Dienstag, 15. Oktober 2019

Viertes Quartal mit überraschend starkem Gewinnrückgang Nike ächzt unter hohen Kosten

Nike weißt im vierten Quartal starken Gewinnrückgang aus

Steigende Vertriebs- und Marketingkosten haben dem weltgrößten Sportartikelkonzern Nike Börsen-Chart zeigen einen überraschend starken Gewinnrückgang eingebrockt. Im vierten Quartal 2018/19 (per Ende Mai) ging der Überschuss um 13 Prozent auf 989 Millionen Dollar zurück, teilte Nike nach Börsenschluss am Donnerstagabend mit. Der Konzern aus Beaverton im US-Bundesstaat Oregon begründet den Rückgang mit um 10 Prozent gestiegenen Kosten.

Analysten hatten zwar ein Minus erwartet, jedoch in einem geringeren Maß. Dagegen wuchs der Umsatz stärker als erwartet um 4 Prozent auf 10,2 Milliarden Dollar. Vor allem für Verträge mit Prominenten, Aktionen rund um große Sportereignisse, die den Verkauf ankurbeln sollen, und für die Weiterentwicklung der beliebten Schuhmarke "Jordan" gab Nike mehr aus.

Direktverkauf wächst

Im Gesamtjahr blieb aber ein um 11 Prozent höherer Gewinn vor Steuern von 4,8 Milliarden Dollar übrig. Das Nettoergebnis verdoppelte sich aufgrund eines Steuereffekts sogar auf 4,03 Milliarden Dollar. Die Investitionen in Innovationen und die Digitalisierung hätten sich in stärkeren Verkaufszahlen - vor allem im Direktverkauf über das Internet - niedergeschlagen, erklärte Nike. Der Umsatz stieg - Wechselkurseffekte herausgerechnet - um 11 Prozent auf 39,1 Milliarden Dollar, unter dem Strich blieb ein Umsatzplus von 7 Prozent.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs beließ die Einstufung für Nike nach den Quartalszahlen auf "Neutral" mit einem Kursziel von 83 US-Dollar. Der Sportartikelkonzern habe für das Nordamerika-Geschäft ein solides Umsatzwachstum verzeichnet, schrieb Analystin Alexandra Walvis in einer am Freitag vorliegenden Studie. Dem stünden aber niedrigere Margen wegen strategischer Investitionen und negativer Währungseffekte gegenüber.

Wie der deutsche Erzrivale Adidas musste auch Nike Schwierigkeiten mit dem Nachschub an Sportbekleidung einräumen, weil die Nachfrage in einigen Segmenten so hoch gewesen sei, sagte Finanzchef Andy Campion. Wie die meisten Sportartikelhersteller lässt Nike den Großteil seiner Waren in Asien produzieren. Adidas hatte vor allem die Nachfrage in den USA im mittleren Preissegment unterschätzt.

Prognose für laufendes Jahr fest

Der Handelsstreit zwischen den USA und China habe sich nicht auf das Geschäft von Nike ausgewirkt, sagte Campion. Der Konzern werde in China weiterhin für den inländischen Markt, aber auch für andere Teile der Welt einkaufen. "Wir sind und wir bleiben eine Marke in China und für China", betonte Vorstandschef Mark Parker.


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Trotz der wachsenden negativen Währungseffekte hält Nike an seinen Prognosen für das laufende Geschäftsjahr fest. Auf währungsbereinigter Basis hätten sich die Aussichten verbessert, sagte Campion. Für das laufende erste Quartal erwarte Nike ein mindestens so starkes Umsatzwachstum wie in den Monaten von März bis Mai. Wechselkursbereinigt werde es um fast 10 Prozent wachsen, 4 Prozentpunkte dürfte der Dollar-Kurs kosten.

reuters/dpa-afx/akn

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