Kenneth Frazier geht nach zehn Jahren US-Pharmariese Merck tauscht den Chef aus

Merck & Co. bekommt einen neuen Chef. Finanzvorstand Robert Davis übernimmt vom langjährigen CEO Kenneth Frazier. Dessen Erfolgssträhne riss zuletzt mit einem Scheitern bei einem Corona-Impfstoff und einem hohen Quartalsverlust ab.
Dankt nach zehn Jahren an der Spitze ab: Kenneth Frazier, Chef des US-Pharmakonzerns Merck & Co.

Dankt nach zehn Jahren an der Spitze ab: Kenneth Frazier, Chef des US-Pharmakonzerns Merck & Co.

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. bekommt einen neuen Chef. Gleichzeitig muss das Unternehmen im Schlussquartal 2020 einen hohen Verlust hinnehmen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Kenneth Frazier (66) werde sein Amt zum 30. Juni niederlegen, hieß es. Frazier ist der mit Abstand prominenteste von nur vier schwarzen Konzernchefs unter den 500 größten US-Firmen. Sein Nachfolger soll der amtierende Finanzchef Robert Davis (54) werden.

Frazier übernahm Anfang 2011 den Chefposten. In dieser Zeit hat das Unternehmen sein Geschäft mit Krebsmedikamenten aufgebaut, angeführt vom Blockbuster Keytruda. Von den Milliardeneinnahmen für das Mittel, das Merck & Co. durch die Übernahme des Wettbewerbers Schering-Plough 2009 ins Portfolio geholt hatte, hängt der Konzern zunehmend ab.

Im Schlussquartal 2020 ist der Konzern wegen hoher Aufwendungen für einen Medikamentenrückruf und die Übernahme des Krebsforschers Velosbio tief in die roten Zahlen gerutscht. Dazu wirkte sich die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen negativ aufs Geschäft aus.

Sowohl im vierten Quartal als auch im gesamten Jahr gingen weniger Menschen zum Arzt. Vor allem der Impfstoffverkauf sei betroffen, so der Konzern. Zudem musste der Konzern vor Kurzem eingestehen, bei der Entwicklung eines möglichen Covid-19-Impfstoffs gescheitert zu sein. Das Unternehmen werde sein Entwicklungsprogramm mit zwei Impfstoffkandidaten beenden, hieß es Ende Januar.

Gute Prognose für 2021

Die Aktie des Pharmakonzerns gab am Nachmittag um fast 2 Prozent nach und stand damit bei 76 Dollar. Damit war Merck Schlusslicht im Dow Jones.

Im Gesamtjahr 2020 schrumpfte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf rund 7,07 Milliarden US-Dollar (ca. 5,88 Milliarden Euro). Die Erlöse kletterten hingegen binnen zwölf Monaten um 2 Prozent auf knapp 48 Milliarden Dollar. Der Umsatz sei allerdings durch Wechselkurseffekte belastet worden, hieß es. "Trotz außergewöhnlicher Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie erzielte Merck im Jahr 2020 ein solides Wachstum", sagte der scheidende Chef am Donnerstag laut Mitteilung. "Unsere Wissenschaftler entwickeln unsere interne Pipeline vielversprechender Medikamente und Impfstoffe weiter." Darunter seien auch Mittel gegen Krebs, HIV und Covid-19.

Für 2021 stellt das Unternehmen einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von 6,48 bis 6,68 Dollar in Aussicht, nach 5,94 Dollar ein Jahr zuvor. Die Kennzahl hatte damit im unteren Bereich der zuletzt angehobenen Zielspanne gelegen.

wed/dpa-afx
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