Megafusion geplant Wie Oligarch Wladimir Potanin sein Imperium schützen will

Putin-Freund und Oligarch Wladimir Potanin zählt zu den reichsten Russen. Nun will der Multimilliardär seinen Rohstoffkonzern Nornickel mit dem russischen Aluminium-Riesen Rusal fusionieren - auch um sein Imperium stabiler gegen die westlichen Sanktionen zu machen, wie er einräumt.
Bereit für eine Fusion: Chef und größter Anteilseigner des russischen Rohstoffkonzerns Nornickel, Wladimir Potanin

Bereit für eine Fusion: Chef und größter Anteilseigner des russischen Rohstoffkonzerns Nornickel, Wladimir Potanin

Foto: MAXIM SHEMETOV / REUTERS

Wie so viele russische Oligarchen katapultierte die Privatisierungswelle in den 90er-Jahren auch Wladimir Potanin (61) ganz nach oben. Er gilt als Freund des russischen Machthabers Wladimir Putin (69) und hat laut "Forbes" ein Vermögen von mindestens 17 Milliarden Dollar angehäuft. Einer der reichsten Männer Russlands verdankt seinen Reichtum vor allem auch seiner Beteiligung an Nornickel, dem weltgrößten Produzenten von Palladium und veredeltem Nickel. Doch zunehmend scheinen die Sanktionen des Westens zu wirken und damit auch der Stern des Oligarchen zu verblassen.

Potanin kontrolliert Bloomberg zufolge 35 Prozent von Nornickel. Er steht an der Spitze des Konzerns, seit er 2012 eine Aktionärsvereinbarung mit dem Aluminiumhersteller Rusal getroffen hat. Rusal, einst vom Oligarchen Oleg Deripaska (54) gegründet, ist nicht nur weltgrößter Aluminiumhersteller, sondern mit 26 Prozent der Anteile auch zweitgrößter Investor von Nornickel. Nornickel steht für ein Fünftel der weltweiten Nickelproduktion und rund 40 Prozent des weltweit geförderten Palladiums, das in Abgasreinigungsanlagen von Benzinautos verwendet wird.

Nun verfolgt Potanin eine Fusion der beiden Giganten und möchte sie zu einem "nationalen Champion" formen, wie er laut Bloomberg  in einem Interview mit dem russischen TV-Sender RBC erklärte. Ein Ziel des möglichen Zusammenschlusses sei es auch, "zusätzliche Stabilität gegen Sanktionen zu erlangen" und leichter staatliche Unterstützung für gemeinsame Projekte in Russland zu erhalten, erklärte Potanin.

Die USA hatten zwischen April 2018 und Anfang 2019 Sanktionen gegen Rusal verhängt. Das Ergebnis: Der Aluminiumpreis schoss weltweit rasant in die Höhe. Washington nahm den Konzern dann allerdings von der Sanktionsliste, als Gründer Deripaska zustimmte, die Kontrolle über das Unternehmen abzugeben. Dennoch bleibt Deripaska ein mächtiger Tycoon in Russland.

Im Gegensatz zu anderen russischen Oligarchen blieb Potanin bislang von Sanktionen weitgehend verschont. Ende Juni allerdings setzte Großbritannien den Milliardär auf die Sanktionsliste, weil er das Regime von Präsident Putin unterstütze, begründete die Regierung in London. In dem TV-Interview sagte Potanin, dass Nornickel selbst nicht mit Sanktionen belegt sei. Er wolle Vorstandschef des Rohstoff-Giganten bleiben, ließ der Oligarch erkennen.

Hinter dieser Ansage steht auch das selbstbewusste Kalkül, dass ein fusionierter Rohstoffriese, der zugleich bedeutender Produzent für einen Großteil benötigter Metalle auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft ist, wohl nur mit erheblichen Konsequenzen für westliche Staaten zu sanktionieren wäre. Lieferengpässe, eine erhöhte Nachfrage und andere Faktoren haben die Preise für Nickel, Kupfer, Platin, Palladium und andere Metalle ohnehin kräftig in die Höhe getrieben. Sanktionen gegen Nornickel oder den neuen, fusionierten Konzern würden die Preise noch mehr in die Höhe treiben.

Potanin erwartet nur geringe Synergieeffekte

Nornickel und Rusal kommen laut dem Datenanbieter Refinitiv zusammen auf einen Marktwert von rund 65 Milliarden Dollar, wobei Nornickel an der Börse mit umgerechnet rund 49 Milliarden Dollar mehr als dreimal so viel wert ist wie Rusal. Analysten sehen dem Bericht zufolge nur geringe finanzielle Synergien bei einer möglichen Fusion der beiden Unternehmen. Auch Potanin selbst räumte in dem TV-Gespräch nur geringe Synergieeffekte ein, rechtfertigte den möglichen Merger gleichwohl unter anderem mit dem Argument, dass sich beide Unternehmen angeblich einer "grünen Wirtschaft" zuwendeten.

rei
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