Mittwoch, 8. April 2020

Milliardenschwere Aufträge storniert Coronavirus lässt Textilfabriken in Bangladesch taumeln

Fabrikarbeiterin in Bangladesch: Milliardenschwere Aufträge wurden von Textilunternehmen storniert
REUTERS/Mohammad Ponir Hossain
Fabrikarbeiterin in Bangladesch: Milliardenschwere Aufträge wurden von Textilunternehmen storniert

Weltweit haben führende Textilfirmen bei mehr als 1000 Fabriken in Bangladesch Aufträge im Wert von rund 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) ausgesetzt oder storniert. Als Grund hätten die Firmen angegeben, dass ihre Läden wegen der Pandemie des neuartigen Coronavirus geschlossen seien, sagte die Chefin der Vereinigung der Textilproduzenten von Bangladesch, Rubana Huq, der Deutschen Presse-Agentur. Bangladesch ist nach China der größte Textilproduzent der Welt mit knapp 4000 Fabriken und vier Millionen Arbeiterinnen - vorwiegend Frauen.

"Unsere Lieferketten sind zusammengebrochen. Viele unserer Unternehmen sind in einem Ausnahmezustand", sagte auch Ingeborg Neumann, hiesige Vizepräsidentin des Industrieverbands BDI und Gesamtpräsidentin der deutschen Textil- und Modeindustrie, der Heidelberger "Rhein-Neckar-Zeitung" (Online). Viele hätten schon Kurzarbeitergeld beantragt, jetzt seien Direkthilfen nötig. So habe der Modehandel allein im März rund 40 Prozent des Umsatzes eingebüßt, berichtet das Fachblatt "Textilwirtschaft".

Die Staatshilfe dürfte die Firmen in Saaten wie Bangladesch jedoch kaum erreichen. So warnte die Vereinigung der Textilproduzenten bereits Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in einem Brief, dass Fabriken wegen der Stornierungen viele Arbeiterinnen nicht mehr bezahlen könnten, was zu größeren sozialen Unruhen führen könnte. "Ich bin mir sicher, dass keine deutsche Marke möchte, dass das ihretwegen passiert", heißt es in dem Brief, der dpa vorliegt.


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Huq bat Müller, deutsche Firmen dazu aufzurufen, ihre Bestellungen aus Bangladesch nicht zu stornieren. "Während Geschäftsleute in Deutschland angesichts ihrer Verluste Unterstützung von der Regierung erhalten, haben wir hier existenzielle Probleme und müssen unsere Arbeiter bezahlen." Huq sagte, dass ihre Vereinigung auch Ministern anderer Länder ähnliche Briefe schreiben werde.

dpa/akn

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