Möbelindustrie geht es gut, oder nicht? Das "Ende der Schrankwand"

Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Die deutsche Möbelindustrie hat im ersten Halbjahr ihren Umsatz kräftig gesteigert und eigene Erwartungen übertroffen. Die Branche hat aber auch zu kämpfen. Das "Ende der Schrankwand" ist dabei noch das kleinste Problem.
Schrankwände sind out: Das bekommen die deutschen Möbelhersteller zu spüren

Schrankwände sind out: Das bekommen die deutschen Möbelhersteller zu spüren

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Die gute Nachricht zuerst: Die deutsche Möbelindustrie hat ihren Umsatz in der ersten Jahreshälfte um 4,9 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro gesteigert, wie der Verband der Deutschen Möbelindustrie am Montag mitteilte. Damit seien die Erwartungen der Branche "deutlich übertroffen" und das Niveau aus Zeiten vor der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 wieder überschritten worden, erklärte Verbandspräsident Axel Schramm.

Etwa ein Drittel der in Deutschland produzierten Möbel werden im Ausland verkauft. Die Qualität der Produkte "Made in Germany" mache sie "international einzigartig". In Zeiten von "Schnelllebigkeit und Wegwerfmentaltität" gäben deutsche Möbel Verbrauchern ein "echtes Qualitätsversprechen, das über Jahre hält". Klappern gehört zum Handwerk ...

Doch die Branche klagt auch über Probleme. Überkapazitäten, langsameres Wachstum und harte Konkurrenz gehörten dazu. "Die Produktion von Möbeln wird immer schwieriger und stellt uns vor große Herausforderungen", sagt Schramm andererseits. Für das Gesamtjahr rechne die Branche "nur" noch mit einem Umsatzplus um 3,5 Prozent, nach 6,2 Prozent im Vorjahr.

Mit einer Kapazitätsauslastung von 87,4 Prozent litten die Hersteller auch unter Überkapazitäten. So habe beispielsweise das "Ende der Schrankwand" dazu beigetragen, dass weniger Holz verarbeitet werde. Zudem verhindere die niedrige Rendite Investitionen. Gegenüber ausländischen Konkurrenten seien die Lohnkosten in Deutschland zu hoch. Die zunehmende Globalisierung des Möbelmarkts erschwere es deutschen Produzenten zugleich, gewünschte Preise durchzusetzen. Ein vielstimmiges Klagelied stimmt der Verband also zugleich an.

Um so mehr erstaunt, dass angesichts der scheinbar schwierigen Lage viele Unternehmen sich neue gründen und die Gesamtzahl der Betriebe mit 500 Unternehmen unverändert geblieben ist. Die Zahl der Beschäftigten ist im ersten Halbjahr sogar leicht um 0,6 Prozent auf 84.014.

rei mit Nachrichtenagenturen