Samstag, 20. Juli 2019

Fusion der Gase-Riesen rückt näher Linde und Praxair gehen auf Nummer sicher - Teilverkauf an Japaner

Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle: Fusion mit Praxair um jeden Preis

Die Gasehersteller Linde und Praxair sind ihrer geplanten Fusion zum weltgrößten Anbieter einen Schritt nähergekommen. Der US-Konzern verkauft nun ein 5 Milliarden Euro schweres Unternehmenspaket in Europa an den japanischen Rivalen Taiyo Nippon Sanso, wie die Unternehmen am Donnerstag in Tokio und München mitteilten. Das soll die EU-Kartellwächter zur Zustimmung des Deals bewegen.

Praxair gibt damit einen Großteil seiner europäischen Geschäfte ab, für die Japaner wäre es der Markteintritt in Europa. Der Verkauf steht unter dem Vorbehalt, dass auch die Fusion zwischen Linde Börsen-Chart zeigen und Praxair klappt.

Brüssel stand deren Zusammenschluss bisher skeptisch gegenüber, weil die Marktmacht der beiden Konzerne in Europa bei einigen Gasen wie Sauerstoff und Helium zu groß werden könnte. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte daher im Februar eine vertiefte Prüfung des Vorhabens eingeleitet.

Auch in weiteren Regionen seien voraussichtlich noch Verkäufe von Geschäftsbereichen nötig, teilte Linde mit. Dazu befänden sich Linde und Praxair in Gesprächen mit Behörden und seien auch in Verhandlungen mit möglichen Bietern.

Zugeständnisse an die EU-Behörden sind für viele Anleger Kaufsignal

Anleger werteten das als gutes Zeichen, dass das Unterfangen insgesamt gelingt: Die Aktien von Linde Börsen-Chart zeigen zogen am Donnerstag als einer der Spitzenreiter im Dax Börsen-Chart zeigen um 3,5 Prozent an.

Linde-Chef Aldo Belloni, Praxair-Chef Steve Angel (r): Linde-Beschäftigte fürchten Ausverkauf an USA

Die geplante Fusion ist der zweite Anlauf, nachdem ein erster im September 2016 an der Wahl des Firmensitzes und der Struktur eines vereinten Unternehmens gescheitert war. Die nun in Europa abzugebenden Teile von Praxair erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.

Linde und Praxair haben sich vorbehalten, bei den Verkäufen nicht mehr als 3,7 Milliarden Euro an Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro an operativem Gewinn (Ebitda) abzugeben. Andernfalls könnten sie einen Rückzieher machen, falls größere Verkäufe nötig sein sollten.

Deal soll bis Dezember stehen - und Linde aus USA geführt werden

Der gesamte Deal soll spätestens bis Jahresende abgeschlossen sein. Da die Aktionäre bereits zugestimmt haben, kann die Fusion nur noch an zu hohen Auflagen oder dem Veto der Kartellbehörden scheitern. Die für August erwartete Entscheidung der EU-Kommission ist dabei die größte Hürde. Sollten nicht alle Genehmigungen der Kartellbehörden bis zum 24. Oktober vorliegen, dann platzt der seit vergangenem Jahr geplante Zusammenschluss. Die Frist der EU-Kommission zur Prüfung läuft bis zum 24. August.

Der beiden Konzerne wollen sich zum größten Industriegasehersteller der Welt zusammenschließen. Mit 80 000 Mitarbeitern und 28 Milliarden Euro Jahresumsatz würden sie ein Viertel des Weltmarkts beherrschen. Die neue Linde plc soll von Praxair-Chef Steve Angel aus den USA heraus geführt werden. Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten

la/dpa

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