Donnerstag, 22. August 2019

Weltgrößte Luftfahrtmesse Le Bourget Airbus triumphiert, Boeing enttäuscht

Boeing 737 Max: Nach den Abstürzen mit 346 Toten sind die Fluggesellschaften verunsichert
Stephen Brashear/AFP
Boeing 737 Max: Nach den Abstürzen mit 346 Toten sind die Fluggesellschaften verunsichert

Die zwei tödlichen Abstürze des Typs Boeing 737 Max 8 zeigen Wirkung: Der krisengeschüttelte US-Flugzeugbauer hat auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget deutlich weniger Bestellungen für neue Maschinen eingesammelt als der Wettbewerber Airbus.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus Börsen-Chart zeigen hat auf der weltgrößten Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget deutlich mehr Aufträge eingesammelt als sein US-Rivale Boeing. Insgesamt erhielt Airbus Bestellungen und Vorverträge über 363 neue Flugzeuge, wie der Konzern beim Messe-Abschluss am Donnerstag bekanntgab. Boeing konnte lediglich Aufträge und Vorverträge über 272 Jets abschließen.

Dabei punktete Airbus vor allem mit seinem neuen kleinen Langstreckenjet A321XLR, für den der Konzern gleich elf Kunden gewinnen konnte. So gaben am Mittwoch die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines und die Muttergesellschaft der Billigflieger Wizz Air, Frontier Airlines und JetSmart milliardenschwere Orders über je 50 der Flugzeuge ab. Die mehr oder weniger verbindlichen Verträge für die erst am Montag vorgestellte Maschine summierten sich bis Donnerstagmittag auf 226 Exemplare.

Allerdings sind viele Fluggesellschaften bei ihren Orders einfach nur auf die A312XLR umgestiegen. So sind beispielsweise von den 50 Aufträgen der American Airlines nur 20 neu. Die australische Fluggesellschaft Qantas orderte für mehr als eine Milliarde Dollar zehn neue A321XLR und wandelte weitere 16 Aufträge für andere Modelle aus der A320-Familie in den A321XLR um. Indigo Partners, die Holding des Billigflug-Investors Bill Franke, die an Wizz Air und anderen Linien beteiligt ist, wandelte 18 A320-Bestellungen um und orderte 32 A321XLR zusätzlich.


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Der Airbus A321XLR soll Strecken von bis zu 4700 nautischen Meilen (8700 Kilometer) bewältigen können. Das sind 15 Prozent mehr als herkömmliche Kurz- und Mittelstrecken-Maschinen schaffen. Damit ließen sich Direktverbindungen von der amerikanischen Ostküste zu mittelgroßen Flughäfen in Europa abdecken, erklärte American Airlines. Für diese Strecken lohnt sich oft der Einsatz großer Langstrecken-Maschinen nicht. Der Flieger soll ab dem Jahr 2023 verfügbar sein und verglichen mit bisherigen Flugzeugen wie der Boeing 757, die solche Strecken typischerweise fliegen, rund 30 Prozent an Treibstoff und CO2-Ausstoß einsparen.

Die Langstrecken-Variante dürfte etwas teurer sein als die 129,5 Millionen Dollar, die laut Preisliste ein Airbus A321neo kostet. Doch bekommen Kunden bei Großbestellungen üblicherweise große Rabatte. Branchenkennern zufolge hat beispielsweise der Indigo-Auftrag mit 50 Fliegern einen Wert von 4,5 Milliarden Dollar.

Boeings Aufträge brechen ein

Konkurrent Boeing Börsen-Chart zeigen steckt nach zwei tödlichen Abstürzen mit insgesamt 346 Toten derzeit in einer schweren Krise und wollte am Donnerstag nicht vorrechnen, wie viele Flugzeuge er auf der Messe diesmal verkauft hat. Nach vorherigen Angaben kam Boeing aber auf Aufträge und Vorverträge über 272 Jets. In der letzten Nacht seien keine neuen Bestellungen mehr hinzugekommen, sagte Boeing-Verkaufschef Ihssane Mounir am Morgen. Das sei keine typische Air Show gewesen.

Zum Vergleich: Bei der letzten Pariser Messe vor zwei Jahren waren es mit 571 mehr als doppelt so viele. 2018 zog Boeing bei der Flugschau im britischen Farnborough mit Bestellungen über 528 Jets an seinem europäischen Rivalen Airbus vorbei, der die Messen lange dominiert hatte.

Das nach den Abstürzen ausgesprochene weltweite Flugverbot für den Unglücksflieger 737 Max sorgt bei Fluggesellschaften für Verunsicherung. Noch ist unklar, ob Boeing die Probleme inzwischen wirklich gelöst hat - und wann die Behörden das Flugverbot aufheben, das bereits drei Monate gilt.

IAG will 200 Boeing-Jets kaufen - ausgerechnet 737 Max

Am Dienstag sorgte Boeing allerdings für eine Überraschung: Airbus-Stammkunde und British-Airways-Mutter IAG orderte 200 Boeing-Jets - ausgerechnet in der umstrittenen 737-Max-Version. Die Order ist bisher aber nur eine Absichtserklärung.

IAG-Chef Willie Walsh will den Jet bei den Konzerntöchtern British Airways, Vueling und Level einsetzen. Er habe volles Vertrauen in Boeing und erwarte, dass das Flugzeug in den kommenden Monaten zurück in den Liniendienst gehe.

Dafür müssen Luftfahrtbehörden in aller Welt allerdings erst das von Boeing gelieferte Update für die Steuerungssoftware des Fliegers freigeben, die für die Unglücke bei den Fluggesellschaften Lion Air und Ethiopian Airlines mitverantwortlich gewesen sein soll.

Derzeit stehen weltweit rund 370 Max-Jets bei Fluggesellschaften am Boden. Bei dem Hersteller selbst stauen sich mehr als 100 neue Maschinen der Reihe, die er derzeit nicht ausliefern darf. Wann das Startverbot aufgehoben wird, ist weiterhin offen.

mg/dpa-afx, rtr

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