Dienstag, 21. Mai 2019

Deutsches Konsortium Nationaler Alleingang zur Industrie 4.0 befremdet die Wirtschaft

Deutsche Marke: Das Schlagwort "Industrie 4.0" ist international ungebräuchlich

Amerikaner unerwünscht - auf deutschen Führungsanspruch in der neuen industriellen Revolution setzt ein vom Bund angeregtes Konsortium. Die Firmen, die das Zukunftsprojekt tragen sollen, gehen einen anderen Weg: Sie setzen auf globale Kooperation.

Berlin - "Connected World" heißt das Motto, unter dem Bosch dieser Tage die industrielle Avantgarde in Berlin versammelt. Die Welt zu verbinden, ist das Versprechen der neuen technologischen Revolution, an deren vorderster Front sich der Stuttgarter Konzern sieht. Um Maschinen über das Netz miteinander zu verbinden, müssen aber zunächst erst einmal deren Hersteller eine gemeinsame Sprache finden.

Schon wenn Bosch und Siemens Börsen-Chart zeigen eine Entrauchungsanlage für den neuen Berliner Flughafen bauen, können die Sensoren des einen Herstellers die Entlüftungsklappen des anderen nicht bewegen wie gewünscht. Geräte, die in den jeweiligen geschlossenen Systemen tadellos funktionieren, erweisen sich als begrenzt kommunikationsfähig. Und die Aufgabe, weltweit Produktionsbetriebe aller Art flexibel fernsteuern zu können, ist ungleich größer.

Unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" sollen die deutschen Maschinenbauer weltweit Standards setzen. So will es Kanzlerin Angela Merkel. Die Bundesregierung und Wirtschaftsverbände haben bereits eine gleichnamige Plattform und eine davon unabhängige Dialogplattform ins Leben gerufen, zeitgleich zur Bosch-Konferenz rufen an diesem Dienstag Forschungsministerin Johanna Wanka und Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer in Berlin zur Gründung eines Konsortiums der Unternehmen.

Ausdrücklich nicht eingeladen sind zu deren Befremden US-Firmen wie Microsoft Börsen-Chart zeigen. Neugebauer hatte schon ein Vortreffen im November unter das Motto "Digitale Souveränität" gestellt. Die Angst vor der Allmacht von Google Börsen-Chart zeigen und Co. ist das wesentliche Motiv der Initiative. Wir oder die, es geht um den Führungsanspruch in der digitalen Produktion.

Ebenfalls in Berlin ist, als einer der Hauptredner der Bosch-Konferenz, Richard Soley - gewissermaßen der Feind. Denn Soley führt ein bereits existierendes Konsortium namens Industrial Internet Consortium (IIC) mit Sitz in Boston. Dahinter steht zwar nicht Google, aber allerlei andere US-Konzerne. Das vor einem Jahr gegründete IIC präsentiert sich als die weltweit maßgebliche und allen offenstehende Plattform fürs Internet der Dinge. "Die Marke Industrie 4.0 existiert nur in Deutschland", lästerte Soley gegenüber dem Fachmagazin "Elektrotechnik".

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