Mega-Fusionsplan von Oligarch Wladimir Potanin stockt

Wladimir Potanin hatte im Juli einen 60 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss von Nornickel und Rusal ins Spiel gebracht. Doch in Branchenkreisen gilt der russische Oligarch selbst als Hindernis für einen Zusammenschluss.
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Ein Vierteljahrhundert nach der umstrittenen Privatisierung des russischen Bergbau- und Metallriesen Norilsk Nickel (Nornickel) zeigt sich der Hauptaktionär Wladimir Potanin (61) reumütig. Der Oligarch, der sich angesichts westlicher Sanktionen bisher um eine Mega-Fusion seines Konzerns mit dem russischen Aluminiumproduzenten Rusal vergab, bemühte sich, den Anteil der Belegschaft und weitere Kleinaktionäre zu erhöhen. "Als Norilsk Nickel privatisiert wurde, gehörte rund 25 Prozent der Aktien den Mitarbeitern", sagte Potanin dem russischen Sender RBC TV. "Ich möchte diese historische Gerechtigkeit wieder herstellen und sicherstellen, dass 25 Prozent der Nornickel-Aktien den Menschen zurückgegeben werden, einschließlich der Mitarbeiter."

Während in der russischen Wirtschaftskrise in den 1990er Jahren des Staates in finanziellen Schwierigkeiten geriet und große Teile der Bevölkerung verarmten, legten Männer wie Potanin mit der Übernahme staatlicher Großkonzerne die Grundlage für ihr Vermögen. Dabei kauften später mehrere Oligarchen auch günstige Belegschaftsaktien auf. Potanin, der zu den reichsten Russen zählt, hält über seine Holding Interros rund 36 Prozent der Nornickel-Anteile. Er ist außerdem Vorstandschef des weltgrößten Produzenten von Palladium und raffiniertem Nickel, der 72.000 Menschen beschäftigt. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine hatte Großbritannien Potanin als Vertrauten von Präsident Wladimir Putin (69) auf seine Sanktionsliste gesetzt.

Auch wenn gegen Nornickel selbst bisher keine westlichen Sanktionen verhängt wurden, wird das Geschäft im Westen Potanin zunehmend schwerer. "Einige unserer Partner versuchen, die Konditionen bestehender Verträge zu ihren Gunsten zu verändern", sagte er dem TV-Sender. "Sie versuchen, das Einkaufsvolumen für die Zukunft zu verringern. Potanin erklärte, er wolle die Abhängigkeit seines Konzerns von den westlichen Märkten verringern und sich stärker Asien zuwenden. Von Januar bis Juli hat Nornickel 50 Prozent seines Geschäfts mit Partnern in Europa und 20 Prozent in den USA gemacht.

Für Fusion müsste Potanin Aktien abgeben

Potanin hatte im Juli einen 60 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss von Nornickel und Rusal ins Spiel gebracht, um die Konzerne für mögliche Sanktionen zu wappnen. Rusal, weltweit der größte bereits Aluminiumproduzent außerhalb Chinas, hält 26 Prozent an Nornickel. In der Vergangenheit waren Potanin und Rusal unter anderem über die Höhe der Gewinnausschüttungen von Nornickel aneinandergeraten. Dieser Streit wurde mit einem Abkommen beigelegt, das Ende dieses Jahres ausläuft. Zu seinem Fusionsvorschlag sagte Potanin nun: "Ich denke, die Idee ist noch immer interessant, noch immer lebendig, aber wir müssen es auf später verschieben, wenn unsere Kollegen zu Gesprächen darüber bereit sind."

In Branchenkreisen gilt Potanin selbst als Hinderniss für einen Zusammenschluss. "Selbst wenn die Unternehmen nicht von Sanktionen betroffen sind, wird es eine internationale Finanzblockade gegen beide geben – wegen der Sanktionen gegen Potanin", hatte ein Insider im Juli gesagt. "Solange er nicht in den sauren Apfel beißt, als Vorstandschef zurücktritt und sein Aktienpaket auf einen Minderheitsanteil reduziert, ist kein Deal möglich."

sio/Reuters
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