Kooperation mit Netzbetreiber Snam Linde-Konzern greift bei grünem Wasserstoff an

Der Dax-Konzern Linde will künftig mit Europas größtem Gasnetzbetreiber gemeinsame Sache machen. Gemeinsam wollen sie Wasserstoffprojekte entlang der kompletten Wertschöpfungskette entwickeln.
Grün ist Trumpf: Linde-Chef Steve Angel

Grün ist Trumpf: Linde-Chef Steve Angel

Foto: Lino Mirgeler / picture alliance/dpa

Der Linde-Konzern will im Geschäft mit grünem Wasserstoff künftig eine größere Rolle spielen. An diesem Montag gab das Dax-Unternehmen bekannt, künftig gemeinsam mit dem italienischen Gasnetzbetreiber Snam Projekte und Infrastruktur in Europa zu entwickeln. Die beiden Unternehmen wollen sich künftig gemeinsam für die "Schlüsseltechnologie entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette" einsetzen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.  Dazu zählen Investitionen in Projekte zur Produktion, Verteilung, Komprimierung und Speicherung.

Linde-Chef Steve Angel (64) sieht im "grünen" Wasserstoff große Geschäftschancen für die Zukunft. Der Energieträger wird mithilfe erneuerbarer Energien klimaneutral erzeugt, um die größten CO2-Schleudern in Verkehr und Industrie zu entschärfen. Linde engagierte sich daher zuletzt verstärkt in etlichen Projekten in Europa. Wasserstoff werde eine bedeutende Rolle zur Erreichung der Ziele des europäischen Green Deals spielen, erklärte Angel den Vorstoß mit Snam, er freue sich, künftig mit einem absoluten Vorreiter der Energiewende zu kooperieren.

Die Kooperation ist ein Beispiel dafür, wie die staatlichen Fördergelder die Industrie zur Entwicklung klimaschonender Projekt anregen.  Insgesamt stellt die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen (62) mit ihrem Green Deal 550 Milliarden Euro zur Verfügung, um Europa bis 2050, zum "ersten klimaneutralen Kontinent der Welt" zu machen. Der Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft gehört dabei zu den beliebtesten Themen von Politik und Management. Zuletzt haben sich hier auch Großkonzerne wie BASF oder Siemens in Position gebracht. Erst an diesem Montag kündigte der Energieriese RWE an, dem Projekt NortH2 beizutreten, in dem etliche Versorger und der Erdölkonzern Shell bis 2030 ein Wasserstoffprojekt mit vier Gigawatt Leistung in den Niederlanden aufbauen wollen.

Die Partnerschaft mit Snam soll Linde vor allem bei der Verteilung des Wasserstoffs helfen. Das italienische Unternehmen besitzt und betreibt nach eigenen Angaben das mit 42.000 Kilometern Länge größte Pipelinenetz zum Transport von Erdgas auf dem Kontinent. Das Unternehmen, einst abgespalten vom italienischen Energiekonzern Eni, ist selbst an der Börse notiert und zum Teil noch in Besitz des italienischen Staates. In den vergangenen Jahren hat es sein Pipelinenetz in diverse europäische Länder ausgeweitet – ein einträgliches Geschäft: 2019 machte der Konzern bei gut 2,6 Milliarden Euro Umsatz rund eine Milliarde Euro Gewinn. Der Pakt mit Linde soll laut Snam-CEO Marco Alverà (45) nun dabei helfen, das Wasserstoffgeschäft zu skalieren.

An der Börse kamen die Nachrichten offenbar gut an. Der Kurs der Linde-Aktien legte zwischenzeitlich um knapp 4 Prozent zu. Duffy Fischer, Analyst bei der Investmentbank Barcley's, erwartet insbesondere wegen Lindes starker Position im Gasegeschäft und der zunehmenden Bedeutung von Umweltschutzkriterien  (ESG) unter Profianlegern weiter steigende Kurse.

Linde selbst zählt sich schon heute zu den weltweit führenden Unternehmen in der Produktion, Verarbeitung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff. Der Konzern hat die größten Anlagen zur Herstellung von Flüssigwasserstoff und eines der bislang größten globalen Verteilungssysteme. Das Unternehmen betreibt auch die weltweit erste kommerziell betriebene Speicherkaverne, gekoppelt mit einem Pipelinenetz von rund 1000 Kilometern Länge. In diversen Staaten hatte der Konzern zuletzt Projekte für grünen Wasserstoff gestartet und mit ITM ein Joint-Venture zur Elektrolyse gegründet.

Der grüne Wasserstoff spielt eine zentrale Rolle bei den Klimaplänen der europäischen Regierungen. Nicht nur im Rahmen des von der EU-Kommission angestoßenen Green Deals. Auch die einzelnen Staaten wie Deutschland oder Frankreich haben ambitionierte Pläne zur Förderung des grünen Wasserstoffs als sauberer Energiequelle angestoßen. So hat die Bundesregierung im Rahmen des Corona-Hilfspakets neun Milliarden Euro zugesagt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62) sieht in dem Stoff bereits einen "Gamechanger", um

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