Insolvenz der MV Werften Verwalter will "Global Dream" zu Ende bauen lassen

Der vorläufige Insolvenzverwalter für die MV Werften ist bestellt. Die rund 2000 Beschäftigten sollen ihre offenen Dezember-Löhne erhalten. Und sie dürfen auf einen Weiterbau des weltgrößten Kreuzfahrtschiffs "Global Dream" zumindest hoffen.
"Global Dream": Das Kreuzfahrtschiff ist zu 75 Prozent fertiggestellt

"Global Dream": Das Kreuzfahrtschiff ist zu 75 Prozent fertiggestellt

Foto: Jens Büttner / dpa

Beim insolventen Schiffbauer MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern hat nun der Rechtsanwalt Christoph Morgen das Steuer in der Hand. Das Amtsgericht Schwerin berief den Sanierungsexperten der Kanzlei Brinkmann & Partner am Mittwoch zum vorläufigen Verwalter für alle acht Gesellschaften der Werftengruppe. Dazu gehören vier Betriebsgesellschaften, die Holding und drei Grundstücksfirmen.

Morgen muss sich nun zunächst einen Überblick über die finanzielle Lage der Gruppe verschaffen. In einem ersten Schritt will er sich darum kümmern, dass die rund 2000 Beschäftigten ihre Löhne und Gehälter erhalten. "Die MV Werften Gruppe hat die Dezembergehälter nicht ausgezahlt. Umso dringlicher ist für die Mitarbeitenden jetzt, dass sie nun zügig für ihre geleistete Arbeit entlohnt werden", sagte er. Die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes sei bereits in die Wege geleitet worden. Die Umsetzung werde noch ein paar Tage dauern.

"Das Kreuzfahrtschiff Global Dream möchte ich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MV Werften zu Ende bauen"

Christoph Morgen, Sanierungsexperte der Kanzlei Brinkmann & Partner

Parallel will der Insolvenzverwalter die Landesregierung und die Bundesregierung, die Betriebsräte, die IG Metall und den Eigner Genting aus Hongkong an einen Tisch bringen. Für Standorte ohne Aufträge sollten bereits begonnene Gespräche mit Investoren fortgesetzt werden.

Weiter kündigte er an: "Das Kreuzfahrtschiff Global Dream möchte ich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MV Werften und den Zulieferern in Wismar zu Ende bauen." In Gesprächen mit allen Beteiligten wolle er die Voraussetzungen für eine Fertigstellung des Schiffes erarbeiten. Die "Global Dream" soll einmal Platz für 9500 Passagiere bieten und wäre damit das bislang weltgrößte Kreuzfahrtschiff.

Das Vorhaben ist ein wichtiges Signal für Beschäftigung: Das Schiff ist zu 75 Prozent fertig und liegt in der Werft in Wismar. Politiker und Arbeitnehmervertreter hatten sich in den letzten Tagen wiederholt für den Weiterbau ausgesprochen. Offen ist, ob der selbst in Schwierigkeiten steckende Mutterkonzern der MV Werften, Genting Hongkong, das Schiff, das er für den eigenen Bedarf bauen wollte, abnehmen kann und wird.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verteidigte das Engagement von Bund und Land bei der bisherigen Entwicklung der MV Werften hin zum Kreuzfahrtschiffbau. Der Schiffbau für Kreuzfahrten hatte eine Perspektive und habe auch in der Zukunft eine Perspektive, denn die Menschen wollten nach der Pandemie wieder auf Kreuzfahrten gehen, sagte sie. Aber es gebe jetzt diese schwierige Corona-Pandemie, die die Werften in MV hart getroffen habe. Die Insolvenz sei bitter, aber nicht das Ende, so Schwesig.

Ein Schwerpunkt der Kanzlei Brinkmann & Partner sind Werftinsolvenzen. Unter anderem wurden ihre Verwalter bei der Husumer Schiffbaugesellschaft, der Sietas Werft, der Norderwerft, der SME Werft, der Wadan Werft, den P+S Werften und der Elsflether Werft bestellt. Am Donnerstag will Morgen die Beschäftigten der MV Werften auf Belegschaftsversammlungen informieren. Am Mittag tritt der Landtag in Schwerin zu einer Sondersitzung zusammen.

Die MV Werften mit Standorten in Rostock, Wismar und Stralsund sowie der Lloyd Werft in Bremerhaven und weiteren Tochtergesellschaften hatte zu Wochenbeginn Insolvenz angemeldet. Die MV Werften gehören seit 2016 dem börsennotierten Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting aus Hongkong, der wegen der Pandemie in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Hinter dem verzweigten Konzern steht der malaysische Milliardär Lim Kok Thay.

Genting Hongkong hatte allein 2020 nach dem Ausbruch der Pandemie einen Verlust von 1,72 Milliarden US-Dollar hinnehmen müssen. Vor der Krise waren China und Hongkong die größten Märkte für die Kreuzfahrten des Unternehmens. Der Handel mit Genting-Aktien an der Börse in Hongkong ist seit vergangenem Freitag ausgesetzt.

Genting und Bund geben sich gegenseitig die Schuld

In Gesprächen von Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern mit Genting war keine Lösung für die weitere Finanzierung der Werften gefunden worden. Die Bundesregierung war bereit gewesen, zusätzliche Mittel von 600 Millionen Euro bereitzustellen, damit die "Global One" fertiggebaut werden kann. Im Gegenzug verlangte der Corona-Rettungsfonds WSF vom Eigentümer 60 Millionen Euro frisches Eigenkapital und 600 Millionen Euro Bürgschaften.

Dazu war der MV-Eigentümer nach Angaben des Bundes nicht bereit, wodurch die Rettung scheiterte und nun Tausende Arbeitsplätze auch bei Zulieferbetrieben gefährdet sind. Genting wiederum gab dem Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern die Schuld für den Liquiditätsengpass. Diese hätten dem Unternehmen insgesamt 336 Millionen Dollar vorenthalten, die ihm eigentlich zustünden.

Der potenzielle Schaden für den Steuerzahler nach der Pleite scheint sich indes in Grenzen zu halten. Die im vergangenen Jahr zugesagten Hilfen aus dem WSF in Höhe von rund 300 Millionen Euro seien bislang nicht ausgezahlt worden, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

rei/Reuters/DPA
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