Aktie legt deutlich zu Linde kauft Aktien zurück und erhöht Dividende

Ein Abschied aus Deutschland kann auch als Kursturbo wirken: Der amerikanisch-deutsche Industriegasekonzern Linde erhöht seine Dividende und will Aktien zurückkaufen. Anleger sind begeistert, Linde könnte bald wertvoller sein als SAP.
Reizvolle Verbindung: Linde-Chairman Wolfgang Reitzle (links) und CEO Steve Angel werben 2017 für die Fusion zwischen Linde und Praxair - und haben damit Werte gehoben

Reizvolle Verbindung: Linde-Chairman Wolfgang Reitzle (links) und CEO Steve Angel werben 2017 für die Fusion zwischen Linde und Praxair - und haben damit Werte gehoben

Foto: Matthias Schrader/ AP

Die Quartalsdividende werde um 10 Prozent auf 1,06 Dollar je Anteilsschein angehoben, teilte der nach der Fusion mit dem US-Konzern Praxair weltgrößte Industriegasekonzern am Montagabend mit. Zudem sollten Aktien im Volumen von bis zu fünf Milliarden Dollar zurückgekauft werden. Die Maßnahme folge auf das bestehende Rückkaufprogramm im Volumen von sechs Milliarden Dollar, das am 1. Februar auslaufe, erklärte ein Sprecher. Die Aktie von Linde plc  legte auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um rund 3 Prozent zu und stemmte sich damit gegen den negativen Allgemeintrend im Dax .

Linde ist mit einer aktuellen Börsenbewertung von rund 110 Milliarden Euro nach dem Softwareriesen SAP (129 Milliarden Euro) der zweitwertvollste Konzern im Dax und hat in den vergangenen Wochen den Abstand zu SAP deutlich verkleinert. Setzt sich der jüngste Trend fort, könnte Linde noch in diesem Jahr zum wertvollsten deutschen Konzern aufsteigen.

Die Linde plc ist aus der Fusion der Münchener Linde AG und dem US-Rivalen Praxair entstanden und hat seinen Sitz in Guildford bei London. Geführt wird der Konzern vom ehemaligen Praxair-Chef Steve Angel (64). Linde-Konstrukteur Wolfgang Reitzle (71) hat sich den Job des Chairman im fusionierten Konzern gesichert. 

Durch die Fusion mit Praxair ist der Gasehersteller Linde nicht nur in die Weltspitze aufgestiegen, sondern hat sich auch wie kein anderes deutsches Unternehmen aus Corporate Germany herausgelöst . Die vor 142 Jahren von dem Erfinder der technischen Luftzerlegung Carl von Linde gegründete Firma ist heute eine der globalsten des Planeten.

Linde setzt stärker auf grünen Wasserstoff

Der Linde-Konzern soll künftig im Geschäft mit grünem Wasserstoff eine größere Rolle spielen - da sind sich Chairman Reitzle und Firmenchef Angel einig. Linde will zum Beispiel gemeinsam mit dem italienischen Gasnetzbetreiber Snam Projekte und Infrastruktur in Europa entwickeln. Die beiden Unternehmen wollen sich künftig gemeinsam für die "Schlüsseltechnologie entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette" einsetzen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.  Dazu zählen Investitionen in Projekte zur Produktion, Verteilung, Komprimierung und Speicherung. Wasserstoff werde eine bedeutende Rolle zur Erreichung der Ziele des europäischen Green Deals spielen, erklärte Angel den Vorstoß mit Snam, er freue sich, künftig mit einem absoluten Vorreiter der Energiewende zu kooperieren.

Die Kooperation ist ein Beispiel dafür, wie die staatlichen Fördergelder die Industrie zur Entwicklung klimaschonender Projekt anregen.  Insgesamt stellt die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen (62) mit ihrem Green Deal 550 Milliarden Euro zur Verfügung, um Europa bis 2050, zum "ersten klimaneutralen Kontinent der Welt" zu machen. Der Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft gehört dabei zu den beliebtesten Themen von Politik und Management. Zuletzt haben sich hier auch Großkonzerne wie BASF oder Siemens in Position gebracht. Erst an diesem Montag kündigte der Energieriese RWE an, dem Projekt NortH2 beizutreten, in dem etliche Versorger und der Erdölkonzern Shell bis 2030 ein Wasserstoffprojekt mit vier Gigawatt Leistung in den Niederlanden aufbauen wollen.

Die Partnerschaft mit Snam soll Linde vor allem bei der Verteilung des Wasserstoffs helfen. Das italienische Unternehmen besitzt und betreibt nach eigenen Angaben das mit 42.000 Kilometern Länge größte Pipelinenetz zum Transport von Erdgas auf dem Kontinent. Das Unternehmen, einst abgespalten vom italienischen Energiekonzern Eni, ist selbst an der Börse notiert und zum Teil noch in Besitz des italienischen Staates.

In den vergangenen Jahren hat es sein Pipelinenetz in diverse europäische Länder ausgeweitet – ein einträgliches Geschäft: 2019 machte der Konzern bei gut 2,6 Milliarden Euro Umsatz rund eine Milliarde Euro Gewinn. Der Pakt mit Linde soll laut Snam-CEO Marco Alverà (45) nun dabei helfen, das Wasserstoffgeschäft zu skalieren. Duffy Fischer, Analyst bei der Investmentbank Barcley's, erwartet insbesondere wegen Lindes starker Position im Gasegeschäft und der zunehmenden Bedeutung von Umweltschutzkriterien  (ESG) unter Profianlegern weiter steigende Kurse.

Linde selbst zählt sich schon heute zu den weltweit führenden Unternehmen in der Produktion, Verarbeitung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff. Der Konzern hat die größten Anlagen zur Herstellung von Flüssigwasserstoff und eines der bislang größten globalen Verteilungssysteme. Das Unternehmen betreibt auch die weltweit erste kommerziell betriebene Speicherkaverne, gekoppelt mit einem Pipelinenetz von rund 1000 Kilometern Länge. In diversen Staaten hatte der Konzern zuletzt Projekte für grünen Wasserstoff gestartet und mit ITM ein Joint-Venture zur Elektrolyse gegründet.

la, lhy/DPA, Reuters