Mittwoch, 23. Oktober 2019

Prognose bestätigt - Aktie auf Rekordniveau Nestle-Umbau zeigt Früchte

Nestle CEO Ulf Mark Schneider speaks during the Nestle shareholders meeting in Lausanne, Switzerland, April 6, 2017. REUTERS/Denis Balibouse

Der Konzernumbau von Nestle-Chef Mark Schneider trägt zunehmend Früchte. Der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller erreichte im zweiten Quartal 2019 die höchste Umsatzwachstumsrate seit drei Jahren. Vor allem bei Tierfutter, Kaffee und Säuglingsnahrung griffen die Verbraucher verstärkt nach den Produkten des Konzerns aus Vevey am Genfersee. "Wir sind auf gutem Weg, die für 2020 gesteckten Ziele zu erreichen", sagte der seit 2017 amtierende Schneider am Freitag.

Im ersten Halbjahr steigerte Nestle den Umsatz um 3,5 Prozent auf 45,5 Milliarden Franken. Analysten hatten jedoch mit etwas mehr gerechnet. Die für viele Experten wichtigste Messgröße, das um Sondereffekte bereinigte operative Umsatzwachstum, erhöhte sich aber auf 3,6 Prozent. Im zweiten Quartal kletterte der Wert gar auf 3,9 Prozent und übertraf damit die Zahlen anderer europäischer Konsumgüterkonzerne wie Unilever oder Danone. Im Kaffee-Geschäft half Nestle die erfolgreiche Markteinführung von Starbucks-Produkten. Am meisten wuchsen die Geschäfte erneut in den USA und in Brasilien.

"Was für ein Wandel bei Nestle in kurzer Zeit", erklärte Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. Schneider treibe Nestle zu höheren Wachstumsraten und Renditen. "Das passiert noch schneller als erwartet." Die Aktien des Lebensmittelkonzerns klettern am Freitag an die Spitze des Schweizer Leitindex SMI geklettert. Mit einem Plus von zuletzt 2,15 Prozent markierten sie damit ein neues Rekordhoch von 104,54 Schweizer Franken. Seit Jahresbeginn haben die Papiere damit fast ein Drittel dazugewonnen.

Schneider legt Fokus auf Kerngeschäft

Schneider versucht Nestle auf die sich rasch ändernden Konsumgewohnheiten zu trimmen: Viele Menschen greifen verstärkt zu Lebensmitteln mit weniger Zucker, Fett und Salz oder setzen auf vegetarisches oder veganes Essen. Um dem Rechnung zu tragen, hatte der Konzern etwa sein US-Süßigkeitengeschäft verkauft. Zudem trennt sich Schneider von Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. So plant er, die Sparte Nestle Skin Health für Hautpflegeprodukte und Mittel gegen Akne und Hautkrebs zu verkaufen. Sie soll bis zum Jahresende für rund zehn Milliarden Franken an ein Konsortium um den schwedischen Investor EQT und einen Staatsfonds aus Abu Dhabi (ADIA) gehen.

Das Geld aus den Verkäufen investiert der frühere Fresenius-Lenker in Wachstumsbereiche wie Kaffee, Babynahrung, Tiernahrung, Wasser oder das Geschäft mit gesunden Lebensmitteln. All das soll helfen, den Nahrungsmittelriesen bis 2020 wieder zu alten Wachstumsraten von rund 5 Prozent zurückzuführen.

Der Halbjahresgewinn schrumpfte zwar um 14,6 Prozent auf fünf Milliarden Franken. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass der Verkauf des US-Süsswarengeschäfts Nestle im Vorjahr viel Geld in die Kasse gespült hatte. Das bereinigte operative Ergebnis stieg dank Kostensenkungen, Preiserhöhung und einem höheren Anteil an margenstarken Produkten dagegen um 10,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Franken, die bereinigte operative Marge erreichte 17,1 Prozent.

Hochpreisige Waren sind gefragt

Nestle kam dabei zu Gute, dass die Kunden immer mehr zu hochpreisigen Produkten greifen, die höhere Margen liefern. Das gilt etwa für aromatisiertes San Pellegrino-Mineralwasser oder rosafarbenen KitKat-Schokoriegel. Diese bestehen aus einem neuen Schokoladetyp, der in mehr als zehnjähriger Arbeit entwickelt wurde.


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Auf Premium-Produkte entfallen bei Nestle mittlerweile bereits 23 Prozent des Umsatzes. Schneider erwartet, dass dies weiter zunehmen dürfte, denn viele Kunden verlangten bei Essen und Trinken bessere Qualität und mehr Nachhaltigkeit. "Haben wir ein spezifisches Ziel? Nein, das haben wir nicht. Verlassen wir den Massenmarkt? Überhaupt nicht", sagte der erste Firmenchef seit fast einem Jahrhundert, der nicht aus den eigenen Reihen stammt.

Im Gesamtjahr 2019 erwartet Nestle eine operative Ergebnismarge von 17,5 Prozent und ein organisches Umsatzwachstum von rund 3,5 Prozent. Analysten stufen diese Vorgaben als eher konservativ ein.

rtr/akn

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