Luxusschnäppchen Air Berlin versteigert Tickets für die Businessclass

Beste Verpflegung, Beinfreiheit oder ein gemachtes Bett hoch über den Wolken: Als erste deutsche Fluglinie bietet Air Berlin ihren Kunden an, kurz vor Abflug ein Gebot für ein Upgrade in die Businessclass abzugeben. Wer zum Zuge kommt, spart und genießt.
Gemachtes Bett: Immer mehr Airlines bieten Kunden per Auktion Luxus-Schnäppchen an

Gemachtes Bett: Immer mehr Airlines bieten Kunden per Auktion Luxus-Schnäppchen an

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Hamburg/Berlin - Im Flieger zwischen johlenden Kegelbrüdern in der Holzklasse eingeklemmt zu sitzen ist nicht wirklich das Erlebnis, nach dem man sich auf langen Flügen sehnt. Immer mehr Airlines bieten ihren Kunden nun eine Möglichkeit an, der rauen Wirklickeit der Economy-Klasse zu entkommen - ohne die vollen Kosten dafür zu zahlen.

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Als erste deutsche Airline bietet die deutsche Fluglinie Air Berlin  ihren Kunden an, sich im Vorfeld ein Upgrade in die Businessclass zu ersteigern . Dafür müssen Kunden unter Angabe ihrer Ticketdaten bis zu 72 Stunden vor Abflug im Internet ein Upgrade-Gebot bei der Airline einreichen. Bekommen sie den Zuschlag, informiert sie die Airline spätestens 12 Stunden vor Abflug per Mail.

Per Gebot in die Komfortzone

Diejenigen, die zum Zuge kommen, dürfen sich allerdings nicht nur über die neuen vollständig horizontalen Betten und bessere Verpflegung freuen. Sie bekommen auch Lounge-Zutritt und werden beim Boarding bevorzugt behandelt. Business-Meilen gibt es für die Reise aber nicht.

Air Berlin ist nicht die erste Airline, die die neuen technischen Möglichkeiten von Anbietern wie dem New Yorker Unternehmen Plusgrade nutzt, um zusätzliche Umsätze zu generieren. Die israelische El Al, Virgin Atlantic, Air New Zealand, Panamas Copa Airlines, Air Berlin Großaktionär Etihad und die portugiesische Tap nutzen das Angebot bereits längerem. 

Auch die Lufthansa -Töchter Austrian Airlines und Brussels Airlines experimentieren bereits mit dem Auktionsmodell. Anders als bei Air Berlin, wo die Gebotsabgabe für "air berlin exquisite" direkt über die firmeneigene Webseite möglich ist, ist bei anderen teilweise allerdings noch eine Mail oder telefonische Kontaktaufnahme nötig.

Ein Luxus-Upgrade für zehn Euro gibt es allerdings nicht. Bei Air Berlin muss man als Kunde zwischen einem vorgegebenen Minimum und Maximum "ins Schwarze" bieten. Was die Konkurrenz für das gleiche Privileg bietet, erfährt man nicht. Ebensowenig, nach welchen Kriterien genau die Airline die Tickets vergibt.

Unmut unter Vielfiegern

Die beschränken sich nach Branchenangaben nämlich nicht ausschließlich auf die Höhe des Preises und möglicher Konkurrenzangebote. Auch die Höhe des ursprünglichen Ticketpreises, der mögliche Mitgliedsstatus im Vielfliegerprogramm und die Erfolgsgeschichte bei früheren Geboten kann mit berücksichtigt werden, heißt es unter Experten. "Die werden das mit Sicherheit so deichseln, dass sie einen dazu kriegen, möglichst viel zu bieten", ärgert sich ein Vielflieger.

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In welcher Größenordnung sich die durchschnittlichen Gebote bewegen kommentiert die Airline nicht. Schließlich könnten sich ansonsten die regulären Businessclass-Kunden veräppelt fühlen, wenn sie bei ihren Buchungen ein Vielfaches für dieselbe Leistung hinblättern müssen.

Während die Zufriedenheit derjenigen Kunden, die das Angebot nutzen und mit ihrem Gebot erfolgreich sind, äußerst hoch sein dürfte, macht sich bei Vielfliegern bereits Ärger breit. "Das senkt natürlich die Chancen für ein kostenloses Upgrade", ärgert sich beispielsweise ein Nutzer der Vielfliegercommunity Flyertalk.

Für die Airlines dürfte sich das Tech-Investment hingegen lohnen. Bei El Al, die mittlerweile auch benachbarte Mittelsitze für einen Aufschlag von rund 150 Dollar freihalten, zahlten die Kunden bei den Auktionen immerhin 800 Dollar pro auktioniertem Upgrade-Ticket. Geld, das Air Berlin aktuell gut gebrauchen kann.

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