Gespräche mit US-Konkurrenten über "Fusion unter Gleichen" Fusion mit Praxair könnte Linde wieder zur Nummer 1 machen

Fusionsgespräche: Linde-Chef Wolfgang Büchele hatte bereits im Mai angekündigt, Linde wieder zur Nummer Eins machen zu wollen. Nun testet er einen Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Praxair

Fusionsgespräche: Linde-Chef Wolfgang Büchele hatte bereits im Mai angekündigt, Linde wieder zur Nummer Eins machen zu wollen. Nun testet er einen Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Praxair

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Der Industriegasekonzern Linde  lotet eine Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair aus. Linde bestätigte am Dienstag Nachmittag entsprechende Gespräche, von denen zuerst das Wall Street Journal berichtet hatte. Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium.

Linde habe einen Zusammenschluss auf Augenhöhe im Visier, hieß es. Ein Aktientausch sei denkbar. Beide Unternehmen sind an der Börse derzeit etwa 30 Milliarden Dollar wert. Linde, nach der Übernahme von Airgas durch Air Liquide  nur noch Nummer zwei auf dem Weltmarkt, könnte die Franzosen durch die Fusion mit dem Branchendritten Praxair wieder überholen.

Zuvor hatte das "Wall Street Journal"  über Fusionsgespräche zwischen Linde und Praxair berichtet, ohne Details zu nennen. An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Titel verteuerten sich am Dienstag im Handelsverlauf um mehr als 11 Prozent und waren damit stärkster Wert im Dax.

Analysten konnten sich mit dem Fusionsgedanken anfreunden: "Ein Zusammenschluss oder Kauf könnte die Überkapazitäten reduzieren und wäre gut für die Margen des kombinierten Unternehmens", erklärte Marcus Mayer vom Wertpapierhandelshaus Baader. "Nach unserer Sicht könnten hohe Synergien von bis zu 800 Millionen Euro erreicht werden."

Analysten halten Fusion für sinnvoll

Die Gasebranche ist weltweit stark konsolidiert. Sollte die Fusion gelingen, blieben mit Linde/Praxair, Air Liquide und Air Products nur noch drei große Industriegaseanbieter übrig.

Ein Knackpunkt bei einer Fusion ist daher die Kartellfrage. Schon beim Kauf des britischen Rivalen BOC 2006 erhielt Linde strenge Auflagen und musste in mehreren Ländern Geschäft an die Konkurrenz abgeben. Regional ist Linde vor allem in Europa und Asien stark, Praxair hingegen in Nord- und Südamerika. Linde leidet allerdings unter der Schwäche der Öl- und Gasbranche und hatte sich deshalb vor allem im Geschäft mit medizinischen Gasen verstärkt.

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Ein Händler erklärte, eine solche Fusion würde zwar die Toleranz der Kartellbehörden testen, sei aber sicherlich nicht unmöglich, zumal sich 100 Prozent der Aktien von Linde im Streubesitz befänden.

Die Amerikaner sind mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 9,6 Milliarden Euro nur etwa halb so groß wie Linde, mit einem Gewinn von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro aber wesentlich profitabler. Die Münchner erwirtschaften bei einem Umsatz von 18 Milliarden Euro nur 1,15 Milliarden Euro.

Es wäre eine der größten Transaktionen in diesem Jahr. In der Gasebranche gab es zuletzt mehrere Zusammenschlüsse, darunter die milliardenschwere Übernahme der amerikanischen Airgas eben durch den französischen Anbieter Air Liquide. Dieser wurde damit zum Weltmarktführer.

Linde-Chef Wolfgang Büchele hatte Anfang Mai gesagt, mit dem Dax-Konzern wieder die Nummer eins in der Branche werden zu wollen. Dies sei in absehbarer Zeit auch möglich. Große Übernahmen seien allerdings nicht geplant. Linde und Praxair waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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rei/Reuters