Donnerstag, 17. Oktober 2019

Weg vom Öl Chemieindustrie im Lithium-Rausch

Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien: Große Hoffnung auf Lithium als Öl der Zukunft

Ist Lithium das Öl der Zukunft? Eine milliardenschwere Übernahme in den USA zeigt, dass die Chemieindustrie auf starkes Wachstum der Elektromobilität mit Lithium-Ionen-Batterien setzt. Damit ist auch Produktion in Deutschland verbunden, wo die Erfolge bisher eher bescheiden waren.

Hamburg - Es ist die teuerste Übernahme in der Chemieindustrie seit Jahren. 6,2 Milliarden Dollar zahlt die Firma Albemarle aus dem US-Staat Louisiana, um Rockwood aus Princeton zu kaufen. Albemarle, deren Geschichte auf die Ethyl Gasoline Corporation und Tetraethylblei als Mittel zur Klopffestigkeit in Benzin zurückgeht, setzt seine Zukunft auf die Elektromobilität.

Denn Rockwood ist der weltgrößte Lieferant von Lithium. Der Rohstoff wird vor allem in Lithium-Ionen-Batterien verwendet, die bislang hauptsächlich in tragbaren Geräten wie Laptops oder Mobiltelefonen zum Einsatz kommen. Doch Branchenexperten rechnen wie in dieser Studie (PDF) mit einem Siegeszug der Elektroautos, die bis zum Jahr 2025 zur wichtigsten Verwendung von Lithium aufsteigen sollen - was für die nahe Zukunft 11-prozentiges Wachstum des Konsums pro Jahr bringt.

Für diese These spricht neben den Plänen des Elektroautopioniers Tesla Börsen-Chart zeigen für eine gigantische Batteriefabrik in den USA auch der neueste Milliardendeal zwischen BMW Börsen-Chart zeigen und Samsung Börsen-Chart zeigen für weitere Lieferungen von Lithium-Ionen-Batterien für Autos.

"Die Autoindustrie wird sicher ein großer Wachstumsmarkt", erklärte Albemarle-Chef Luke Kissam den Deal gegenüber "Bloomberg". Seine Firma arbeitet seit 2011 daran, aus den eigenen Brominsalzseen in Arkansas auch Lithium zu schöpfen. "Den Weltmarktführer im Team zu haben, wird diesen Prozess beschleunigen."

"Bloomberg" spekuliert über Gegenangebote für Rockwood, etwa von den Chemieriesen BASF Börsen-Chart zeigen, Dupont oder dem chilenischen Lithium-Lieferanten SQM. Dabei stellt der 6,2-Milliarden-Dollar-Deal die Übernahme des damaligen größten Anbieters von Lithium, der australischen Talison Lithium durch Chengdu Tianqi im vergangenen Jahr in den Schatten. 673 Millionen Dollar zahlten die Chinesen und gaben anschließend 49 Prozent am Lithium-Tagebau von Talison an Rockwood ab.

Zu Rockwood gehört auch ein Lithium-Werk im niedersächsischen Langelsheim, mit der Frankfurter Spezialchemiefirma Chemetall aus dem zerschlagenen einstigen Dax-Konzern Metallgesellschaft übernommen. Die übrigen Versuche deutscher Firmen, auf die Wachstumsgeschichte Lithium sind eher bescheiden. Daimler Börsen-Chart zeigen zieht sich aus der mit Evonik gegründeten Batteriefabrik im sächsischen Kamenz zurück. Immerhin sucht Solarworld im Erzgebirge noch nach Lithium.

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