Gewinn überrascht MTU erfreut Aktionäre

Der Triebwerksbauer MTU hat von seinem Sparkurs profitiert und den Gewinn gesteigert. Obwohl sich die Nachfrage im zweiten Corona-Jahr nicht so stark von der Krise erholt hat wie gedacht.
Doch noch nicht erholt: Im zweiten Corona-Jahr ist die Nachfrage nach dem Triebwerksbauer MTU immer noch nicht so groß

Doch noch nicht erholt: Im zweiten Corona-Jahr ist die Nachfrage nach dem Triebwerksbauer MTU immer noch nicht so groß

Foto: Felix Kästle / DPA

Beim Triebwerksbauer MTU hat sich die Nachfrage im zweiten Corona-Jahr nicht so stark von der Krise erholt wie gedacht. Allerdings stieg der Gewinn im Tagesgeschäft stärker als erwartet. Für 2022 rechnet Vorstandschef Reiner Winkler mit einem Rekordumsatz – vor allem dank der Triebwerkswartung. "Wir sehen, dass der Markt entsprechend anzieht", sagte er am Mittwoch zur Bilanzvorlage. "Die Airlines bereiten sich auf eine sehr starke Sommersaison vor." Hinzu kommt der geplante Produktionsausbau bei Airbus. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aktie legte am Morgen um fast 4 Prozent zu.

2021 steigerte MTU den Umsatz um 5 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro und verfehlte damit die vom Management angepeilte Spanne von 4,3 Milliarden bis 4,4 Milliarden. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) stieg jedoch um 13 Prozent auf 468 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen von Experten.

Auslieferungsstopp für den Boeing-Großraumjet

Finanzchef Peter Kameritsch erklärte den schwächeren Umsatz auch mit dem Auslieferungsstopp für den Boeing-Großraumjet 787. An dem von General Electric kommenden Antrieb des Flugzeugs baut auch MTU mit. Zudem hätten sich Umsätze im Militärgeschäft ins neue Jahr verschoben, und Fluggesellschaften hätten noch nicht so viele Triebwerke in die Wartung geschickt wie gedacht.

Unter dem Strich verdiente MTU 231 Millionen Euro, eine Steigerung um 57 Prozent. Der Anstieg wäre noch stärker ausgefallen, hätte der brasilianische Flugzeugbauer Embraer nicht den Bau seines kleinsten neuen Regionaljets aus der E2-Reihe verschoben. Inzwischen sei unklar, ob die Embraer E175-E2 überhaupt komme, sagte Kameritsch. MTU schrieb deshalb 80 Millionen Euro in der Bilanz ab.

Für 2022 rechnet die MTU-Führung weiter mit einer starken Erholung der Luftfahrt von der Corona-Krise – und damit auch mit einer wachsenden Nachfrage nach Flugzeugen, Triebwerken und Wartungsdienstleistungen.

So soll der MTU-Umsatz mit 5,2 Milliarden bis 5,4 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreichen. An Aufträgen mangelt es MTU nicht. Ende 2021 lag der Bestand mit 22,2 Milliarden Euro so hoch wie nie. Ein Großteil entfällt auf die Triebwerke der herkömmlichen A320-Mittelstreckenjets von Airbus und deren Neuauflage A320neo, bei denen MTU dick im Geschäft ist.

Airbus fährt Produktion wieder hoch

Airbus drosselte seine Verkehrsflugzeugproduktion wegen der Corona-Krise seit 2020, fährt sie aber inzwischen wieder etwas hoch. Bei der A320neo-Familie peilt die Airbus-Führung für Sommer 2023 eine Rekordproduktion an.

MTU stellt nach einem Stellenabbau Mitarbeiter ein. In der Krise habe das Unternehmen rechnerisch etwa 1100 Vollzeitstellen abgebaut, sagte Vorstandschef Winkler. Das sei teilweise über eine geringere Arbeitszeit geschehen. Etwa die Hälfte davon soll in diesem Jahr wieder zurückkommen. Ende 2021 beschäftigte der Konzern gut 10.500 Menschen, zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Kurzarbeit ist für MTU kein Thema mehr.

sio/dpa