Trotz Flugchaos Lufthansa fliegt erstmals seit der Corona-Pandemie wieder Gewinn ein

Die Frachttochter Cargo rettet der Lufthansa das Ergebnis. Wegen des Flugchaos fährt die Airline den Betrieb aber langsamer hoch als geplant. Nach massivem Personalabbau sollen nun 5000 neue Jobs am Boden und in der Luft das Problem mildern, verspricht Vorstandschef Spohr.
Carsten Spohr: Der Lufthansa-Chef will 5000 neue Stellen schaffen, um die Personalnot zu lindern

Carsten Spohr: Der Lufthansa-Chef will 5000 neue Stellen schaffen, um die Personalnot zu lindern

Foto: Sepp Spiegl / imago images/sepp spiegl

Die Lufthansa fährt angesichts der massiven Betriebsprobleme im Luftverkehr den Flugbetrieb im Sommer langsamer hoch als bisher geplant. Von Juni bis September seien bei den Passagier-Airlines 80 Prozent der Kapazität von vor der Corona-Krise geplant nach 74 Prozent im zweiten Quartal, teilte die Gesellschaft am Donnerstag mit. Bislang wurden 85 Prozent des Vorkrisenjahres 2019 angepeilt. Im Gesamtjahr sollen es weiterhin 75 Prozent sein.

Aufgrund von Personalknappheit an Flughäfen und bei Airlines knirscht es beim Hochfahren des Luftverkehrs im Sommerreiseboom nach der Pandemie-Krise gewaltig. Allein die Kernmarke Lufthansa musste schon mehr als 7000 Flüge streichen.

Das erste Halbjahr sei für Fluggäste und Mitarbeiter herausfordernd gewesen, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr (55). "Weltweit geriet die Airline-Industrie an ihre operativen Grenzen." Trotzdem schaue das Management optimistisch in die Zukunft. Vor einigen Wochen hatte sich der Lufthansa-Chef dafür entschuldigt, an der einen oder anderen Stelle zu viel gespart zu haben. Alle Airlines der Lufthansa-Gruppe strichen in den vergangenen Monaten Flüge, um die Abläufe an Flughäfen zu stabilisieren. Aber auch ein Warnstreik der Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit über die Löhne der rund 20.000 Beschäftigten am Boden führte zu mehr als 1000 Ausfällen. Das sorgt seit Juni für Ärger bei vielen Reisenden, die nach zwei Jahren Corona-Pandemie endlich wieder ins Ausland reisen wollen,

Lufthansa Cargo rettet Ergebnis

Das Flugchaos sorgte im zweiten Quartal für 158 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an die Kunden, erklärte die Airline. Allerdings stiegen bei höherer Auslastung die Durchschnittserlöse, ein Indikator für die Ticketpreise, um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und sogar zehn Prozent über dem Vorkrisenniveau.

Bis auf die Schweizer Tochter Swiss schrieben alle Passagier-Airlines im zweiten Quartal Verlust. Dank des Booms in der Luftfracht rettete die Frachttochter Lufthansa Cargo einmal mehr das Ergebnis. Um Sondereffekte bereinigt, verdiente die Lufthansa operativ von April bis Juni 393 Millionen Euro nach 827 Millionen Euro Verlust vor Jahresfrist. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie erwirtschaftete das Unternehmen einen Nettogewinn – unter dem Strich verdiente die Lufthansa 259 Millionen Euro.

Da die Luftfracht weiter von der massiven Störung der Seefracht aufgrund der Corona-Pandemie profitiert, traut sich die Lufthansa erstmals eine bezifferte Jahresprognose des Betriebsgewinns zu – erwartet werden mehr als 500 Millionen Euro. Das entspricht der Markterwartung.

"Neben der erreichten Rückkehr in die Profitabilität haben nun Top-Produkte für unsere Kunden und Perspektiven für unsere Mitarbeiter wieder höchste Priorität", erklärte Vorstandschef Spohr.

Lufthansa will nach Massenentlassungen 5000 Stellen schaffen

Nach massivem Personalabbau in der Corona-Krise schaltet die Lufthansa auf Erholung und Wachstum mit Tausenden Neueinstellungen um. Im zweiten Halbjahr sollen demnach rund 5000 Beschäftigte angeheuert werden – in Cockpit, Kabine und am Boden. Im kommenden Jahr noch mal so viele. In der Corona-Krise, die den Flugverkehr einbrechen ließ, hatte die Airline Gruppe die Zahl der Mitarbeiter von rund 139.000 weltweit auf gut 100.000 reduziert.

sio/dpa/AFX/Reuters
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