Montag, 22. Juli 2019

Milliardenschwere Einkaufstouren Fünf Gründe für den Kauf-Rausch deutscher Konzerne

Manche Verbindungen sind unmittelbar logisch, andere erschließen sich erst über Zeit. "Playboy"-Gründer Hugh Hefner 2009 mit seiner damaligen Freundin und aktuellen Gattin Crystal Harris.

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein milliardenschwerer Unternehmenskauf oder -Verkauf mit deutscher Beteiligung vermeldet wird. Erst Anfang dieser Woche gab der Ex-Dax-Konzern Lanxess sein Gebot für den Schmierstoff- und Flammschutzspezialisten Chemtura aus den USA über 2,4 Milliarden Euro bekannt. Die Krönung der aktuellen Bonanza bislang: Bayers Offerte für den Saatgut-Spezialisten Monsanto Börsen-Chart zeigen über 66 Milliarden Dollar.

Tatsächlich entfaltet sich in vielen deutschen Unternehmen derzeit eine geradezu idealtypische Konstellation, um die Geschäfte grundlegend neu zu sortieren:

1. Die teuren Finanzierungsstrukturen aus der Vorkrisenzeit sind durch billigere ersetzt, die Sparprogramme gefahren, die Bilanzen strahlen. Nun sind auch die traditionell schüchternen deutschen Aufsichtsräte bereit, sich ernsthaft mit den Kauf-Projekten auseinanderzusetzen, mit denen sie ihr Vorstand bedrängt.

2. Der Heimatmarkt Europa zeigt sich hartnäckig wachstumsschwach. Die Schwellenländer, lange Zeit bevorzugtes Investitionsziel für neue Fabriken auf grünen Wiesen, erweisen sich als unsichere Kantonisten, sowohl bei Wachstum als auch politisch.

3. Die Europäische Zentralbank hat sich hartnäckig in ihre Nullzinspolitik verliebt: Das ist Geld billig und also lassen sich hohe Kaufpreise billig finanzieren.

4. Investoren verstehen erstens: Es muss etwas passieren an der Digitalisierungsfront und im Disruptions-Zeitalter insgesamt.

5. Investoren verstehen zweitens: In einigen Branchen und Subbranchen wie bei Pharma und Chemie entwickeln sich gerade Oligopole, zudem drängelt China auf Weltmarktführerschaft in wichtigen Segmenten. Entweder man ist da vorne dabei - oder raus.

Ehrgeizigen Vorstandsvorsitzenden eröffnen sich also hauptsächlich zwei Instrumente, um ihr Unternehmen besser zu machen: Tempoverschärfung bei Forschung und Entwicklung in der Hoffnung, demnächst bahn- und marktbrechende neue Produkte verkaufen zu können. Oder eben das All-inclusive-Paket, sofern man das richtige Übernahme- oder Fusionsziel findet.

Lesen Sie dazu auch in der Oktober-Ausgabe des manager magazins: Meister & Adjutanten - wer bei Fusionen und Übernahmen in Deutschland inzwischen den Ton angibt.

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