Sonntag, 31. Mai 2020

Corona-Krise Lufthansa verhandelt mit Bundesregierung über Staatsbeteiligung

Alles am Boden: Die Lufthansa verhandelt mit der Bundesregierung offenbar auch über eine Staatsbeteiligung

Die Lufthansa Börsen-Chart zeigen verhandelt nach Informationen von Insidern mit der Bundesregierung nicht nur über Finanzhilfen in Form von Krediten, sondern auch über eine Staatsbeteiligung. Es gehe um einige Milliarden Euro, sagten mehrere Personen mit Kenntnis des Vorgangs der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag.

Beteiligt an den Gesprächen sei auf Bankenseite unter anderem die Deutsche Bank. Die genaue Höhe des Finanzbedarfs der Airline, die wie die meisten anderen Gesellschaften wegen der Corona-Pandemie Passagierflüge weitgehend eingestellt hat, blieb offen. Vergleichbare Fluggesellschaften wie American Airlines meldeten beim Staat bereits bis zu zwölf Milliarden Dollar Finanzbedarf an - es könnte also um ein zweistelliges Milliardenvolumen gehen.

Rund um den Globus sind Airlines so massiv von den Folgen der Corona-Krise getroffen, dass sie auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Die Lufthansa könnte Kredit über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten. "Wir sind mit der Bundesregierung im engen Austausch, um die Liquidität zu sichern", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Zu Einzelheiten lehnte er einen Kommentar ab. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich nicht äußern.

"Staatliche Hilfe ist für die Lufthansa legitim"

Eine Mehrheitsbeteiligung des Staates als Rettung in der Not hatte Vorstandschef Carsten Spohr im Interview mit dem "Spiegel" ausgeschlossen: "Eine Verstaatlichung hat die Bundesregierung ja schon öffentlich verneint." Staatliche Hilfe sei im Ausnahmefall für ein wettbewerbsfähiges Unternehmen wie die Lufthansa legitim. Am Ende komme es darauf an, dass die unternehmerische Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit erhalten bleibe.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte zuvor Großkonzernen wie der Lufthansa in der Virus-Krise angeboten, notfalls auch mit einer zeitweisen staatlichen Beteiligung zu helfen. Der Bund garantiere über die KfW-Programme Liquidität für Unternehmen, hatte der SPD-Politiker gesagt. "Ich habe vorgeschlagen, dass wir das auch ergänzen durch Programme, wo wir dann mit Eigenkapital helfen können, uns also zeitweilig an solchen Unternehmen auch beteiligen, wenn die das sinnvoll und hilfreich finden."

62.000 Mitarbeiter der Lufthansa-Gruppe in Kurzarbeit

Unterdessen teilte der Lufthansa-Konzern mit, dass der Großteil der deutschen Lufthansa-Mitarbeiter künftig in Kurzarbeit beschäftigt ist. Wie ein Konzernsprecher der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag sagte, sind 31.000 von 35.000 Beschäftigten der Kernfluggesellschaft Lufthansa in Deutschland davon betroffen. Inklusive der übrigen Konzerngesellschaften gilt demnach in Deutschland für 62.000 Mitarbeiter der Lufthansa Group Kurzarbeit in der Corona-Krise.

msc/Reuters/AFP

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