Montag, 27. Mai 2019

Maschinenbau "Die Deutschen sehen ihre Dominanz gefährdet"

Maschinenbau: Erfolgsbranche am Wendepunkt
DPA

Lauter kleine Weltmarktführer - der Maschinenbau ist die Paradebranche des industriellen Erfolgs Deutschlands. McKinsey-Berater Christian Malorny traut der Industrie auch noch mehr zu. Dennoch sieht er Gefahren in der kommenden neuen industriellen Revolution.

mm: Herr Malorny, es gibt Big Data, Smart Data und Industrie 4.0. Alle hoffen auf Billionen Euro volkswirtschaftlichen Gewinn durch digitale Produktionstechnik, fürchten aber gleichzeitig den Verlust von Millionen Jobs durch den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz. Und dann wird auch noch heftig gestritten, ob eine amerikanische oder deutsche Plattform die richtige Lösung ist. Wie ist der deutsche Maschinenbau auf diese diffizile Gemengelage vorbereitet?

Malorny: Vorab einmal: Insgesamt betrachtet steht der deutsche Maschinenbau aktuell glänzend da. Weit mehr als die Hälfte der Unternehmen ist in ihrem Bereich - und sei er noch so klein - Weltmarktführer. Der Export boomt; die Wachstumsraten lagen in den vergangenen Jahren im Schnitt über 5 Prozent. Wir erwarten für 2015 zwischen 1,5 und 2 Prozent Wachstum, bis 2020 kumuliert sogar 15 Prozent. Übertriebene Zukunftsangst ist da wirklich nicht angebracht.

mm: Gilt das, mit Blick auf die neuen Trends, auch mittel- und langfristig?

Malorny: Da wird es komplexer. Die meisten Betriebe scheinen erst einmal gut vorbereitet. Sie verdienen ordentlich, die Eigenkapitalquoten steigen. Egal ob Mechatronik, Sensorik, Servoantriebe, Hydraulik oder Hydrostatik - extrem präzise arbeitende Antriebe können wir wie kein anderes Land. Und diese Technologien funktionieren auf dem Niveau nur, wenn Sie für die Steuerung große Mengen von Daten verarbeiten können. Trotzdem birgt die aktuelle Entwicklung sehr reale Gefahren.

mm: Wo liegt das Problem?

Malorny: Auf der Systemebene und im Anbieten neuer Geschäftsmodelle. Wenn die Deutschen nicht aufpassen, machen ihnen ganz neue Spieler ihre führende Rolle streitig. Die entscheidende Frage dabei ist: Wer kontrolliert künftig Daten und Softwaresysteme?

mm: Kommt es auch hier wieder zum immer gleichen Kampf? Klein gegen groß? Alt gegen neu? Gea Börsen-Chart zeigen gegen Google Börsen-Chart zeigen?

Malorny: Es geht in diese Richtung. Mit dem Internet der Dinge entsteht ein ganz neues Konfliktfeld. Wenn künftig immer mehr Maschinen und Produkte über das Internet miteinander verbunden sind, wenn deren Daten zum Beispiel für die Steuerung von Logistikketten frei gegeben werden, dann sollte eine Frage geklärt sein: Wer hat die Hoheit über diese Daten?

mm: Der Hersteller des Produkts, sollte man meinen.

Malorny: Nicht unbedingt. Die Daten könnten auch freigegeben werden und damit praktisch in die Hoheit des Unternehmens fallen, über dessen Software und Server all diese Produkte miteinander verbunden sein dürften. Das wäre der amerikanisch-japanische Ansatz. Frei nach dem Motto: "Die Daten sind frei. Wir nutzen dieses Wissen, um dem Kunden zu helfen und ihm maßgeschneiderte Produkte zu liefern."

mm: Und die Deutschen?

Malorny: Sehen ihre Dominanz gefährdet. Sie wollen, dass die einzelnen Maschinenbauer die Kontrolle über die Daten behalten. Schließlich sind es ja auch die Maschinen, die die Daten generieren. Aber setzen sich die deutschen Unternehmen auch durch?

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