Der chinesische Kuka-Investor Midea Dieser Chinese spielt die Hauptrolle bei Kuka

Blumige Ansprache des Großen Vorsitzenden Paul Fang: "Wir müssen blühen oder verwelken"

Blumige Ansprache des Großen Vorsitzenden Paul Fang: "Wir müssen blühen oder verwelken"

Foto: Midea

2016 gehört denen, die stromaufwärts schwimmen. Paul Fang meinte wohl auch sich selbst mit dem Titel seiner Neujahrsrede, die mit blumiger Mao-Prosa gespickt war: "Wie ein Hai müssen wir uns vorwärts bewegen oder sterben. Wie eine Blume müssen wir blühen oder verwelken. Wie ein Athlet müssen wir den Unterschied zwischen Selbstvertrauen und Arroganz verstehen." Aber auch: "Wir müssen die Regeln kennen lernen, damit wir sie brechen können."

Jetzt schwimmt der Chef des Hausgeräteherstellers Midea ziemlich weit stromaufwärts, er bietet bis zu vier Milliarden Euro für den deutschen Roboterhersteller Kuka  - offiziell, ohne die Kontrolle anzustreben, und verbunden mit dem Versprechen, die am Augsburger Kuka-Sitz geltenden Regeln eben nicht zu brechen.

Die ersten Signale aus dem MDax-Konzern deuten darauf hin, dass es etwas werden könnte mit der freundlichen Übernahme. "Wir prüfen es ergebnisoffen, grundsätzlich passt der Vorschlag aber zu unserer Strategie", sagte eine Firmensprecherin der Nachrichtenagentur dpa-afx.

Midea umwirbt die Kuka-Aktionäre - neben dem hohen Preis - mit der Logik von "zwei hochgradig komplementären Unternehmen": Kuka als einer der führenden Roboterspezialisten wolle im noch gering automatisierten China expandieren. Midea wiederum, nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Haushaltsgeräte (mit knappem Vorsprung vor Panasonic und Whirlpool), wolle in der Robotik expandieren. Der eine hat, was der andere braucht - und umgekehrt.

Mideas Brot-und-Butter-Geschäft sind Klimaanlagen, die das Unternehmen aus einer Vorstadt der südchinesischen Industriemetropole Guangzhou seit 1985 im Programm hat. Hinzu kamen im Lauf der Geschichte Kühlschränke, Waschmaschinen und allerlei andere weiße Ware. Wie kommt so eine Firma auf den Sprung zur Robotertechnik?

Gemeinsame Sache mit Kukas Rivalen

So unbekannt das Unternehmen im Westen ist, es zählt mit gut 100.000 Beschäftigten zu den größten privaten Arbeitgebern in China - und leidet wie der Großteil des Industriesektors im Perflussdelta unter dem eigenen Erfolg: Nach jahrelangem Boom ist es mit der beliebigen Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte im Industriegebiet der Welt vorbei.

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Foto: KUKA Roboter

2011 begann Midea den Plan, in der eigenen Produktion tausende Jobs durch Roboter zu ersetzen - zeitgleich mit noch ambitionierten Plänen des Mikroelektronik-Riesen Foxconn. Doch die für 2014 angekündigten Millionen Roboter lassen noch auf sich warten, iPhones wie Klimanlagen werden weiter überwiegend - teuer - von Hand montiert.

Die Kuka-Übernahme ist nicht Mideas erster Versuch, Abhilfe zu schaffen. Gerade erst im März hat das Unternehmen in seinem hauseigenen Innovationszentrum zwei Roboterfirmen gegründet, eine für Industrie-, eine für Service-Roboter - und beide als Gemeinschaftsunternehmen mit Yaskawa aus Japan, einem der Hauptwettbewerber von Kuka.

Überhaupt waren Joint-Ventures mit bekannten Konzernen bisher Mideas bevorzugter Weg, in neue Sphären vorzudringen - im Gegensatz zu den selbsterklärten Übernahmekünstlern von Chemchina, die derzeit ebenfalls Deutschlands Industrie aufmischen.

Das Erbe der Kulturrevolution für den reichsten Industriellen Chinas

  • Ende März stieg Midea als Mehrheitseigner der Weiße-Ware-Sparte für 430 Millionen Euro beim japanischen Elektronikkonzern Toshiba  ein - "der bedeutendste Zukauf der Konzerngeschichte", wie es vor dem Kuka-Deal hieß
  • seit dem vergangenen Jahr laufen verschiedene Joint-Ventures mit Bosch in europäischen Ländern
  • 2014 beteiligte sich der heimische Smartphone-Bauer Xiaomi mit einem kleinen Anteil an Midea. Gemeinsam wollen sie Technik für das vernetzte Heim entwickeln, also etwa per Mobiltelefon steuerbare Klimaanlagen
  • die internationale Expansion in Schwellenländer begann ab 2010 in Partnerschaft mit Carrier, dem US-Pionier für Klimaanlagen

Begonnen hat das Unternehmen 1968, inmitten der chinesischen Kulturrevolution, mit Flaschenverschlüssen aus Kunststoff. Gründer He Xiangjian war einer von 24 Bewohnern des Dorfes Beijiaozhen, die so zur kollektiven Produktion beitragen wollten.

Heute ist er als Großaktionär der reichste Industrielle Chinas mit einem von "Forbes" auf zehn Milliarden Dollar geschätzten Vermögen, und spielt laut "Bloomberg" täglich auf dem nahen Golfplatz. Sein Sohn Jianfeng sitzt im Vorstand, den Chefposten aber bekam 2012 Paul Fang, der angeblich als Redakteur des Firmenmagazins begonnen hatte.

Jetzt schwimmt er weiter stromaufwärts. Und wenn er die übrigen Kuka-Großaktionäre noch überzeugt, die zumindest den in kurzer Zeit gestiegenen Wert ihres Investments mit Wohlwollen sehen, kann er die Zukunft eines der führenden deutschen High-Tech-Unternehmen maßgeblich gestalten.

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