Rückschlag MV-Werften-Eigner Genting beantragt Gläubigerschutz

Der MV-Werften-Eigner Genting hat Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Für den Werftenverbund ist das ein Rückschlag. Für das fast fertiggestellte weltgrößte Kreuzfahrtschiff "Global One" sieht der Insolvenzverwalter dennoch Chancen.
MV Werfen-Standort Warnemünde: Der Werftenverbund hatte Anfang Januar Insolvenz angemeldet, nun hat der Mutterkonzern Gläbigerschutz beantragt

MV Werfen-Standort Warnemünde: Der Werftenverbund hatte Anfang Januar Insolvenz angemeldet, nun hat der Mutterkonzern Gläbigerschutz beantragt

Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance/dpa

Nach den MV Werften hat nun auch der Hongkonger Mutterkonzern Genting den Gang zum Gericht angetreten, weil er seine Rechnungen absehbar nicht mehr bezahlen kann. Das Unternehmen beantragte beim zuständigen Gerichtshof auf den Bermudas Gläubigerschutz, wie aus einer Mitteilung der Firma vom Mittwoch hervorgeht. Für die MV Werften wurde bereits am 10. Januar am Amtsgericht Schwerin Insolvenz beantragt, nachdem das Land Mecklenburg-Vorpommern einen Kredit an Genting über 78 Millionen Euro nicht ausgezahlt hatte. Der asiatische Konzern, der unter anderem Kreuzfahrten und Glücksspiele anbietet, ist infolge der Pandemie in Schwierigkeiten geraten.

Man habe sich zu den Schritt entschieden, nachdem alle Anstrengungen unternommen worden seien, um mit Gläubigern und Anteilseignern zu verhandeln, teilte Genting weiter mit. Laut Schätzungen des Unternehmens wird Genting Ende Januar das Geld ausgehen, sowohl wegen laufender Kosten als auch Forderungen von Geldgebern. Der Konzern hatte bereits gewarnt, dass wegen der Insolvenz der MV Werften Kredite bis zu knapp 2,8 Milliarden US-Dollar (2,4 Milliarden Euro) zurückgefordert werden könnten.

Angeblich ernsthafte Interessenten für "Global One"

Der Gang des chinesischen Eigners ins Gläubigerschutzverfahren sei ein Rückschlag auch für die MV Werften, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen. Damit fielen die zur chinesischen Gruppe gehörenden Dream Cruises wahrscheinlich als Abnehmer für das im Bau befindliche Kreuzfahrtschiff "Global One" aus. Er werde die Suche nach anderen Kunden intensivieren, so Morgen. Es hätten sich bereits mehrere ernsthafte Interessenten bei ihm gemeldet. Namen nannte er nicht.

Parallel werde er weiter intensiv mit der Genting-Tochter sprechen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Sanierungsverfahren Erfolg habe und Dream Cruises als Kunde erhalten bleibe. Sofern es gelinge, eine Lösung mit Genting oder einem anderen Abnehmer zu finden, sei er zuversichtlich, eine Finanzierung für den Fertigbau der "Global One" zu bekommen. Das für 9500 Passagiere konzipierte Kreuzfahrtschiff ist zu drei Viertel fertig, ein Abschluss der Arbeiten auf der Werft in Wismar könnte die Lage deutlich verbessern.

Der asiatische Tourismuskonzern Genting, der unter anderem Kreuzfahrten und Glücksspiel anbietet, ist infolge der anhaltenden Corona-Pandemie in Schwierigkeiten geraten. Das Land Mecklenburg-Vorpommern weigert sich seit einem Monat, einen im Sommer vereinbarten Hilfskredit in Höhe von 78 Millionen Euro an Genting auszuzahlen. Zu Wochenbeginn wies das Landgericht Schwerin einen Eilantrag von Genting gegen das Land ab. Der Konzern habe eine existenzielle Notlage nicht nachvollziehbar darlegen können, so die Begründung. Für die MV Werften mit ihren rund 2000 Beschäftigten war am Montag vergangener Woche Insolvenz beantragt worden.

MV-Werften-Geschäftsführer Carsten Haake betonte, die gesamte Belegschaft stehe hinter dem Ziel, die "Global One" fertigzubauen. "Auch schiffbaulich ist dieses Ziel logisch, denn wir haben das Know-how vor Ort und das Projekt bislang sehr gut geschultert."

sio/reuters/dpa