Samstag, 7. Dezember 2019

Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline Merck geht milliardenschwere Krebs-Partnerschaft mit Glaxo ein

Merck: Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKline in der Krebsmedizin

Der Darmstädter Merck-Konzern hat das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline als Partner für eine großangelegte Zusammenarbeit in der Krebsmedizin gewonnen. Kern der Kooperation ist die von Merckentwickelte Krebsimmuntherapie M7824, wie die Firma am Dienstag mitteilte. Merck winken durch die Allianz mögliche Zahlungen von insgesamt bis zu 3,7 Milliarden Euro von Glaxo.

Zunächst erhält das Unternehmen eine Vorauszahlung von 300 Millionen Euro und hat Aussicht auf potenzielle Zahlungen von bis zu 500 Millionen bei Erreichen bestimmter Meilensteine in der klinischen Entwicklung. Die Hessen haben zudem Anspruch auf weitere Zahlungen von bis zu 2,9 Milliarden Euro, die vom Erreichen bestimmter Ziele hinsichtlich der Zulassung und Vermarktung des Mittels abhängen.

An der Börse kam der Deal gut an: Aktien von Merck Börsen-Chart zeigen stiegen zeitweise um 2,8 Prozent auf ein Sieben-Wochen-Hoch von 96,40 Euro und gehörten zu den größten Gewinnern im Dax. Die Krebsimmuntherapie M7824 gehört zu den am stärksten beobachteten Projekten in der Pharma-Pipeline von Merck und befindet sich in der klinischen Entwicklung zum Einsatz bei mehreren schwierig zu behandelnden Krebsarten.

Mit M7824 will Merck einer der weltweit erfolgreichsten Krebsimmuntherapien Konkurrenz machen: Die Substanz wird im Vergleich zum Mittel Keytruda des US-Rivalen Merck & Co zur Erstbehandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs getestet. Keytruda wird derzeit als die vielversprechendste Krebsimmuntherapie auf dem Markt gesehen und kam 2018 auf einen Umsatz von 7,2 Milliarden Dollar.

Kostspielige Entwicklung und Vermarktung

Merck und Glaxo werden die kostspielige Entwicklung und Vermarktung von M7824 nun gemeinsam schultern, alle Gewinne und Kosten aus der Zusammenarbeit sollen weltweit zu gleichen Teilen aufgeteilt werden. Für einen anderen wichtigen Hoffnungsträger seines Pharmageschäfts, die schon zugelassene Krebsimmuntherapie Bavencio, hatte Merck bereits 2014 mit dem US-Pharmariesen Pfizer einen Partner gefunden.

Das Krebsmittel Tepotinib will Merck dagegen in Eigenregie weiterentwickeln, wie die Chefin des Healthcare-Geschäfts, Belen Garijo, zu Reuters sagte. Mit diesem Projekt mache das Unternehmen gute Fortschritte. Einen Partner sucht Merckdagegen noch für das Mittel Evobrutinib, das sich zum Einsatz etwa bei Multiple Sklerose und Rheumatoider Arthritis in der klinischen Entwicklung befindet.

Merck sieht für M7824 großes Potenzial, da das Unternehmen mit der Substanz einen in der Pharmabranche bislang einzigartigen Ansatz verfolgt. Das Mittel kombiniert zwei unterschiedliche biologische Funktionen - die Bavencio-Molekülstruktur mit einem zusätzlichen Wirksamkeits-Verstärker - in einem einzigen Molekül. Im vergangenen Jahr konnte Merckvielversprechende Daten aus verschiedenen Studien mit dem Mittel vorlegen. Die Immuntherapie ist das am schnellsten wachsende Feld im Markt für Krebsmedikamente. Die Pharmaindustrie liefert sich ein regelrechtes Wettrennen um die Vorherrschaft in diesem Gebiet.

GlaxoSmithKline hatte erst im Dezember angekündigt, sich mit der 5,1 Milliarden Dollar schweren Übernahme des US-Krebsmedikamente-Spezialisten Tesaro in der Onkologie zu verstärken. Die Briten wollen zudem ihr Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten in ein milliardenschweres Bündnis mit Pfizer einbringen und sich künftig auf die Geschäfte mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und Impfstoffe konzentrieren.

la/reuters

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