Mittwoch, 20. November 2019

Milliardeninvestition in schwedische Gigafabrik Das ist Volkswagens Batteriepartner Northvolt

Peter Carlsson

Eine Milliarde Euro hat der Aufsichtsrat von Volkswagen für Investitionen in die Produktion von Batterien von Elektroautos bewilligt. "Wir planen, eine solche Batteriezellfabrik in Deutschland aufzubauen, konkret im niedersächsischen Salzgitter", sagte Konzernchef Herbert Diess auf der Hauptversammlung am Dienstag - "vorausgesetzt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen."

Damit setzt der größte deutsche Autohersteller ein deutliches Zeichen: Es ist das erste klare Bekenntnis nach jahrelangen Debatten für eigene Investitionen im großen Stil. Entschieden ist allerdings noch nichts. Voraussichtlich bis Jahresende falle das finale Votum, heißt es in einer Handreichung von Volkswagen Börsen-Chart zeigen zur Batteriestrategie.

Abwarten will der Konzern unter anderem, ob es genug Ökostrom gibt - vor allem billig genug, indem die Versorgung von den Kosten der EEG-Umlage befreit wird. Der Konzern hat noch eine lange Wunschliste weiterer Staatshilfen. Auch um die von Wirtschaftsminister Peter Altmaier ausgelobte Milliardenförderung für nationale Batterieproduktion bewirbt sich Volkswagen.

Deutlich weiter ist der im selben Strategiepapier prominent erwähnte Partner Northvolt. Das erst 2016 von zwei Tesla-Veteranen gegründete schwedische Unternehmen hat im vergangenen Jahr gleich in drei Fabriken Baubeginn gefeiert: einer Pilot- und Forschungsanlage in Västerås westlich von Stockholm, einer Modulproduktion im polnischen Danzig, und einer Gigafabrik nach Tesla-Vorbild namens Northvolt Ett im nordschwedischen Skeleffteå.

Dort soll das erste Viertel einer auf 32 Gigawattstunden Jahresproduktion angelegten Zellfertigung noch 2020 den Betrieb aufnehmen. Aktuell läuft noch die Sammlung des nötigen Kapitals für das Werk. "Ich schätze, dass wir ein bisschen mehr als 1,6 Milliarden Euro einsammeln müssen, um Phase Eins der Fabrik realisieren zu können", sagte Firmenchef Peter Carlsson (48) im April der "Wirtschaftswoche".

Bisher hat Northvolt, neben Krediten etwa der Europäischen Investitionsbank, Beteiligungen zu je zehn Millionen Euro von mehreren Großkonzernen eingesammelt. Zu den frühen Partnern zählen beispielsweise Siemens Börsen-Chart zeigen, dessen Vorstand Jan Mrosik von einem "Leuchtturmprojekt für Europa schwärmte", ABB Börsen-Chart zeigen, der Volkswagen-Rivale BMW Börsen-Chart zeigen ebenso wie die schwedische Lkw-Konzerntochter Scania Börsen-Chart zeigen. Den Anfang machte der auch erst seit 2014 bestehende schwedische Finanzinvestor Vargas Holding, dessen Chef Carl-Eric Lagercrantz auch den Aufsichtsrat führt.

Volkswagen sicherte sich im März zwar keinen exklusiven Zugang zum europäischen Vorzeige-Batterieprodukt, aber doch ein stärkeres Gewicht. Gemeinsam mit Northvolt führt der Wolfsburger Konzern die neu gegründete European Battery Union. Zunächst ist damit aber nur eine Forschungsallianz für die Zellproduktion im großen Stil gemeint, beginnen soll die Kooperation auch erst im kommenden Jahr. Von gemeinsamen Investitionen war bislang nicht die Rede - außer, dass sich alle beteiligten Unternehmen um Geld aus Altmaiers Topf bewerben. Carlsson äußerte zudem die Hoffnung, Volkswagen auch selbst mit Batterien beliefern zu können.

Carlsson hatte von 2011 bis 2015 als Einkaufsmanager von Tesla die Vorbereitungen für die mit Panasonic betriebene Gigafabrik im US-Staat Nevada geleitet - die mit Abstand wichtigste Referenz. Zum Vergleich: Dort ist bereits heute laut Panasonic eine Kapazität von 35 Gigawattstunden erreicht, der tatsächliche Output beläuft sich auf 24 Gigawattstunden, im Endausbau sollen in Nevada 150 Gigawattstunden erreicht werden.

Die bisher vor allem aus Ostasien stammenden Lieferanten - auch Volkswagen setzt zu Beginn seiner Elektrooffensive noch auf die Südkoreaner von SK, LG Chem und CATL aus China - haben bis dato nur einen Bruchteil davon auf den Markt gebracht. Einen Verdrängungswettbewerb sieht Carlsson dennoch nicht, wenn der vorausgesagte Elektroauto-Boom Realität wird. "Bei der Größe des europäischen Marktes ist Platz für jeden Hersteller." Der Absatz aus den ersten beiden Produktionsblöcken in Skeleffteå sei bereits nahezu komplett vertraglich gesichert.

Auch Volkswagen zeigt sich gewiss: Allein der eigene Bedarf des Konzerns an Batterien werde sich auf 300 Gigawattstunden jährlich belaufen, wenn wie geplant in den kommenden zehn Jahren fast 70 neue E-Modelle auf den Markt kommen.

Dafür bräuchte der Konzern nicht nur die Anlagen von Northvolt, sondern auch eine zusätzliche eigene Produktion und weitere Werke - beispielsweise für die mit der US-Firma Quantumscape geplante Entwicklung von Feststoffbatterien; der nächsten Generation, um die heutigen Lithium-Ionen-Akkus abzulösen. Viel Spielraum für große Pläne also. Jetzt muss nur noch der Elektroauto-Boom kommen wie geplant.

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