Lockheed-Martin-Aktie steigt Bundesregierung will F-35 als Tornado-Nachfolger kaufen

Im Zuge des 100 Milliarden Euro schweren Sondervermögens für die Bundeswehr will die Bundesregierung die veralteten "Tornado"-Kampfjets nun durch F-35-Tarnkappenjets ersetzen. Der Flieger des US-Herstellers Lockheed Martin gilt als das modernste Kampfflugzeug der Welt.
Ersatz für die veralteten Tornado-Kampfflugzeuge: Deutschland will F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin kaufen

Ersatz für die veralteten Tornado-Kampfflugzeuge: Deutschland will F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin kaufen

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US AIR FORCE/ REUTERS

Deutschland will als Ersatz für die veralteten Tornado-Kampfflugzeuge auch F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin kaufen. Insgesamt geht es um 35 Maschinen, wie das Verteidigungsministerium am Montag in einer vertraulichen Mitteilung an das Parlament schrieb. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (56) sagte in Berlin, mit der Beschaffung werde "eine starke deutsche Rolle" gesichert. Der Generalleutnant der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, sagte, der F-35A sei das weltweit modernste verfügbare Kampfflugzeug. Damit sei eine effektive Abschreckung genauso möglich wie eine Verteidigung im Bündnisfall. Mit der Entscheidung "ist unsere Luftwaffe sehr gut für die Zukunft aufgestellt". An der US-Börse NYSE kletterte die Lockheed-Martin-Aktie  vorbörslich um 2,22 Prozent auf 448,80 Dollar.

In einem ersten Schritt werde ein förmlicher Antrag bei der US-Regierung eingereicht, um Klarheit über Lieferfristen und Optionen für eine Zusammenarbeit bei Training und Wartung zu gewinnen, hieß es in der Unterrichtung. Das Flugzeug wird dazu gebraucht, die in die Jahre gekommenen Tornados der Luftwaffe im Rahmen der sogenannten Nuklearen Teilhabe Deutschlands zu ersetzen. Dabei werden US-Atomwaffen im Kriegsfall mit deutschen Kampfjets ins Ziel geflogen. Die Tornados sind seit den 1980er Jahren in Betrieb und sollen zwischen 2025 und 2030 außer Dienst gestellt werden.

Der Tarnkappenjet F-35 gilt als das modernste Kampfflugzeug der Welt. Wegen ihrer speziellen Form und Außenbeschichtung sind die Hightech-Maschinen für gegnerisches Radar nur schwer zu entdecken. Die Maschine fliegt mit 1,6-facher Schallgeschwindigkeit und kann knapp zehn Tonnen Waffen transportieren – auch Atomwaffen. Sechs Infrarotkameras an der Außenhülle nehmen im Flug die Umgebung auf – und übertragen die Bilder direkt in den Helm des Piloten, der dadurch einen 360-Grad-Blick bekommt.

Airbus' Eurofighter muss noch zertifiziert werden

Im Gespräch für den Tornado-Nachfolger ist auch der Eurofighter des europäischen Flugzeugbauers Airbus, der aber erst noch für diese Aufgabe aufgerüstet und zertifiziert werden müssten. Die Entscheidung für die F-35-Tarnkappenflugzeuge ist auch ein Rückschlag für Boeing: Die ehemalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (59) hatte sich für die F-18 des US-Flugzeugbauers als Tornado-Ersatz ausgesprochen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (63) hatte in seiner Regierungserklärung im Bundestag am 27. Februar betont, dass die F-35 für diese Aufgabe infrage kommt. Die F-35 ist bereits für den Einsatz mit Atomwaffen zertifiziert. Zu dem Zeitpunkt hatte er angekündigt, den Eurofighter weiterzuentwickeln und für den elektronischen Luftkampf einzusetzen. Er solle ab 2040 durch den deutsch-französischen Kampfjet FCAS abgelöst werden, sagte Lambrecht.

Frühere Bedenken der Bundesregierung, der Kauf der F-35 könnte die gemeinsam mit Frankreich betriebenen Pläne für den Bau eines europäischen "Kampfflugzeugs der Zukunft" (FCAS/ Future Combat Air System) konterkarieren, sind nun in den Hintergrund getreten und scheinen aus Sicht Berlins weitgehend entkräftet. Im Fall der F-35 wurde zuletzt darauf verwiesen, dass auch Nato-Partner in Europa die Maschine nutzen und so "Synergieeffekte" im Betrieb möglich seien.

In Reaktion auf den Ukraine-Krieg und die Drohungen von Kreml-Chef Wladimir Putin (69) gegen den Westen hatte Bundeskanzler Scholz ein einmaliges "Sondervermögen" von 100 Milliarden Euro und eine deutliche Aufstockung der jährlichen Verteidigungsausgaben angekündigt. Künftig sollen Jahr für Jahr mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung investiert werden.

sio/Reuters, dpa-afx, AFP