Nach Insolvenzanmeldung Eigner der MV Werften gerät ebenfalls ins Trudeln

Die Pleite der MV Werften zeigt, wie schlecht es wirklich um ihren Eigentümer steht. Der asiatische Genting-Konzern kann nun die ersten Kredite nicht mehr bedienen.
MV Werften haben Insolvenz angemeldet: Der Eigentümer Genting Hongkong wollte kein Geld mehr zahlen – und konnte es wohl auch nicht

MV Werften haben Insolvenz angemeldet: Der Eigentümer Genting Hongkong wollte kein Geld mehr zahlen – und konnte es wohl auch nicht

Foto: Jens Büttner / picture alliance/dpa

Die Insolvenz des Schiffbaukonzerns MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern bringt auch dessen asiatischen Eigentümer Genting Hongkong ins Trudeln. Das Kreuzfahrtunternehmen teilte am Dienstag mit, es könne infolge der Pleite in Deutschland Kredite über knapp 2,8 Milliarden Dollar nicht mehr bedienen. Der Handel mit Aktien des Unternehmens an der Börse in Hongkong ist bereits seit Freitag ausgesetzt.

Genting Hongkong macht seine Kreditgeber, vor allem aber den Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern, für den Engpass verantwortlich. Sie enthielten dem Unternehmen insgesamt 336 Millionen Dollar vor, die ihm eigentlich zustünden, so das Unternehmen. Zudem habe der Kreditversicherer Euler Hermes mit Blick auf die düsteren Aussichten für die Kreuzfahrtindustrie die Exportkreditversicherung gekündigt, die für den Bau des Kreuzfahrtschiffes "Global Dream I" auf der Werft in Wismar wesentlich gewesen sei.

Die MV Werften mit ihren 1900 Beschäftigten hatten am Montag Insolvenz angemeldet. Dem Unternehmen war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen und rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus des Kreuzfahrtschiffes "Global Dream I" zu sichern. Es gilt mit einer Kapazität von 9500 Passagieren als das größte Kreuzfahrtschiff der Welt und war ausschließlich für den asiatischen Markt gedacht.

Die Bundesregierung war nach eigener Darstellung bereit, 600 Millionen Euro bereitzustellen, damit das Schiff fertig gebaut werden könne. Im Gegenzug verlangte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes vom Eigentümer 60 Millionen Euro frisches Eigenkapital und 600 Millionen Euro Bürgschaften. Daran scheiterten die Verhandlungen letztlich.

"Sofortige und beträchtliche Liquiditätslücke"

Hinter Genting Hongkong, der vor allem in der Tourismusindustrie tätig ist, steht der malaysische Milliardär Tan Sri Lim Kok Thay, der Eigentümer des Mutterkonzerns Genting Group ist. Der Konzern investiert unter anderem in Hotels, Casinos und Biotechnologie. Wie der "Business Insider " berichtet, hat die Genting Group erhebliche Finanzprobleme. Genting Hongkong hatte angesichts des in der Coronakrise fast brachliegenden Geschäfts bereits im Sommer 2020 eine Sanierung durchlaufen.

Die Banken verweigerten angesichts des Rückziehers von Euler Hermes eine versprochene Meilensteinzahlung von 108 Millionen Euro für den Bau des größten Kreuzfahrtschiffes der Welt sowie die Freigabe von 81 Millionen Dollar, die Genting gehörten, erklärte die Firma in einer Pflichtmitteilung an der Hongkonger Börse. Das habe zu einer "sofortigen und beträchtlichen Liquiditätslücke" geführt. Das Unternehmen habe "weiterhin keinen Zugang zu wesentlichen neuen Liquiditätsquellen", räumte Genting ein. Der Verwaltungsrat spreche derzeit mit den Banken, dem Miteigentümer der Tochter Dream Cruises und Beratern über einen Ausweg aus der Krise.

Entscheidung über Kreditauszahlung erst kommende Woche

Im Streit über den Kredit von Mecklenburg-Vorpommern an Genting will das zuständige Gericht nun erst am kommenden Montag seine Entscheidung verkünden. Bei einem mehrstündigen Termin am Dienstag stritten sich der Hongkonger Konzern und das Land über eine sofortige Auszahlung des Darlehens von 88 Millionen Dollar (78 Millionen Euro). Schwerin hatte den Kredit im Juni 2021 gewährt, um eine mögliche spätere Liquiditätslücke bei Genting zu schließen.

Als der Konzern im Dezember die Auszahlung beantragte, weigerte sich das Land unter Hinweis darauf, dass Genting zuvor mit dem Bund über eine 600-Millionen-Euro-Finanzierung für die zu Genting gehörenden MV Werften einig werden müsse. Die Anwälte von Genting machten nun geltend, dass der Kredit mit den MV Werften nichts zu tun habe, sondern dem Genting-Konzern gewährt worden sei. Wenige Stunden nach dem Insolvenzantrag für die MV Werften kündigte das Land das Darlehen. Das Land sieht keinen Grund mehr, sich mit deutschem Steuergeld für den asiatischen Mutterkonzern zu engagieren.

Dies hält Genting für ungültig, wie die Anwälte am Landgericht darlegten. Die Auszahlungsforderung von Genting beruht den Angaben zufolge auf einem Kreditvertrag vom Juni 2021, wonach das Land Mecklenburg-Vorpommern unter bestimmten Voraussetzungen den Hilfskredit gewährt, sollte Genting eine gewisse Liquiditätsschwelle erreichen.

Auch Lloyd-Werft in Bremerhaven insolvent

Neben den MV Werften meldete am Montag auch die Bremerhavener Lloyd-Werft Insolvenz an. Die Lloyd-Werft mit ihren 300 Mitarbeitern gehört ebenfalls zum Genting-Konzern.

mg, la/dpa-afx, Reuters
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