MV Werften insolvent Werftpleite bedroht Bau des weltgrößten Kreuzfahrtschiffes

Der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern wollten die Werft mit Millionen Steuergeldern stützen, doch der malaysische Eigentümer zog nicht mit. Ob der Bau des größten Luxus-Kreuzfahrtschiffs der Welt jemals fertiggestellt werden kann, ist unklar.
Platz für 9500 Passagiere: In Wismar bauen die MV Werften derzeit das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die "Global Dream"

Platz für 9500 Passagiere: In Wismar bauen die MV Werften derzeit das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die "Global Dream"

Foto: Jens Büttner / dpa

Die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern haben am Montag Insolvenz angemeldet. Bei Gesprächen zwischen Bund, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Eigner Genting aus Hongkong sei keine Lösung für die weitere Finanzierung gefunden worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die 1900 Mitarbeiter seien bereits informiert worden. Als Ursache für die Pleite gelten Finanzschwierigkeiten des Mutterkonzerns vor allem infolge der Corona-Krise.

Den MV Werften war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen und rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus des Kreuzfahrtschiffes "Global Dream I" zu sichern. Es gilt mit einer Kapazität von 9500 Passagieren als das größte Kreuzfahrtschiff der Welt und war ausschließlich für den asiatischen Markt gedacht.

Genting Hongkong hatte die Werften in Rostock, Wismar und Stralsund 2016 als Reaktion auf den damals boomenden Kreuzfahrtmarkt erworben, um dort für konzerneigene Reedereien Schiffe bauen zu lassen. Doch mit dem Einbruch der Branche infolge der Corona-Krise geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, die bis heute anhalten.

Der Bund wollte die Werft daher mit rund 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) stützen. Das Schiff sollte dafür als Sicherheit verwendet werden. Im Gegenzug verlangte das Bundeswirtschaftsministerium aber auch einen Eigenbeitrag der Eigentümer. Dabei soll es sich Insidern zufolge um einen Beitrag von 60 Millionen Euro plus Garantien für die in Rede stehenden Bundesmittel handeln.

Ist der Eigentümer zahlungsunfähig?

Doch der Eigentümer wollte oder konnte nicht zahlen. Hinter Genting Hongkong steht die malaysische Genting Group, die 1965 von Lim Goh Tong gegründet wurde und heute von dessen Sohn Tan Sri Lim Kok Thay geführt wird. Der Konzern investiert unter anderem in Hotels, Casinos und Biotechnologie. Wie der "Business Insider " berichtet, hat die Genting Group erhebliche Finanzprobleme, inzwischen stehe sogar eine Insolvenz im Raum.

Um doch noch an Geld zu kommen, verklagte der Genting-Group-Chef vergangene Woche die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auf sofortige Auszahlung eines Hilfsdarlehens in Höhe von 78 Millionen Euro. Ein Urteil zu seinen Gunsten ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich. Das Landgericht Schwerin geht nach eigenen Angaben aber davon aus, dass das Geld nicht das aktuelle Liquiditätsproblem des Konzerns lösen kann.

Die Auszahlungsforderung von Genting beruht den Gerichtsangaben zufolge auf einem Kreditvertrag vom Juni 2021, wonach das Land Mecklenburg-Vorpommern unter bestimmten Voraussetzungen 88 Millionen US-Dollar Hilfskredit gewährt, sollte Genting eine gewisse Liquiditätsschwelle erreichen. Das Land sieht nach eigenen Angaben bisher nicht alle Bedingungen zur Auszahlung des Kredits erfüllt. Der Streit soll am morgigen Dienstag vor Gericht verhandelt werden.

Habeck gibt Eigentümer die Schuld

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne; 52) hat dem Eigentümer der MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern die Schuld für die Insolvenz gegeben. Habeck sagte am Montag in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: "Als Bundesregierung haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Insolvenz der MV Werften zu vermeiden und so die Arbeitsplätze zu retten. Allerdings haben die Eigentümer unser Hilfsangebot ausgeschlagen; die Anmeldung der Insolvenz ist die Folge."

Inzwischen ist der Handel mit Genting-Aktien an der Börse in Hongkong auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Das Unternehmen habe den Schritt veranlasst, weil eine Ankündigung über Informationen aus dem Unternehmen erwartet wird, wie es in einer Mitteilung des Konzerns hieß. Mehr Details wurden nicht genannt.

Der Präsident von Genting Hongkong, Colin Au, hatte zuletzt gesagt, man habe dem Bund vier Angebote zur weiteren Finanzierung vorgelegt. Diese seien aber alle abgelehnt worden.

mg/dpa-afx, Reuters
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