Herbe Einschnitte angekündigt Lufthansa mit über zwei Milliarden Verlust

Lufthansa: Coronakrise brockt der Fluggesellschaft 2,1 Milliarden Verlust ein

Lufthansa: Coronakrise brockt der Fluggesellschaft 2,1 Milliarden Verlust ein

Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

Der Geschäftseinbruch durch die Corona-Pandemie hat der Lufthansa (Kurswerte anzeigen) im ersten Quartal einen hohen Verlust eingebrockt. Von Januar bis März summierte sich der Fehlbetrag nach Steuern und Abschreibungen auf 2,1 Milliarden Euro, teilte die Lufthansa am Mittwoch mit.

Das Unternehmen bestätigte die schon Ende April veröffentlichten Zahlen, nach denen sich der bereinigte operative Verlust im saisonal schwachen Quartal auf 1,2 Milliarden Euro erhöhte. Das Konzernergebnis wurde von einem erwarteten Verlust bei Termingeschäften mit Treibstoff in Höhe von 950 Millionen belastet. Die Lufthansa nahm zudem Abschreibungen auf 50 dauerhaft stillgelegte Flugzeuge sowie auf Firmenwerte vor. Eine Prognose für das Gesamtjahr traut sich der Vorstand weiterhin nicht zu, erwartet aber unverändert einen signifikanten Rückgang des operativen Ergebnisses.

Die Corona-Pandemie hat den Luftverkehr weltweit seit März weitgehend lahmgelegt. Die Airline-Gruppe muss wegen des Schocks mit staatlichen Finanzhilfen von bis zu neun Milliarden Euro vor der Pleite gerettet werden. Das mit der Bundesregierung ausgehandelte Finanzpaket muss noch von der EU-Kommission genehmigt werden, auch muss sich die Lufthansa noch die Zustimmung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 23. Juni einholen. Teil des Rettungsplans ist auch der Einstieg des Staates mit einem Anteil von 20 Prozent, für den das Kapital um 25 Prozent erhöht werden muss. Im Gegenzug für das Rettungspaket muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben.

Die Lufthansa kündigte nun herbe Einschnitte an. "Angesichts der absehbar nur sehr langsam verlaufenden Erholung der Nachfrage müssen wir nun mit tiefgreifenden Restrukturierungen gegensteuern", sagte Vorstandschef Carsten Spohr bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal am Mittwoch in Frankfurt. Das Management will die Stückkosten im Vergleich zum Vorkrisenniveau "deutlich" senken. Genauere Angaben zu einem Stellenabbau machte die Lufthansa zunächst nicht. Derzeit sind von den knapp 137.000 Beschäftigten 87.000 in Kurzarbeit. Es gebe einen Personalüberhang von bis zu 20.000 Mitarbeitern, hieß es in Konzernkreisen. Mit den Gewerkschaften soll eine Lösung gefunden werden, möglichst viele von ihnen über mehr Teilzeit und Gehaltsverzicht an Bord zu halten.

Die Lufthansa-Aktie reagierte am Morgen mit mäßigen Schwankungen auf die Nachrichten. Nach einem anfänglichen Minus von einem Prozent drehte der Kurs in die Gewinnzone und lag zuletzt mit 1,65 Prozent im Plus bei 9,61 Euro im Mittelfeld des Dax . Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt. Der Ausblick des Vorstands sei mit Blick auf eine Geschäftserholung pessimistisch, schrieb Analyst Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein. Es liege nun enorm viel Arbeit vor dem Konzern, sein Geschäft umzustrukturieren.


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Veräußerung von Geschäftsbereichen werden geprüft

So erklärte das Unternehmen weiter, die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen sicherten die Solvenz, bis es aus eigener Kraft wieder ausreichend Mittel erwirtschaften könne. Ende März beliefen sich die flüssigen Mittel den Angaben zufolge auf 4,25 Milliarden Euro. Jeden Monat flössen weiterhin etwa 800 Millionen Euro ab, obwohl der Konzern seine Fixkosten um ein Drittel gesenkt habe. Wie viel Geld die Lufthansa derzeit genau zur Verfügung hat, blieb zunächst offen.

Vorstandsmitglied Thorsten Dirks erklärte, um Kredite und Zinsen zügig zurückzahlen zu können, werde das Unternehmen seinen freien Barmittelzufluss im Vergleich zur Zeit vor der Krise deutlich steigern müssen. Dabei erwartet die Lufthansa nur eine schrittweise anziehende Nachfrage nach Flugreisen. Der Konzern verhandelt zudem weiterhin mit den Flugzeugherstellern Boeing und Airbus darüber, bereits bestellte Flugzeuge später abzunehmen als vereinbart. Außerdem prüft das Management mittelfristig die Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Nachdem im Mai nur noch drei Prozent der geplanten Flüge abheben konnten, baut die Lufthansa mit ihren Tochter-Airlines Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines den Passagierverkehr seit diesem Monat schrittweise wieder auf. Ab Mitte Juni will der Konzern auf rund 2000 wöchentliche Verbindungen zu mehr als 130 Zielen weltweit kommen. Für September erwartet die Gruppe, 40 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität anzubieten. Vor allem die Flüge zu touristischen Zielen sollen ausgebaut werden. Zum Höhepunkt der Krise blieben 700 der 763 Jets der Flotte am Boden. Im kommenden Jahr sollen noch 300 Flieger außer Betrieb sein, 2022 noch 200. Die Lufthansa rechnet damit, dass die Krise erst 2023 überstanden und die Flotte dann dauerhaft 100 Maschinen kleiner ist.

dpa/rtr/akn
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