Montag, 24. Februar 2020

Umsatz konstant, Ergebnis steigt Linde-Chef kündigt Stellenabbau in Deutschland an

Der Linde-Standort in Pullach ist bereits der mit Abstand größte des Konzerns (Archivaufnahme)

Der deutsch-amerikanische Linde-Konzern hat im vergangenen Jahr trotz schwacher Konjunktur mehr Gewinn gemacht - und einen Stellenabbau im deutschen Gasegeschäft angekündigt. Der aus den USA angereiste Vorstandschef Steve Angel sagte am Donnerstag in Pullach bei München: "Es wird auf jeden Fall Anpassungen geben."

Der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn befürchtet, dass bis Ende nächsten Jahres 850 der 7000 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Angel sagte: "Ich will nicht auf diese Zahlen eingehen." Aber die deutsche Industrie und damit auch das deutsche Gasegeschäft schwächelten: "Es wird Stellenkürzungen geben." In Pullach dagegen sitze der Anlagenbau, und der habe gerade "ein historisch gutes Jahr gehabt". Hier würden eher Stellen aufgebaut - obwohl der Standort mit 3300 Arbeitsplätzen dreimal größer sei als jeder andere Standort des Konzerns.

Der Konzernumsatz blieb im vergangenen Jahr mit 28,2 Milliarden Dollar fast unverändert, aber das um Fusionskosten bereinigte Betriebsergebnis stieg um 10 Prozent auf 5,27 Milliarden Dollar. Angel stellte rund zehn Prozent mehr Gewinn je Aktie auch im laufenden Jahr in Aussicht. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften zwar noch etwas schwieriger werden. Aber Linde habe volle Auftragsbücher und werde effizienter werden.

"Linde droht mittelfristig ein Kahlschlag"

Der bayerische IG-Metall-Chef Horn sieht die Befürchtungen der Gewerkschaften bestätigt. In den Vorjahren seien fast 1000 Stellen gestrichen worden, jetzt kämen 850 dazu, Deutschland sei besonders betroffen. "Angesichts des neuen Shareholder-Stils müssen wir befürchten, dass das noch nicht das Ende der Abbaupläne ist. Linde droht mittelfristig ein Kahlschlag", sagte Horn der dpa.

Hauptaktionäre sind angelsächsische Investoren. Horn kritisierte: "Das kurzfristige Shareholder-Denken ist an die Stelle einer nachhaltigen, strategischen Unternehmensplanung getreten". Im Vordergrund stehe die Senkung von Fixkosten, Aufträge würden weltweit im Konzern verschoben. "Die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland stehen unter großem Druck, dass Produkte und Aufträge an den Standorten bleiben."

Linde ist breit aufgestellt und beliefert alle Branchen: Öl-, Chemie- und Metallindustrie sowie Lebensmittelhersteller oder Krankenhäuser. Den Löwenanteil seiner Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Linde in Amerika, jeweils gut 20 Prozent kommen aus Europa und Asien.

Die Linde AG und der kleinere, aber profitablere US-Konkurrent Praxair hatten sich 2018 zum Weltmarktführer für Industriegase zusammengeschlossen. In Deutschland beschäftigt die neue Linde plc. rund 7000 Mitarbeiter, weltweit 80.000. Die alte Linde-Zentrale in München wurde im Dezember geschlossen, die verbliebenen 200 Mitarbeiter zogen nach Pullach um.

luk/dpa

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