Gespräche" mit den Investoren bestätigt, die zu einer Vollübernahme führen könnten; eine Due Diligence läuft. In dieser Situation lässt sich ein neuer CEO kaum finden, da die Finanzinvestoren - sollte ihnen ein Mehrheitserwerb gelingen - üblicherweise eigenes Topmanagement installieren.

Lichtkonzern in der Krise: Finanzinvestoren umschwirren Osram

"Herr Berlien, sind Sie noch Herr der Dinge, oder werden Sie getrieben?", fragte Daniela Bergdolt, Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, unter aufbrandendem Applaus. Sei Osram sei zum Spielball der Investoren worden? "Diesen Schuh müssten Sie sich schon anziehen, Herr Berlien und diesen Schuh muss sich auch Siemens anziehen", so Bergdolt.

Die einstige Mutter Siemens hatte den Großteil der Osram-Aktien 2013 via Spin-off an die eigenen Aktionäre verteilt und ihr Restpaket von 17 Prozent nach einem Strategiestreit im Herbst 2017 nahezu auf Höchstkurs veräußert. Zu den Käufern gehörte Finanzkreisen zufolge unter anderem AGI.

"Kritik an unserer Prognosequalität ist berechtigt"

Berlien gab sich zerknirscht: "Die Kritik an unserer Prognosequalität ist berechtigt." Die Strategie, Osram zum Hightech-Photonikkonzern mit Fokus auf halbleiterbasiertes Licht zu entwickeln, sei aber grundsätzlich richtig, betonten er und Chefaufseher Bauer unisono. Dies gelte auch für die neue LED-Fabrik in Kulim/Malaysia.

Mit der Ende 2017 eröffneten Fabrik ist Osram ins Massengeschäft der LED-Allgemeinbeleuchtung eingestiegen, leidet aber jetzt unter dem Einbruch der Nachfrage und zunehmendem Preisdruck. Eine Aktionärsfrage, wie hoch die Auslastung in Kulim derzeit sei, beantwortete der Vorstand nur mit "erheblich beeinträchtigt" und nannte keine Auslastungsquote. Die Marktentwicklung sei so nicht vorhersehbar gewesen, stärkte Bauer Berlien den Rücken. Der Vorstand hat nach Bauers Urteil die "angemessenen Maßnahmen" getroffen: nämlich die Investitionspläne, die Fertigungskapazität und die Funktionskosten gekürzt.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung