Nach Erfolgsjahr 2020 Linde will noch mehr

Noch mehr Gewinn und mehr Wachstum - vor allem mit Wasserstoff. Der weltgrößte Industriegase-Konzern Linde und zweitteuerste Dax-Konzern hat sich für das laufende Jahr viel vorgenommen.
Setzen verstärkt auf Wasserstoff: Linde Chairman Wolfgang Reitzle (l.) und Vorstandschef Steve Angel

Setzen verstärkt auf Wasserstoff: Linde Chairman Wolfgang Reitzle (l.) und Vorstandschef Steve Angel

Foto: dpa Picture-Alliance / Matthias Schrader/ picture alliance/AP Photo

Gut zwei Jahre nach der vollzogenen Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair laufen die Geschäfte von Linde auch im Corona-Jahr bestens. Der Dax-Konzern und die Nummer eins bei Industriegasen will nach einem deutlichen Gewinnanstieg in 2020 im laufenden Jahr noch mehr verdienen. Betrug der Gewinn je Aktie im vergangenen Jahr 8,23 Dollar, soll er nun auf 9,10 bis 9,30 Dollar steigen, sagte am Freitag Linde-Chef Steve Angel (65), der Chairman Wolfang Reitzle (71) bald nachfolgen will.

Reitzle, selbst lange Jahre Vorstandschef des weltgrößten Industriegasekonzerns, hatte die nicht unumstrittene Fusion der Münchner Linde AG mit dem US-Rivalen Praxair eingefädelt und ist seit Oktober 2018 Chairman der Linde Private Limited Linde (plc) mit Firmensitz im irischen Dublin. Regiert wird der Konzern aus vom ehemaligen Praxair-Hauptquartier nahe New York City. Schlecht ist es ihm bislang nicht bekommen: Unter dem Strich fuhr der amerikanisch-deutsche Konzern 2020 einen Gewinn von 4,37 Milliarden Dollar ein, neun Prozent mehr als 2019. Dabei verkraftete Linde, dass der Umsatz im Corona-Jahr um drei Prozent auf 27,2 Milliarden Dollar schrumpfte. Zwei Prozent höhere Preise konnten den Absatzrückgang nicht wettmachen.

Linde beliefert die Auto-, Öl-, Chemie- und Metallindustrie genauso wie Lebensmittelhersteller und Krankenhäuser. Den Löwenanteil der Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Linde in der Region Amerika, jeweils gut 20 Prozent der Erlöse kommen aus Europa und Asien. Weltweit beschäftigt die Linde plc 80.000 Mitarbeiter.

Mit aktuell knapp 110 Milliarden Euro ist Linde hinter SAP der zweitwertvollste Dax-Konzern noch vor Siemens. Die Linde-Aktie legte am Freitagnachmittag um etwa 1,5 Prozent auf rund 213 Euro zu. Der US-Rivale Air Products hatte am Donnerstag mit Quartalszahlen die Märkte enttäuscht und seine Aktie auf Talfahrt geschickt. Künftig will Linde das Geschäft mit Wasserstoff stark ausbauen. Unlängst trommelte Chefaufscher Reitzle noch laut für mehr staatliche Unterstützung zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Dabei kritisierte er die "einseitige Festlegung" der Bundesreierung auf die Elektromobilität und ihre starke Bevorzugung.

Linde will Geschäft mit Wasserstoff vervierfachen

Linde erzielt laut Angel schon heute mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz mit Produktion, Vertrieb, Speicherung und Anwendung von Wasserstoff. "Und angesichts der erwarteten Investitionsvorhaben von mehr als 100 Milliarden Dollar denke ich, dass sich unser Wasserstoffgeschäft in Zukunft vervierfachen könnte", sagte er vor wenigen Monaten. Gerade bei großen Transportmitteln wie Lastwagen, Zügen, Fähren und Bussen werde sich Wasserstoff zuerst durchsetzen.

Im vierten Quartal legten die Umsätze, getrieben vom Asien- und Europa-Geschäft, um 3 Prozent zu. Das Geschäft in Amerika, dem mit Abstand größten Markt für den Konzern, stagnierte noch. Die Investitionen wurden um 8 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar gedrosselt. "Kurzfristig bleiben die wirtschaftlichen Aussichten unsicher", sagte Angel (65), seit Oktober 2018 Vorstandschef des Konzerns. Unabhängig davon sei er aber zuversichtlich, den Gewinn im laufenden bis zu 13 Prozent steigern zu können. Für das laufende erste Quartal erwartet Angel sogar ein Gewinnplus von 16 bis 19 Prozent.

Von einer Erholung der Konjunktur würde Linde zusätzlich profitieren, sagte Angel. "Darüberhinaus erwarte ich, dass wir unsere Chancen in langfristigen Wachstumsmärkten wie Gesundheit, Elektronik und erneuerbare Energien entschiedener ergreifen." Im Geschäft mit der Gesundheits- (Medizingase) und der Elektronik-Branche legte Linde bereits im vierten Quartal mit jeweils neun Prozent am stärksten zu. Linde hat den Konzern kontinuierlich auf Effizienz getrimmt.

rei/Reuters/dpa-afx
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